„Durch moderne Cloud-Technologien sind mittlerweile die meisten technischen Hemmnisse abgebaut.“ Philipp Bohn
ITM: Herr Bohn, welche Faktoren beeinflussen aktuell das Thema „Unified Communications/Telekommunikation“ (UC/TK) in Unternehmen?
Philipp Bohn: Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit der Einführung von Consumer-Tools zur Kommunikation und Zusammenarbeit – entweder freiwillig oder unfreiwillig. Eine große Rolle für die Entscheidungsträger spielt hier letztlich die Nutzerakzeptanz, also wie wird ein Tool nach der Einführung tatsächlich genutzt und welchen Mehrwert liefert es dem Unternehmen. Generell gibt es auch in deutschen Unternehmen eine zunehmende Offenheit für Public-Cloud-Dienste, trotz recht strenger Datenschutzrichtlinien. Hier haben die Anbieter aber schon reagiert, etwa indem sie in Deutschland betriebene Rechenzentren nutzen. Spannend ist häufig noch die Frage, auf welchem Wege traditionelle Technologien wie Telefonie und cloud-basierte Collaboration-Dienste zusammenkommen können.
ITM: Wie würden Sie jeweils die interne Kommunikation eines großen Mittelständlers sowie die eines kleinen Start-ups beschreiben? Wer hat die besseren Strukturen?
Bohn: Für die Kommunikation ist in beiden Unternehmensformen meistens ein Mix an unterschiedlichen offiziell und inoffiziell eingeführten Tools im Einsatz. Viele Unternehmen nutzen immer noch verschiedene Tools für E-Mail, Telefonie, Chat oder Video. Welche Tools von welchem Anbieter eingesetzt werden, kann sogar von Abteilung zu Abteilung und von Team zu Team unterschiedlich sein. Einerseits ist das dank flexibler Software-as-a-Service-Angebote (SaaS) kein Problem. Andererseits führt es zu weiter fragmentierten Informationssilos, die wir eigentlich eher abbauen sollten.
ITM: Inwieweit gibt es Überschneidungen hinsichtlich genutzter UC- und TK-Tools?
Bohn: Zum einen ersetzen neue Tools, wie unsere Plattform Circuit, viele interne und externe Telefonate. Dank der WebRTC-Technologie können Sprach- und Videotelefonie sowie Screensharing in guter Qualität über das Internet geführt werden. Zum anderen spielt das Telefon, ob fest oder mobil, nach wie vor eine wichtige Rolle, daher sollte es auch in die Collaboration-Landschaft eingebunden werden. Beispielsweise können externe Nutzer per traditionellem Dial-in an Sprachkonferenzen teilnehmen.
„Ältere Unternehmen sollten sich bei der Offenheit für neue Tools durch Start-ups inspirieren lassen.“ Philipp Bohn
ITM: An welchen Stellen hakt es bei der Kommunikation häufig noch? Was sind typische Stolpersteine?
Bohn: Durch die bereits angesprochene Fragmentierung der Tool-Landschaft haben viele Mitarbeiter mit der „Orchestrierung“ ihrer Arbeit zu kämpfen. Ein typisches Szenario beispielsweise beim wöchentlichen Jour fixe mit dem Kunden: Die Meeting-Agenda ist in der E-Mail, die Präsentation im Online-Storage, dann müssen alle Teilnehmer noch das Plug-in für die WebKonferenz installieren und sich noch mit PIN einwählen. Dieser Aufwand führt bei immer mehr virtueller Zusammenarbeit zu einem Problem für die Produktivität.
ITM: Wie können beide Seiten – sprich alteingesessene und Jungunternehmen – voneinander lernen?
Bohn: Ältere Unternehmen sollten sich bei der Offenheit für neue Tools und insbesondere Arbeitsformen durch die Neuen inspirieren lassen. Durch moderne Cloud-Technologien sind mittlerweile die meisten technischen Hemmnisse abgebaut. Neue können von alten Unternehmen lernen, ihren Fokus auf Sicherheit, Qualität und Skalierbarkeit zu legen – jenseits vom jeweils aktuellen Hype in der Technologie-Bubble und ohne bei der Nutzerfreundlichkeit Abstriche machen zu müssen.
ITM: Wie kann ein entsprechendes Online-Werkzeug letztlich die Brücke zwischen Start-ups und Corporates schlagen?
Bohn: Indem es die alte und die neue Welt verbindet. Einer unserer Kunden, das Start-up Livefresh, kann durch die Integration der Telefonie in das Online-Collaboration-Tool Circuit für die Kommunikation mit seinen Zulieferern nutzen. Als Smoothie-Produzent sind seine Partner Obsthändler und Maschinenhersteller, da sind Online-Tools wenig verbreitet und das Telefon ist weiterhin ein zentrales Kommunikationsmittel. Mit unserer Lösung bringen wir diese beiden Welten zusammen.
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