Code-Analyse bietet wertvolle Unterstützung

Fundament für die Software-Entwicklung

Das Modeunternehmen Brax Leineweber steht laut eigener Aussage für moderne Bekleidung in hochwertiger Qualität. Modernität ist aber nicht nur gefragt, wenn es um neueste Modetrends geht. Auch das Unternehmen muss „up to date“ bleiben, um z.B. neue Vertriebskanäle zu unterstützen und effizient zu produzieren.

  • Code-Analyse bietet wertvolle Unterstützung

    „Digitalisierung ergibt nur Sinn, wenn sie auch Chefsache ist“, sagt Markus Lacher, Leiter Digitalisierung und IT bei Brax Leineweber.

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    „Wenn man ohne eXplain die Zusammenhänge in den Programmen prüfen müsste, dann wäre das ein Vielfaches an Zeitaufwand“, betont Markus Lacher.

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    „Bei allem, was wir uns strategisch überlegen, ist automatisch IT mit im Spiel“, stellt Markus Lacher klar.

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    „Als ich vor vier Jahren die IT-Abteilung übernommen habe, war diese vollkommen überlastet“, berichtet Markus Lacher.

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    „Das Mindset der Anwender ist die größte Hürde“, meint Markus Lacher.

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    „Da das ERP-System unser Herzstück ist, muss es sich immer auf dem technisch neuesten Stand befinden“, erklärt Markus Lacher.

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    „Ich verbringe Stunden mit meinem CEO, damit er versteht, was ich vorhabe. Das bedeutet: viel reden, viel erklären, transparent sein und den Leuten den Nutzen aufzeigen“, so Lacher.

Digitalisierung hat daher oberste Priorität bei Brax. Das betrifft die Verwaltungsprozesse ebenso wie die Abläufe im Retail und im Wholesale. Für die IT-Abteilung bedeutet das eine Menge Arbeit und viele Herausforderungen – etwa bei Programmänderungen am eigenentwickelten Enterprise-Resource-Planning-System (ERP). Wertvolle Unterstützung bietet dabei das Code-Analyse-Tool von PKS. Im Interview erklärt Markus Lacher, Leiter Digitalisierung und IT, wie eXplain die Arbeit seiner Abteilung erleichtert, Wissensmonopole verhindert und seinen Programmierern neue Freiräume ermöglicht.

ITM: Herr Lacher, welche Rolle spielt Digitalisierung in Ihrem Unternehmen?
Markus Lacher:
Eine sehr große. Deswegen haben wir das Thema auch in der Geschäftsleitung aufgesetzt und den Bereich „Digitalisierung und IT“ gegründet. Ich berichte direkt an unseren CEO. Es gibt keine Funktion dazwischen. Denn Digitalisierung ergibt nur Sinn, wenn sie auch Chefsache ist. Wir erstellen eine Digitalisierungs- sowie eine IT-Strategie, die ineinander übergehen und fortgeschrieben werden. Das heißt: Auf der rein wirtschaftlichen Seite gibt es eine Unternehmens-Roadmap, in der die Unternehmensziele definiert sind. Aber manche dieser Ziele kann man nur erreichen, wenn man die Effizienz steigert und Digitalisierung vorantreibt. Und dann muss die IT aktiv werden.

ITM: Was bedeutet Digitalisierung bei Brax?
Lacher:
Digitalisierung muss man so ein bisschen aufteilen in die unterschiedlichen Bereiche: Zum einen geht es darum, Verwaltungsprozesse zu digitalisieren, um sie u.a. schneller zu machen. Ein Beispiel ist der Rechnungslauf. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen und haben vor der Pandemie 320 Mio. Euro Umsatz gemacht. Das bedeutet, dass wir pro Jahr 50.000 Kostenrechnungsbelege bearbeiten müssen. Diese sind früher in Papierform durchs Haus gelaufen. Das haben wir natürlich mittlerweile digitalisiert. Das ist also die verwaltungstechnische Seite. Hinzu kommt dann die Digitalisierung unserer Kernprozesse.

