Kontinuierliche Innovationen

Facelifting für die Finanz-Software

Kaum eine Abteilung ist so prädestiniert für den Einsatz des Computers wie die Buchhaltung. Daher zählen Rechnungswesen und Controlling zu den Klassikern der Standard-Software. Dennoch gibt es gerade auch hier viele Innovationen, denn die Buchhalter stehen immer wieder vor neuen Aufgaben wie Compliance, ESG, LkSG oder Zero-Day-Abschluss.

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    „Wir wollen eine führende Größe im B2B-Software-Markt werden“, berichtet Stéphanie Kliner. ((Bildquelle: Enventa))

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    Hendrik Schneider sorgt für Workflows mit „mehrstufigen Freigabeprozessen und individuellen Genehmigungsregeln“. ((Bildquelle: Vario Software))

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    Dr. Martin Wansleben fordert bei Sustainable Finance drastische Vereinfachungen sowie eine mittelstandsfreundliche Ausrichtung der Finanzierungsstandards. ((Bildquelle: DIHK))

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    Ähnlich wie das Gehirn auf das Nervensystem angewiesen ist, kommt die Finanz-Software nicht ohne Datenströme aus. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))

Vergleicht man ein Unternehmen mit dem menschlichen Körper, ist die Buchhaltung wohl das Gehirn. Hier laufen alle Informationen zusammen, hier ist das „Gedächtnis“ für alle Transaktionen angesiedelt. Die Buchhaltung liefert wesentliche Fakten, auf deren Basis das Management seine Entscheidungen trifft: Wie geht es eigentlich dem Unternehmen? Erzielt es einen Gewinn? Welche Bereiche florieren?

Die Buchhaltung nutzt den Maßstab „Geld“. Damit misst sie alle Aktivitäten, fasst sie sinnvoll zusammen und teilt die Ergebnisse der Geschäftsleitung und anderen Parteien mit – jeweils dem Informationsbedarf dieser Parteien angepasst, sowohl auf formaler als auch auf inhaltlicher Ebene. Nicht jede Partei muss alles wissen – und auch nicht immer sofort. Andere Parteien schon.

Für den nötigen Überblick sorgen

Die Buchhaltung sorgt für den nötigen Überblick. Sie stellt im Reporting alle Informationen rund um die finanzielle Situation des Unternehmens für die unterschiedlichsten Interessengruppen gezielt zusammen: für Management, Fachabteilungen, Banken, Partner, Investoren und Gläubiger. Dabei hilft schon lange entsprechende Buchhaltungs- und Controlling-Software; das war auch schon in den 1970er-Jahren das Motiv für viele Mittelständler, sich eine kostspielige Computeranlage von Kienzle (mit dem „Elektronischen Fakturierungs- und Abrechnungssystem EFAS 2000) oder Nixdorf (mit Comet) anzuschaffen – klobige Schränke, die weniger Power hatten als ein heutiges Smartphone, aber damals viel Zeit und Aufwand sparten.

Ähnlich wie das Gehirn auf das Nervensystem angewiesen ist, das die Informationen aus allen Teilen des Körpers in die Schaltzentrale liefert, kommt die Buchhaltung (und damit auch die unterstützende Finanz-Software) nicht ohne Datenströme aus allen Bereichen des Unternehmens aus. Daher erscheint die Integration in das Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) naheliegend, wie sie nicht nur die Global Player SAP, Microsoft oder IFS erfolgreich praktizieren. Ferner scheint auch eine Trennung nach dem Motto „Teile und herrsche“ sinnvoll, für die Finanz-Software-Spezialisten und Best-of-Breed-Anbieter à la Diamant Software, Fibunet, Portolan oder Syska stehen.

Dank ihrer Spezialisierung können sich Best-of-Breed-Anbieter besser und vor allem auch schneller um spezifische Aufgabenstellungen in ihrem Spezialgebiet „Finance“ kümmern, die z.B. vom Gesetzgeber, von Banken und Versicherungen, Eigentümern oder auch Kunden und Lieferanten stammen. Ganzheitlich agierende ERP-Anbieter haben ja darüber hinaus auch noch viele andere Herausforderungen innovativ zu meistern, sei es in Bereichen wie Warenwirtschaft oder Produktion, sei es in Personalwesen, Kundenservice oder Verkauf.

