Holger Drewig, Herth+Buss Fahrzeugteile GmbH&Co.KG
ITM: Herr Drewing, warum ist die Absatzprognose ein wichtiges Thema für Herth+Buss?
Holger Drewing: Die Herth+Buss Fahrzeugteile GmbH & Co. KG ist ein mittelständischer, inhabergeführter Spezialist für Fahrzeugelektrik und Verschleißteile für asiatische Fahrzeuge. Unsere beiden Sortimente Elparts und Jakopparts verfügen über mehr als 20.000 verschiedene Ersatzteile, und diese sind im freien Kfz-Teilemarkt unter der Marke Herth+Buss fest etabliert. Als Großhändler sowie Importeur und Exporteur beziehen wir diese Teile bei ca. 300 verschiedenen Lieferanten aus über 30 Ländern. Daher ist eine möglichst genaue und sichere Absatzprognose für uns von existentzieller Bedeutung.
Zum einen wollen wir für unsere Kunden eine exzellente Lieferfähigkeit sicherstellen und zum anderen die Kosten für Lagerhaltung und Kapitalbindung so gering wie möglich halten. Ohne eine aussagefähige Prognose unserer Teile, wäre dies kaum möglich.
ITM: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie im Bereich Absatzprognose aktiv werden müssen?
Drewing: Herth+Buss wächst beständig, und dies stellt das gesamte Unternehmen immer wieder vor Herausforderungen. In diesem Zusammenhang konnten wir im Rahmen eines Benchmarks mit einem Dienstleister und der angeschlossenen Bestandsanalyse durch Log:IT ein Bestandsreduzierungspotential im siebenstelligen Bereich ausmachen. Daneben war gerade im Bereich der Fernostdisposition durch lange und häufig schwankende Lieferzeiten ein hoher Grad an manuellem Einsatz in der Disposition erforderlich. Wir wollten also den manuellen Einsatz der Disponenten verringern und eine bessere maschinelle Absatzprognose in allen Bereichen erreichen, so dass mehr Transparenz herrscht.
ITM: Welche Faktoren beeinflussen den Bedarfsplan Ihres Unternehmens?
Drewing: Zum einen haben unsere Lieferanten, deren Zuverlässigkeit und deren Lieferzeiten einen hohen Einfluss auf den Bedarfsplan. Bei langen Lieferzeiten sind die Sicherheitsbestände und -reichweiten höher als bei kurzen Lieferzeiten. Zum anderen wollen wir bei Schnelldrehern unseren Kunden eine Lieferbereitschaftsquote von 98 Prozent bieten. Gleichzeitig haben wir in den letzten Jahren hohe Umsatzzuwächse und einen Anstieg der Exportquote zu verzeichnen, worauf es sich ebenfalls einzustellen gilt. Außerdem stellt die Lagerfläche immer einen Begrenzungs- und Kostenfaktor dar. Überbestände sind daher genauso zu vermeiden wie Rückstände. So gilt es, Lagerorte möglichst effizient zu nutzen und dies bei unserer Disposition zu berücksichtigen.
ITM: Vor welchem Hintergrund haben Sie sich für die Add-on-Software mpd entschieden?
Drewing: Wir haben uns ein Angebot von der Firma Log:IT eingeholt. Nach der Prüfung des Angebots haben wir erst einmal die erwähnte Bestandsanalyse durchführen lassen. Diese zeigte auf, welches Potential wir noch für die Optimierung unserer Bestände haben. Dies und die Möglichkeiten, welche die Software in Sachen Bestandsplanung und Prognose, Controlling und Analyse sowie Transparenz durch Exceptions bietet, haben uns dazu bewogen, uns für mpd zu entscheiden.
Außerdem hatten auch einige andere Firmen aus der Automobilersatzteilbranche zu diesem Zeitpunkt die Lösung bereits im Einsatz, und Log:IT konnte uns für die Verzahnung der Systeme einen Standard-Connector für SAP liefern. Für uns als Mittelständler ist eben Flexibilität das A und O. Und mangelnde Flexibilität in puncto Bestandscontrolling, Berücksichtigung von Saisonalität, Planung von neuen und auslaufenden Artikeln, Stücklisten, Auffüllen auf Frachtfreigrenzen, Lieferantenboni oder Containervolumen sowie fehlende Datentransparenz und aufwendige Parametrisierung sprachen klar für die Lösung.
ITM: Es gibt auch SAP-Module, mit denen Prognosen möglich sind. Warum war dies keine Alternative für Sie? Sie nutzen ja SAP...
Drewing: Das ist richtig. Wir hatten in der Vergangenheit auch einige Erweiterungen in SAP durchgeführt, um unsere Prognose zu verbessern. Beispielsweise haben wir eine ABC-/XYZ-Klassifizierung aller Artikel durchgeführt und die Berechnung der Artikelhöchstbestände angepasst. Der Vorteil von mpd ist allerdings, dass sämtliche Artikel mit sechs verschiedenen Prognoseverfahren prognostiziert werden und dass immer das Prognoseverfahren mit dem geringsten Fehler gewählt wird. In SAP wurden die Artikel nur nach einem Prognosemodell kalkuliert.
Außerdem erkennt mpd automatisch positive und negative Ausreißer und reagiert bei Trends schneller als SAP. In SAP mussten Ausreißer immer manuell von den Disponenten bereinigt werden. Gleiches gilt für das Saisonverhalten von Artikeln.
ITM: Wie gestaltete sich die Einführung der neuen Software? Welche Probleme gab es zu bewältigen?
Drewing: Wie bei jeder Software-Einführung gab es Herausforderungen, die es zu lösen galt und die unseren Produktivstart etwas verzögerten. Es war uns aber wichtig, das Programm erst nach einer ausgiebigen Testphase produktiv zu schalten und so schnell das Vertrauen der Mitarbeiter in die Software zu gewinnen.
Die Behandlung von Kundeneinzelbestellungen und Lieferplänen war in mpd nicht vorgesehen. Diese Funktionen wurden vom Dienstleister entwickelt und in den Standard übernommen. Mithilfe unserer Ansprechpartner und der Projektgruppe konnte dies gelöst werden, so dass es nach dem Produktivstart zu keinen nennenswerten Problemen mehr kam und nach einer Einführungsphase von sechs Monaten die Lösung voll genutzt wird.
ITM: Welchen konkreten Nutzen ziehen Sie dieser Tage aus der neuen Lösung?
Drewing: Wir haben mit ihr einen Weg gefunden, unsere Prognosequalität zu verbessern und unsere Absatz- und Bestandsentwicklung transparenter zu gestalten. Die Abwicklung der Disposition, insbesondere der Fernostdisposition, hat sich durch genauere Bedarfszahlen optimiert und beschleunigt. Außerdem können Artikel mit kritischem Bestandsverhalten durch Zusatzfeatures leicht identifiziert werden. Trotz Umsatzsteigerungen konnten wir seit der Einführung unsere Lagerbestände reduzieren, und auch die Entwicklung der Lagerumschlagszahlen stimmt uns positiv.
Herth+Buss Fahrzeugteile GmbH & Co. KG
Branche: Großhandel mit Fahrzeugersatzteilen
Gründung: 1925
Hauptsitz: Heusenstamm
Umsatz: ca. 75 Mio. Euro
www.herthundbuss.com