ITM: Was für Prozesse sind das?
Lacher:
Brax ist auch Produzent, wir erstellen Modekollektionen. Und es gibt ganz viele Ansätze zur Erstellung eines digitalen Produkts. Dabei geht es darum, Produkte digital zu entwerfen oder um Fragen wie: Braucht man überhaupt noch ein physikalisches Muster? Vor der Pandemie haben wir im Jahr ungefähr 90.000 Musterteile erstellt. So ein Musterteil kostet natürlich ein Vielfaches des Produkts, wenn es in Serie geht. Da lassen sich unglaubliche Kostenpotenziale heben. Der zweite Bereich der Kernprozesse bezieht sich auf den Wholesale. Früher – und zum Teil auch heute noch – kam bzw. kommt ein Einkäufer in den physischen Show Room. Dort kann er die Kollektion anschauen, anfassen und auch anziehen. Danach schreibt er dann den Auftrag. Jetzt stellen wir uns die Fragen: Muss er vor Ort sein? Lässt sich dies auch digitalisieren? Kann man es dem Kunden ermöglichen, sich die Kleidungsstücke in 3D anzuschauen?

ITM: Gibt es weitere Gebiete für die Digitalisierung?
Lacher:
Das dritte große Thema ist Retail, weil wir auch ein eigener Händler sind, sowohl stationär – also im Ladengeschäft – als auch im Online-Shop. Hier arbeiten wir daran, nahtlose digitale Übergänge zu ermöglichen. Ein Beispiel ist, wenn ein Kunde im Laden etwas umtauschen möchte, was er im Online-Shop gekauft hat. Oder dass er im Laden etwas online bestellen kann, weil das Produkt gerade vor Ort nicht verfügbar ist. Es gibt also an ganz vielen Stellen unterschiedliche digitale Prozesse – von der digitalen Produktentwicklung bis zum Austausch von digitalen Informationen in der Supply Chain.

ITM: Das hört sich nach viel Arbeit für Ihre Abteilung an. Wie viel investiert Ihr Unternehmen in die IT?
Lacher:
Wir sind als Unternehmen grundsätzlich sehr planungsintensiv. Nach dem Marketing-Budget, das der größte Topf ist, kommt schon das Budget für Digitalisierung und IT. Dieses umfasst ungefähr 1,7 Prozent des Umsatzes. Wir stellen für jedes Budget einen mittleren bis hohen siebenstelligen Betrag bereit. Und dieser teilt sich dann auf in Personalkosten, Miete, Wartung, Investition und Beratung. Dabei wird das Budget für Miete und Wartung immer größer, da wir zunehmend auf Software as a Service (SaaS) setzen und weniger auf gekaufte Lizenzen.

ITM: Wie würden Sie die Bedeutung von IT in Ihrem Unternehmen beschreiben?
Lacher:
Die IT hat heute eine zentrale Rolle bei uns. Wir müssen uns überall mit Multi-Channel-Anforderungen auseinandersetzen und diese lassen sich ohne IT gar nicht lösen. Bei allem, was wir uns strategisch überlegen, ist automatisch IT mit im Spiel. Denn es geht um Daten, es geht um Geschwindigkeit. Ohne die entsprechenden Systeme ist das überhaupt nicht machbar.

ITM: Mit welchen Herausforderungen haben Sie dabei zu kämpfen?
Lacher:
IT ist grundsätzlich schneller und prozessualer geworden. Unterstützung durch die IT ist mittlerweile an viel mehr Stellen notwendig. Diese Entwicklung hat durch die Pandemie noch einmal eine besondere Dynamik bekommen – z.B. um Konzepte wie Homeoffice oder Click & Collect zu ermöglichen. Die Pandemie hat außerdem dafür gesorgt, dass wir 2020 ungefähr 25 Prozent unseres Umsatzes einbüßen mussten. Das war schon sehr heftig, weil Brax ein sozial sehr verantwortliches Unternehmen ist. Doch die einzige Chance, die wir hatten, war, Kostenstrukturen anzupassen und leider auch Personal abzubauen. Das war eine sehr schmerzliche Erfahrung. Das hatte auch zur Folge, dass plötzlich weniger Leute den gleichen Arbeitsaufwand stemmen mussten. Das heißt, dass wir relativ viele Abläufe in kurzer Zeit zusätzlich automatisieren mussten. Hinzu kommt dann noch die grundsätzliche Herausforderung „Generationenwechsel“.

