Geringe IT-Sicherheit in Arztpraxen
Cyberangriffe auf das Gesundheitswesen nehmen zu. Größtes Angriffsziel ist dabei die Telematikinfrastruktur (TI). Sie ist das Kommunikationsnetzwerk im deutschen Gesundheitssystem, wird regelmäßig kontrolliert und orientiert sich an strengen Spezifikationen. Die Sicherheitslage der IT-Infrastruktur von Arztpraxen in Deutschland hingegen wird bisher kaum erfasst, obwohl sie essenziell für die Verarbeitung sensibler Daten und direkt an die TI angeschlossen sind. Darum hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit zwei aktuellen Studien eine Datengrundlage geschaffen.
Umsetzung der IT-Sicherheit in Arztpraxen
In der deutschlandweiten Umfrage SiRiPrax konnte das BSI einen Einblick in die Umsetzung der aktuell geltenden Sicherheitsrichtlinie in ca. 1.600 Arztpraxen gewinnen. Lediglich ein Drittel der Befragten gab eine vollständige Umsetzung aller mit der Richtlinie vorgegebenen Schutzmaßnahmen an. Gleichzeitig ergab die Befragung, dass zehn Prozent der Arztpraxen bereits mindestens einmal von einem IT-Sicherheitsvorfall betroffen waren. Zusätzlich zeigte sich, dass bei der aktuellen Fassung der IT-Sicherheitsrichtlinie Optimierungsbedarf bezüglich Verständlichkeit und konkreter Hilfestellungen bei der Umsetzung bestehen.
Parallel hat das BSI im Rahmen der Studie CyberPraxMed in einer Auswahl von 16 Arztpraxen Cyberrisikofaktoren und Angriffsmöglichkeiten qualitativ erfasst. Hier hat das BSI teils schwerwiegende Sicherheitsmängel festgestellt, etwa unzureichender Schutz vor Schadsoftware, mangelndes Patchmanagement und fehlende Back-ups. So befand sich in allen untersuchten Praxen der Konnektor zur Anbindung an die TI im Parallelbetrieb zu einem gewöhnlichen Router und konnte dadurch seine Schutzwirkung nicht vollständig entfalten. Zudem waren in keiner der befragten Praxen sensible Patientendaten durch eine Festplattenverschlüsselung geschützt.
BSI-Präsidentin Claudia Plattner sagte hierzu: "Die gute Nachricht ist: Viele der Sicherheitsmängel, die wir festgestellt haben, können schnell und ressourcenschonend behoben werden. Die Ergebnisse ermöglichen uns, die IT-Sicherheit in Arztpraxen durch pragmatischere Vorgaben gezielt zu verbessern und so die Digitalisierung des Gesundheitswesens weiter voranzutreiben."
Bild: Tung Lam / Pixabay