Matthias Schorer, Head of Strategy Consulting bei VMware CEMEA
ITM: Herr Schorer, wie hoch ist derzeit die Nachfrage mittelständischer Unternehmen nach Servern?
Matthias Schorer: Durch Virtualisierung und Cloud Computing sind Unternehmen generell viel weniger abhängig von Hardware als früher. Wo früher zehn Hardware-basierte Serversysteme notwendig waren, reicht heute ein Serverschrank, auf dem mehrere virtuelle Systeme laufen, aus. Über die Cloud kann man sich auch sehr kurzfristig mit Computing-Leistung versorgen, so dass gerade mittelständische Unternehmen flexibel auf unterschiedliche Arbeitslasten reagieren können.
Kleine Betriebe oder Start-ups verzichten teilweise gänzlich auf Server-Hardware und setzen voll auf Infrastruktur aus der Cloud.
ITM: Welche Merkmale prädestinieren einen Server für den Einsatz im Mittelstand?
Schorer: Mittelständische Unternehmen sind oft gekennzeichnet von Flexibilität und unterliegen einer ungeheuren Marktdynamik. Ihre IT-Budgets sind meist sehr begrenzt. Dementsprechend sollte ihre IT-Infrastruktur Hardware-unabhängig und agil gestaltet sein und nicht zu hohe Kosten verursachen. Mit einem virtualisierten Server schaffen sich Unternehmen quasi jeder Branche und Größe die nötige Flexibilität, um auch kurzfristig auf hohe Workloads reagieren zu können, und gleichzeitig die Kosten überschaubar zu halten.
ITM: Wie treffen IT-Verantwortliche die richtige Wahl?
Schorer: IT-Verantwortliche können sich von unabhängigen IT-Dienstleistern beraten lassen, die den Markt gut im Blick haben und mit allen wichtigen Hard- und Software-Anbietern zusammenarbeiten. Die VMware-Partner beispielsweise beraten nicht nur bei der Ausstattung der IT-Infrastruktur, sondern unterstützen die Unternehmen auch IT-strategisch, um wichtige Wettbewerbsvorteile zu generieren. Sie zeigen flexible Lösungen auf und helfen z.B. über vCloud Air - dem Cloud Dienst von VMware - bei kurzfristigen Engpässen.
ITM: Inwieweit spielt die Serverlast eine Rolle als Auswahlkriterium?
Schorer: Im Virtualisierungs- und Cloud-Zeitalter spielt die Hardware-seitige Serverlast nicht mehr eine so große Rolle wie noch vor zehn, 15 Jahren. Denn inzwischen ist nahezu jeder Server virtualisiert, was den Unternehmen eine ungeheure Flexibilität sowie eine bis zu zehnfache bessere Auslastung verschafft.
ITM: Welche Vorteile haben kleine und mittelständische Unternehmen von einem eigenen Serverbetrieb?
Schorer: Eigentlich keine. In einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen bedeutet ein eigener Serverbetrieb fast immer nur Mehraufwand und mehr Mehrkosten. Es sind ja nicht nur die Anschaffungs- und Betriebskosten, die hier zu Buche schlagen, sondern auch die Manpower. Je mehr Maschinen ein Unternehmen rumstehen hat, desto mehr Personal braucht es, sich darum zu kümmern. Ich würde jedem kleineren Betrieb empfehlen, sich in Sachen Server an einen IT-Dienstleister seines Vertrauens zu wenden und einen „externen“ Serverservice zu beziehen, oder Infrastruktur gleich komplett aus der Cloud zu beziehen. So bleibt man flexibel und die Kosten bleiben überschaubar.
ITM: Was passiert, wenn der Server ausfällt? Welche Sicherheitsvorkehrungen können getroffen werden?
Schorer: Die beste Sicherheitsvorkehrung für einen Serverausfall ist die Virtualisierung gepaart mit High Availability (HA). Fällt ein System aus, springt automatisch eine andere virtuelle Maschine ein. Das geht auch standortübergreifend und über weite Entfernung hinweg.
ITM: Wann sollte ein Mittelständler besser auf Standardsysteme z.B. auf Windows- oder Linux-Basis zurückgreifen, wann sind spezialisierte Serverplattformen sinnvoll?
Schorer: Wir sehen ganz klar den Trend weg von proprietären Systemen wie z.B. AIX auf P-Series und Solaris auf Sparc hin zu x86 Systemen mit Linux oder Windows. Die Prozessorleistung heutiger x86 Systeme in Verbindung mit Virtualisierungstechnologie ist geeignet, um auch größte Datenbanken und SAP-Systeme zu betreiben.
ITM: Wird der Serverschrank auf Dauer durch Cloud Computing ersetzt werden?
Schorer: Auch wenn Hardware-Server natürlich nicht gänzlich verschwinden werden, geht deren Anzahl doch merklich zurück. Vor allem in kleineren und mittelgroßen Betrieben sinkt die Notwendig, sich mit teurer Hardware „herumschlagen“ zu müssen. Gerade für KMUs ist Cloud Computing eine kostengünstige und flexible Lösung. Große Firmen werden sicherlich nicht auf ihre über die Jahre gewachsenen IT-Systeme verzichten, doch geht auch hier die Bereitschaft zu Hardware-bedingten Neuanschaffungen zurück.
ITM: Welche Auswirkungen hat das Support-Ende für Microsoft Windows Server 2003 auf mittelständische Anwender?
Schorer: Anwender die ihre Systeme noch nicht virtualisiert haben, sollten das notwendige Betriebssystem-Upgrade unbedingt dafür nutzen zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. VMware bietet übrigens einen Migrationsservice an, um physikalische Systeme zu virtualisieren und gleichzeitig das Betriebssystem-Upgrade durchzuführen.
ITM: Welche Servertypen eignen sich für Virtualisierungszwecke?
Schorer: Grundsätzlich eignen sich alle gängigen Servertypen, die bei mittelständischen Unternehmen im Einsatz sind, für Virtualisierung. Man sollte sich aber natürlich bewusst sein, dass virtuelle Systeme generell nicht schneller sein können als die darunter liegende physikalische Infrastruktur. Insofern sollten sich IT-Verantwortliche also vor dem Kauf eines Servers mit dessen Leistungskomponenten und den gewünschten Anforderungen auseinandersetzen.
ITM: Wann ist der Einsatz eines Blade-Servers ratsam und profitabel?
Schorer: Generell ist man mit Bladesystemen weniger flexibel, was den Lieferant angeht, denn Bladeserver stecken ja in dem Chassis eines bestimmten Herstellers und diese sind nicht genormt. Man legt sich also auf einen Hersteller fest. Bei einzelnen Rackmount-Servern ist man viel flexibler, denn man kann Modelle unterschiedlicher Hersteller kombinieren und so die Einkaufspreise besser optimieren.
ITM: Welche Aspekte müssen IT-Verantwortliche beim Umstieg auf Blade-Server beachten?
Schorer: Man muss sich im Klaren sein, dass man sich auf einen Hersteller festlegen muss, denn es macht gar keinen Sinn, Bladesysteme unterschiedlicher Hersteller im Mischbetrieb zu fahren. Hat man sowieso eine Einhersteller-Strategie, dann ist das in Ordnung. Will man aber Einkaufskonditionen optimieren und das Risiko streuen, dann ist eine Zwei- oder Mehrhersteller-Strategie sinnvoller und dann sollten besser Rackmount-Server zum Einsatz kommen.