ITM: Das heißt?
Lacher:
Die natürliche altersbedingte Fluktuation sorgt dafür, dass in der IT-Abteilung Wissen abwandert. Wir müssen uns dann damit beschäftigen, wie wir den Know-how-Transfer rechtzeitig hinbekommen, damit dieses Wissen nicht verloren geht. Und wir müssen uns natürlich darum kümmern, Ersatz für die ausgeschiedenen Mitarbeiter zu bekommen.

ITM: Wie sieht das konkret aus?
Lacher:
Wir sind eine relativ große IT-Abteilung mit 26 Mitarbeitern, weil wir vieles selbst machen. Unser Herzstück ist ein eigenentwickeltes ERP-System, auf dem die Artikel-, Kunden- und Lieferantenstammdaten liegen. Dafür habe ich sechs Systementwickler bzw. Programmierer an Bord. Der Jüngste ist 33, der Älteste 63 Jahre alt. Dabei muss ich aufpassen, dass keine Wissensmonopole entstehen und dass Know-how nicht unter Umständen im wahrsten Sinne des Wortes mit ins Grab genommen wird. Wenn ich einen Mitarbeiter habe, der z.B. auf der IBM Power i für das Thema „Produktionsplanung“ zuständig ist und der bald in Rente geht, muss ich schnell jemanden finden, der das übernehmen kann. Daneben müssen wir uns um die Ausbildung kümmern. Sowohl in der Systementwicklung als auch im Bereich „Infrastruktur“ haben wir jeweils eine Ausbildungsstelle fest etabliert. Es freut mich, dass wir dafür immer wieder junge Leute begeistern können.

ITM: Warum haben Sie das ERP-System selbst entwickelt und nutzen nicht z.B. die bekannte Software aus Walldorf?
Lacher:
Wir wollen keine monolithische Struktur, sondern verfolgen einen Best-of-Breed-Ansatz. Diesen halte ich auch für sehr wichtig. Ich habe während meines beruflichen Werdegangs auch in größeren Unternehmen gearbeitet, in denen SAP eingesetzt wird. Aber dafür ist Brax als Mittelständler meiner Meinung nach zu klein. Das wäre finanziell für uns nicht zu stemmen.

ITM: Das ERP-System läuft auf der Power i.
Lacher:
Das ist richtig. Es ist ein System der Power i, das wir gerade auf eine neue Plattform – auf die Power9 – gehoben haben. Da das ERP-System unser Herzstück ist, muss es sich immer auf dem technisch neuesten Stand befinden. Aber bei so einer Hardware-Modernisierung müssen viele Fragen beantwortet werden: Welche Programme laufen darauf? Wie alt sind diese und welche Schnittstellen müssen unterstützt werden? Können wir uns vorstellen, mit neuen Programmiersprachen zu arbeiten? Dafür ist die Power i sehr gut geeignet, weil sie vielseitig ist. Wir fangen z.B. gerade an, verstärkt auch Webservices zu installieren und uns entsprechend mit PHP-Programmierung zu beschäftigen. Trotzdem brauchen wir auch noch RPG-Programmierer, weil alte Programme weiterlaufen.

