Förderprogramme und finanzielle Unterstützung können KMU dabei helfen, ihre Digitale Transformation voranzubringen. ((Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus))
Thomas Ehrlich von Lancom legt im Kommentar dar, wie KMU ihre Digitalisierungsprojekte mithilfe von Förderprogrammen in die Tat umsetzen können. ((Lancom Systems GmbH))
Mit dem ersten Lockdown ging es ganz schnell: Unternehmen in ganz Deutschland schickten Mitarbeitende ins Homeoffice und stellten auf digital gestützte Arbeitsprozesse um. Von einem pandemiebedingten Digitalisierungsschub im Mittelstand war die Rede. Nun offenbaren jedoch aktuelle Studien, dass die Digitale Transformation in KMU immer noch ganz am Anfang steht – fehlende Budgets und Know-how sind zwei der Gründe. Dabei gibt es attraktive Förderprogramme vom Bund, die mit bis zu 50.000 Euro Zuschuss bei Investitionen und Beratung helfen.
Ein Blick in den Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021 der Deutschen Telekom offenbart, wo KMU digital investiert haben. Ganz oben auf der Ausgabenliste stehen Tools für Kommunikation, Videokonferenzen und Kollaboration – also vorrangig Lösungen, die die Umstellung auf das Arbeiten aus dem Homeoffice und eine Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs ohne Büropräsenz ermöglichten.
Der große Entwicklungsschub in Sachen digitaler Transformation ist allerdings ausgeblieben, wie nicht nur eine aktuelle IHK-Umfrage zur Digitalisierung belegt. Von den knapp 3.500 befragten KMU sind die meisten nach eigenen Angaben in Sachen Digitalisierung zuletzt kaum vorangekommen. Die größten Showstopper: hohe Komplexität (45 Prozent), hohe Kosten (40 Prozent) und mangelnde zeitliche Ressourcen (38 Prozent).
Laut einer Studie des Bitkom sind fehlende Finanzmittel in 43 Prozent der Firmen für das Ausbremsen von Digitalisierungsprojekten mitverantwortlich. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat der Bund gleich mehrere Förderprogramme für die Digitalisierung im Mittelstand aufgelegt.
„Go Digital“ zielt darauf ab, KMU den Einkauf von Beratungsleistungen in den Bereichen „Digitalisierte Geschäftsprozesse“, „Digitale Markterschließung“ und „IT-Sicherheit“ zu ermöglichen, „um mit den technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen bei Online-Handel, Digitalisierung des Geschäftsalltags und dem steigenden Sicherheitsbedarf bei der digitalen Vernetzung Schritt zu halten“.
Das Ziel sind KMU mit weniger als 100 Beschäftigten und einem Vorjahresumsatz- bzw. einer Vorjahresbilanzsumme von höchstens 20 Millionen Euro, das Programm läuft zum 31.12. aus.
„Digital jetzt“ läuft noch bis Ende 2023. Hier steht nicht die Beratung im Fokus, sondern die Investitionsförderung. Zwei Module lassen sich kombinieren: „Investition in digitale Technologien“ und „Investition in die Qualifizierung der Mitarbeiter“.
Das Programm adressiert Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitenden. Die Förderkontingente werden jeweils zum 15. eines Monats vergeben. Die maximale Fördersumme beträgt 50.000 Euro pro Unternehmen, unter bestimmten Umständen ist sogar eine Erhöhung auf 100.000 Euro möglich.
Zusätzlich zu den Förderprogrammen des BMWi haben privatwirtschaftliche Anbieter wie der deutsche Netzwerkhersteller Lancom Systems eigene Mittelstandsförderprogramme aufgelegt. So werden im Rahmen des Lancom „Digital-Turbo“ Digitalisierungsprojekte auf Basis des gesamten Lancom-Netzwerk- und Security-Portfolios unterstützt. Im Zentrum stehen ein Beratungsgespräch und Sonderkonditionen bei der Hardware-Beschaffung. Der „Digital-Turbo“ lässt sich unbürokratisch mit den staatlichen Programmen kombinieren.
Dass sich Digitalisierung und digitale Transformation im Mittelstand auch abseits von Homeoffice und Co. lohnen, zeigt ein Blick auf die zahlreichen digitalen Leuchttürme, die es trotz der allgemein ernüchternden Zahlen gibt.
Beim Verpackungsmittelhersteller Pack-Ex beispielsweise wurde Digitalisierung zur Geschäftsgrundlage. Das Start-Up ist 2017 angetreten, um die Faltschachtelproduktion zu revolutionieren. Alle Prozesse sind nahezu vollständig digitalisiert und ermöglichen so die wirtschaftliche Fertigung individueller Faltschachteln in Klein- und Kleinstmengen.
Auch der Wasgau Cash + Carry Markt Boxberg – ein Großmarkt für Obst und Gemüse – nutzt digitale Prozesse als wichtiges Standbein für sein Geschäftsmodell. Bis um sieben Uhr morgens kaufen hier Wiederverkäufer ein, danach öffnen sich die Türen für Restaurants, Hotels, Kantinen – für die jedoch andere Preise gelten. Die sich daraus ergebenden Herausforderungen löst der Markt über einen unauffälligen Digitalisierungskünstler: elektronische Preisschilder, die die Preise der über 200 Positionen tagtäglich in Sekundenschnelle automatisch umstellen.
Angesichts solcher Beispiele bleibt zu hoffen, dass der deutsche Mittelstand die Corona-Krise als Chance begreift, seine Geschäftsmodelle grundlegend zu digitalisieren. Und sich nicht darauf beschränkt, bestehende analoge Prozesse mit Werkzeugen, die das Arbeiten ohne physische Anwesenheit erlauben, weiterzuführen.