Die gesellschaftlichen Folgen, die von der Gesichtserkennung ausgehen, sind noch gar nicht abzuschätzen.
Öl in die seit Jahren lodernde Diskussion zwischen ethisch motivierten Datenschützern und den von Personalsorgen getriebenen Sicherheitsbehörden hat die Meldung vom amerikanischen Start-up Clearview gegossen. Das Unternehmen mit dem zweifelhaften Namen hat frei im Internet zugängliche private Bilder zu einer Datenbank zusammengestellt und auf dieser Basis verschiedenen Behörden einen Service zur Gesichtserkennung angeboten – obwohl die Software noch unausgereift und brandgefährlich ist.
Gerade Angehörige von Minderheiten werden von Algorithmen häufig verwechselt – was schreckliche Konsequenzen haben kann. Ein im letzten Jahr durchgeführter Test des Gesichtserkennungssystems von Amazons Computer-Vision-Software Rekognition erkannte fälschlicherweise amerikanische Kongressabgeordnete auf Polizeifotos von Verdächtigen.
Beruhigend ist da, dass die EU-Kommission, die über den europaweiten Einsatz von Gesichtserkennung zu entscheiden hat, über ein mehrjähriges Moratorium für den großflächigen Einsatz nachdenkt. Vor allem, weil von einer massenhaften Bilderkennung derzeit ohnehin nur chinesische Unternehmen und die großen amerikanischen Cloud-Anbieter Amazon, Microsoft und Google aufgrund ihrer technischen Möglichkeiten profitieren.
Ob der großen Kritik und der Gefahren, die von einer Massenüberwachung ausgehen, verwundert es nicht, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer möglicherweise auf das Vorhaben verzichtet, an sicherheitsrelevanten Orten eine Software zur automatischen Gesichtserkennung zuzulassen. Eine grundsätzliche Abkehr sei das aber nicht, vielmehr gebe es noch juristische Fragen sowie Fragen zur gesellschaftlichen Akzeptanz, so das Ministerium.
Ob es letztere überhaupt geben wird, ist zu bezweifeln. Die gesellschaftlichen Folgen, die von der Gesichtserkennung ausgehen, sind schließlich gar nicht abzuschätzen. So werden sich Menschen dieser Technologie im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz nicht mehr entziehen können. Immer mehr Daten werden erhoben und müssen analysiert werden, wobei dies aus Kapazitätsgründen nicht mehr von Menschen, sondern von intelligenten Software-Lösungen gemacht wird. Eine Verschiebung der Machtverhältnisse, bei der der Mensch gegenüber der Technologie Einbußen hinnehmen wird, ist vorprogrammiert – wie einst Orwells Fiktion.
Durchweg positiv ist der Blick ins Jahr 2020 zum Glück hinsichtlich der 5G-Campus-Netze. Die Technologie soll zum leistungsstarken Motor für die Industrie im Mittelstand werden.
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