Sustainable Finance

Ein typisches Beispiel ist das Thema „Nachhaltigkeit“, sprich „Sustainable Finance“. Denn Nachhaltigkeit will auch finanziert sein, ruft die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Erinnerung. Und das sei für kleinere Betriebe nicht immer einfach, sondern bedeute viel Bürokratie. Sie seien immer stärker mit umfangreichen Berichtspflichten konfrontiert, die etwa Banken oder größere Geschäftspartner an sie weiterreichen. Laut DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben sind hier drastische Vereinfachungen sowie eine mittelstandsfreundliche Ausrichtung der Finanzierungsstandards gefragt. Andernfalls würden „kleine und mittlere Betriebe bei der Transformation ausgebremst“. Das Interesse der Wirtschaft, mehr in Nachhaltigkeit zu investieren, sei jedenfalls sehr groß.

Ein Grund: Die eigentlich für Konzerne und Banken eingeführten Nachhaltigkeitsberichtspflichten landen indirekt auch beim Mittelstand, kritisiert Wansleben. Als Bankkunde oder Lieferant aus der Wertschöpfungskette müsse der dann immer mehr Offenlegungsverpflichtungen nachkommen, für die er weder Vorteile erhalte noch Kapazitäten habe.

Nicht alles selbst machen

Compliance, ESG, LkSG oder Zero-Day-Abschluss: Es gibt auch darüber hinaus viel zu tun. Aber auch Best-of-Breed-Anbieter müssen nicht alles selbst machen. Über die mehr oder weniger simple Bereitstellung von Schnittstellen zu angrenzenden Software-Systemen hinaus können sie auch mit anderen Spezialisten kooperieren, wie es Diamant Software seit dem Sommer mit der Comramo AG praktiziert. Andere Hersteller begnügen sich nicht mit Partnerschaften und kaufen sich die Fibu-Experten gleich ganz. Beispiele sind Proalpha (Übernahme von Corporate Planning), Infor (Akquise von Varial) oder Scopevisio (Kauf von Fibunet).

Diesen Weg schlug im Frühjahr auch die Enventa Group ein und erwarb Syska, einen Karlsruher Anbieter von Buchhaltungs-Software. „Wir wollen unseren […] Kunden exzellente Software bieten und eine führende Größe im B2B-Software-Markt werden“, begründete Stéphanie Kliner, Co-CEO der Enventa Group, diesen „weiteren, wichtigen Schritt“. Die zugekaufte Software bietet umfangreiche Funktionen für die Buchhaltung, Kostenrechnung, Anlagenbuchhaltung sowie weitere Funktionsmodule.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Enventa war erst im April vergangenen Jahres als Zusammenschluss von vier Softwarehäusern – Nissen & Velten (ERP), Texdata (ERP), Aruba Informatik (BI) und Litreca (Finanzwesen) – gegründet worden. Die Gruppe, die mit rund 200 Mitarbeitern an 15 Standorten und über 30 Partnerunternehmen mehr als 1.400 Mittelständler betreut, kannte Syska bereits als Texdata-Partner. Syska-Geschäftsführer Markus Schäfer erwartet „spannende Synergieeffekte, durch welche wir wachsen werden und unsere Produkte noch intensiver und schneller weiterentwickeln können“.

Anderes Beispiel: Die Vario Software AG, ein knapp 90 Mitarbeiter starker Hersteller von ERP-Software für kleine und mittelständische Handels-, Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen in der DACH-Region, hat ihr Warenwirtschaftssystem nun mit einem Rechnungsprüfungs-Workflow ergänzt, der für Transparenz und Zeitersparnis bei der Bearbeitung von Eingangsrechnungen sorgen soll. Das neue Modul ist direkt in das Var-8-ERP- und Warenwirtschaftssystem integriert und flexibel auf das jeweilige Unternehmen anwendbar. Eine nahezu vollumfängliche und vorbereitende Buchhaltung der Eingangsseite kann ebenfalls sichergestellt werden. Rechtlich notwendige Prüfschritte und daraus resultierende Informationen wie die formelle und sachliche Prüfung sowie das Kontieren des Belegs werden digital an den Datensatz „geheftet“. Als Highlights nennt Prokurist Hendrik Schneider „die mehrstufigen Freigabeprozesse mit individuellen Genehmigungsregeln und der Übergabe der Eingangsrechnungen inklusive PDFs an Drittsysteme wie Finanzbuchhaltungen oder externe Archivsysteme“.

Viele Wege ermöglichen das Facelifting bewährter Finanz-Software, um rasch auf neue Herausforderungen zu reagieren. Ob Entwicklungen aus eigener Kraft, gezielte Kooperationen oder strategische Zukäufe: Softwarehäuser haben Optionen, um die Schaltzentralen ihrer Kunden funktionstüchtig zu halten.

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