ITM: Und hier kommt eXplain von PKS ins Spiel?
Lacher:
Richtig. Bei einer Modernisierung muss man sich immer anschauen, welche Altstrukturen vorhanden sind und welcher Code nicht mehr benutzt wird. Sie müssen sich vorstellen: Wir haben alle AS-400-Generationen durchlaufen und sogar mit Geräten gearbeitet, die vor der AS 400 noch anders hießen. Unser erstes IBM-System wurde irgendwann in den 70ern eingeführt. Wir nutzen eXplain, um alles zu visualisieren. Wenn wir eine Programmänderung machen, rufen die Entwickler erst einmal jenes Tool auf und führen eine Code-Analyse durch. Diese zeigt ihnen dann, welche Programme sowie Knotenpunkte betroffen sind und wie diese miteinander zusammenhängen.

ITM: Was wäre denn die Alternative?
Lacher:
Die einzige Alternative wäre, die Analyse selbst zu machen – also ohne ein Tool. Deswegen waren mögliche Vorbehalte gegenüber eXplain relativ schnell ausgeräumt. Allein herauszufinden, welche Programme über welche Knotenpunkte involviert sind, ist extrem aufwändig. Oder Fragen wie: Wenn ich etwas verändere, was muss ich denn dann ebenfalls verändern, damit keine Probleme entstehen? Das ist ja das Gefährliche bei so einer Legacy. Es gibt manchmal Programme, über die wir uns kaputtlachen, wenn wir sehen, von wann die sind und wer sie geschrieben hat. Der entsprechende Kollege ist dann vielleicht schon seit zehn Jahren in Rente.

ITM: Das heißt, eXplain macht die Arbeit für die IT einfacher?
Lacher:
Definitiv. Wenn man ohne das Tool die Zusammenhänge in den Programmen prüfen müsste, um sicherzustellen, dass man bei einer Anpassung keinen Quatsch macht, dann wäre das ein Vielfaches an Zeitaufwand. So können wir einfach eXplain darüber laufen lassen und alle Zusammenhänge gleich erkennen.

ITM: Inwieweit hilft Ihnen das Tool, auch für künftige Anforderungen gerüstet zu sein?
Lacher:
Es bildet jetzt das Fundament für die generelle Entwicklung, weil man damit dokumentieren kann, was man tut. Und es hilft uns auch zu standardisieren – also einheitliche Regeln für das Programmieren zu definieren, an die sich alle Entwickler halten. Mein Teamleiter für die Programmierer geht in eineinhalb Jahren in Ruhestand. Der sagt mir: „Ich kann bei jedem Programm sehen, von wem es ist – allein an der Art und Weise, wie das Programm geschrieben ist.“ Das macht mich natürlich als Chef ein bisschen hellhörig.

ITM: Das heißt, aus der Analyse des Codes kann man gewisse Rückschlüsse ziehen, und auf dieser Basis legt man dann bestimmte Regeln für die Software-Entwicklung fest?
Lacher:
Es geht darum, eine einheitliche Vorgehensweise zu etablieren. Aber diese Regeln müssen erst noch definiert werden. Wir sind jetzt auf der Stufe, auf der wir dank eXplain zu der Einsicht gekommen sind, dass diese nötig sind. Die Regeln dann festzulegen, wäre die nächste Stufe.

ITM: Erleichtert das Tool auch die Personalplanung in der IT?
Lacher:
Es hilft uns, Wissensmonopole aufzubrechen. Sonst können Situationen entstehen, in denen es beispielsweise zum Problem wird, wenn ein Programmierer zwei Wochen im Urlaub ist. Denn wenn in dieser Zeit in seinem Fachbereich etwas passiert, kann sich niemand darum kümmern, weil das Wissen fehlt. Oder wir müssen versuchen, den zuständigen Kollegen in seinem Urlaub zu erreichen. Ich müsste daher quasi jede Position doppelt besetzen. Um das zu vermeiden, muss man mindestens ein Vier-Augen-Prinzip einführen. Und dank der Transparenz durch ein Tool wie eXplain kann dann jeder aus dem Team, der Erfahrungen mit der Power i hat, alles nachvollziehen. Oder man sorgt dafür, dass die Entwicklung so standardisiert ist, dass sich jeder ganz schnell in das Programm und in die Themen eines Kollegen hineindenken kann – egal aus welchem Fachbereich er kommt. Letztlich schaffe ich damit auch Freiräume für meine Kollegen.

ITM: Inwiefern?
Lacher:
Meine Leute in der IT-Abteilung werden entlastet und können sich mit anderen Dingen beschäftigen – z.B. mit neuen Programmieransätzen. Die sechs Programmierer arbeiten wie schon erwähnt vor allem in RPG. Einige davon möchten sich aber jetzt verstärkt auch mit PHP beschäftigen, um Webanwendungen zu schreiben. PHP ermöglicht auch eine agile Software-Entwicklung, daher unterstützen wir das.

ITM: Und das ist jetzt möglich?
Lacher:
Ich schaffe Freiräume für die Leute, die interessiert sind, noch eine zweite Programmiersprache zu lernen. Und diese Freiräume sind wichtig. Denn ich kann nicht erwarten, dass ein Mitarbeiter das in seiner Freizeit tut, auch wenn solche Programmierer grundsätzlich eine unglaublich hohe Eigenmotivation und Arbeitsbereitschaft haben, weil sie sich meistens auch privat für solche Themen interessieren. Aber trotzdem kann ich das als Chef nicht voraussetzen. So können wir in der IT-Abteilung eine gute Mischung erreichen aus eher älteren Kollegen, die sich hauptsächlich mit RPG beschäftigen, und jüngeren Mitarbeitern, die sich in PHP oder Python weiterbilden.

ITM: Profitieren auch die Fachabteilungen von den gewonnenen Freiräumen?
Lacher:
Wir müssen zwar immer noch Prioritäten setzen und manchmal bestimmte Anforderungen von Fachabteilungen verschieben. Aber wir sehen Licht am Ende des Tunnels. Als ich vor vier Jahren die IT-Abteilung übernommen habe, war diese vollkommen überlastet. Es gab viel zu viele Anforderungen, die wir gar nicht umsetzen konnten – riesige Projektpläne und -zeiten. Und da schwimmen wir uns so langsam frei.

ITM: Wie lief die Einführung von eXplain? Gab es gewisse Hürden, die überwunden werden mussten?
Lacher:
Es gab ein Vorgespräch und anschließend wurde ein Workshop durchgeführt. Um diesen Workshop vorzubereiten, haben wir sogar schon die Installation vorgenommen. Das hat einen Tag gedauert, dann war die Sache erledigt. Im Workshop wurden ein paar Key User durch die Arbeit mit dem Tool begleitet. Sie haben gelernt, wie man es anwendet, wie man die alten Codes identifiziert, wie man diese ausgliedert und so weiter. Anschließend hat dieses Kernteam sein Know-how auf den Rest der Programmierer übertragen. Die Zeit für die Workshops betrug zwei Mal zwei Tage. Wenn man das komprimiert hätte – was wir nicht getan haben –, wären wir in einer Woche durch gewesen.

ITM: Die Abrechnung läuft lizenzbasiert?
Lacher:
Richtig. Man zahlt einen niedrigen fünfstelligen Betrag pro User. Hinzu kommen einmalige Kosten für den Workshop und die Implementierung. Insgesamt haben wir für das Tool einen Betrag zwischen 10.000 und 20.000 Euro ausgegeben.

ITM: Inwieweit gab es Akzeptanzprobleme bei den Nutzern?
Lacher:
Das war wie bei vielen IT-Projekten: Die technischen Herausforderungen sind meistens zu bewältigen. Aber das Mindset der Anwender ist die größte Hürde. Es gibt so viele Beispiele, in denen eine Software-Einführung technisch funktioniert hat, aber die Anwendung nicht so genutzt wird wie gewünscht. Denn alles, was Veränderung bedeutet, wird erst einmal kritisch beäugt. Man muss die Leute mitnehmen.

ITM: Wie macht man das?
Lacher:
Es gibt ja diese Darstellung des Know-how-Verlaufs von IT-Usern in einem Unternehmen. Dabei gibt es so einen Bauch – das sind die ewig Gestrigen. Die große Mitte – das ist der Rumpf. Und oben finden sich die High-Performer. Eine IT-Abteilung muss immer die Mitte befriedigen. Die High-Performer wird man nicht einholen, die sind immer zwei Schritte voraus. Und die ewig Gestrigen bekommt man nicht wachgeküsst. Wer also zu viel Energie sowohl für die High-Performer als auch für die ewig Gestrigen aufbringt, kommt nicht weiter.

ITM: Und wie war das konkret beim eXplain-Projekt?
Lacher:
Wir haben die Einführung des Tools angekündigt und im Kreis der zukünftigen Nutzer promoted. Ich habe einen sehr kooperativen Führungsstil und bin der Meinung, dass man den Leuten nichts aufoktroyieren sollte. Sie müssen selbst erkennen, dass der Einsatz einer bestimmten Lösung sinnvoll sein kann. Zum Anfang musste ich erst gegen den Widerstand meiner Programmierer ankämpfen. Die haben gesagt: „Das brauchen wir nicht, das können wir auch so.“ Man muss sie erst einmal heranführen an das Tool. Was kann es? Wie könnte es uns denn helfen? Wie ist die Kosten-Nutzen-Rechnung? Dann muss man zwei, drei Fans finden, welche die anderen Programmierer mitziehen und begeistern. Nachdem die Programmierer dann das Tool kennengelernt und die ersten Aufgaben damit erledigt hatten, haben sie gemerkt, dass es sehr hilfreich ist. Ich bin sehr transparent und habe auch die Kosten offengelegt. Und wenn das alles zusammenpasst, dann ist die Akzeptanz einfach da. Programmierer sind ja sehr rational unterwegs. Aber sie sind zugleich auch emotionale Menschen. Sie äußern das zwar nicht so, aber sie sind auch manchmal ganz schön sensibel. Daher braucht man schon ein gewisses Gespür für die Menschen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Kann man daraus schließen, dass das Code-Analyse-Tool im Arbeitsalltag der IT-Abteilung angekommen ist?
Lacher:
Die Arbeit mit dem Tool ist mittlerweile zur Routine geworden. Ich frage auch immer nach: „Wie oft benutzt ihr die Lösung? Und was macht ihr damit?“ Ich lasse mir das dann auch mal zeigen, auch wenn ich kein Programmierer bin. Ich kann zwar verstehen, was da passiert. Aber ich kann nicht programmieren und werde mir das auch im hohen Alter nicht mehr beibringen. Als Chef muss man nicht alles wissen. Man muss wissen, wen man fragen kann. Ich bin Kaufmann und meine Stärke liegt in einer schnellen Auffassungsgabe und im Verständnis von Prozessen.

ITM: Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie sich für eXplain entschieden haben?
Lacher:
PKS gehört zu unseren Stammdienstleistern. Das Unternehmen ist einer unserer strategischen Partner, die uns auf Know-how-Ebene weiterhelfen können. Wir tauschen uns aus. PKS-Geschäftsführerin Heidi Schmidt kennt meine Ansätze und meine Strategie. Sie gehört zu meinem ständigen Kreis von Beratern und Sparrings-Partnern. Und für eXplain haben wir uns auf Empfehlung des Anbieters entschieden, weil sie wusste, dass uns dieses Produkt helfen kann.

ITM: Kommen wir noch einmal auf das Mindset zurück – bedeutet denn die zunehmende Digitalisierung bei Brax auch einen Kulturwandel für das Unternehmen?
Lacher:
Das ist sogar ein ganz großer Kulturwandel, der die Hilfe der Personalabteilung und der Führungskräfte benötigt. Ich benutze dabei auch immer ein Bild, bei dem die Leute zwar schmunzeln, das aber trotzdem ernst gemeint ist. Wenn unsere Leute einen neuen Firmenwagen bekommen, dann sitzen sie noch abends auf dem Parkplatz, bis sie auch den letzten Knopf im Auto verstanden haben. Aber wenn man ihnen einen Laptop gibt, dann wollen sie, dass man ihnen alles erklärt. Die Frage ist halt: Sind die Digitalisierung und das Auseinandersetzen mit digitalen Werkzeugen eine Grundaufgabe eines Mitarbeiters? Ich sage: ja. Aber dieses Mindset muss man erst einmal herstellen. Und das ist auch eine Führungsaufgabe.

ITM: Das heißt konkret?
Lacher:
Wenn ich z.B. möchte, dass meine Abteilung zentral Daten in Sharepoint ablegt, dann muss ich sie als Führungskraft dazu führen und das auch selbst verstanden haben. Das heißt, mit dem verstärkten Einsatz von Microsoft Office 365 fangen wir jetzt bei den Führungskräften an. Sie sollen eine Idee entwickeln, warum sie keine Zentrallaufwerke mehr nutzen sollen, sondern alles in die Cloud legen. Ich verbringe Stunden mit meinem CEO, damit er versteht, was ich vorhabe. Das bedeutet: viel reden, viel erklären, transparent sein und den Leuten den Nutzen aufzeigen.

ITM: Sie haben gesagt, dass Sie kein Programmierer, sondern Kaufmann sind. Sehen Sie diesen Hintergrund eher als Vor- oder als Nachteil für Ihren Job?
Lacher:
Ich glaube, das relativ sachlich beurteilen zu können, und bin der Meinung, dass es ein großer Vorteil ist. Ich bin seit 36 Jahren in der Textilbranche und habe dort die unterschiedlichsten Jobs gemacht. Aber mein Interesse war immer prozessualer Natur. Ich wollte immer verstehen, wie etwas funktioniert, und habe über den Tellerrand geschaut. Dadurch kann ich in allen Prozessen unglaublich lange mitreden. Ich weiß, wie eine Kalkulation abläuft, wie man produziert oder wie der Vertrieb funktioniert. Und ich verstehe die Sprache dieser Leute. Dieses Generalistentum ist ein großes Pfund. Aber ich werde darauf sehr oft angesprochen.

ITM: Und was für Gespräche entstehen dann?
Lacher:
Wenn jemand meine Vita sieht, sagt er oft: „Sie sind ja gar kein ITler. Wie kommen Sie denn zurecht?“ Aber alle begrüßen, wie ich das erkläre. Ich sage dann: „Ich bin ein Dolmetscher.“ Man braucht jemanden, der die Sprache der Fachbereiche versteht, die Anforderungen dann für seine IT-Leute übersetzt und sagen kann, welche Lösung konkret gebraucht wird. Wie der Programmierer das dann nachher umsetzt, ist seine Sache. Aber mit eXplain hat er jetzt ein Tool, das ihm dabei wertvolle Dienste leistet.

Brax Leineweber ...

... wurde 1888 in Berlin von Schneidermeister Bernward Leineweber und seiner Frau Mary als Fachgeschäft für Herrenkonfektion gegründet. Das Unternehmen bietet fünf eigenständige Bekleidungsmarken für Damen und Herren. Der Hauptsitz ist in Herford. Brax Leineweber beschäftigt knapp 1.100 Mitarbeiter und machte im Jahr 2020 einen Umsatz von 246 Mio. Euro.

Markus Lacher
Alter: 57 Jahre
Familienstand: verheiratet, eine Tochter
Werdegang: Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel, staatlich geprüfter Handelsassistent; vor seiner Tätigkeit bei Brax hat er in verschiedenen Positionen in der Bekleidungsindustrie gearbeitet, u.a. bei Benetton und PVH (Mutterkonzern von Tommy Hilfiger und Calvin Klein)
Derzeitige Position: Leiter Digitalisierung und IT bei Brax

Bildquelle: Mike Henning

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