Anders als bei regulierten Berufen, wie z.B. in der Krankenpflege, ist in IT-Berufen ein Quereinstieg grundsätzlich möglich.
Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (Kofa) untersucht regelmäßig die Arbeitsmarktentwicklung in verschiedenen Berufen, darunter die IT-Berufe. Dort fand man heraus, dass es für 46 Prozent aller offenen Stellen im IT-Bereich keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt.
IT-Fachkräfte sind demnach heiß begehrt: Im Jahresdurchschnitt 2020 arbeiteten ca. 854.000 Personen in IT-Berufen. Das entspricht 3,2 Prozent aller qualifizierten Beschäftigten in Deutschland – Tendenz steigend. Bereits seit 2016 übersteigt die Zahl der offenen Stellen die der qualifizierten Arbeitslosen, sodass nicht alle offenen Stellen im IT-Bereich besetzt werden können.
Um den Bedarf an Fachkräften in der IT-Branche auch künftig zu decken, sollten Unternehmen daher auch gezielt in die Weiterbildung der Belegschaft investieren. Durch passgenaue Maßnahmen können benötigte Kompetenzen in den eigenen Reihen vermittelt und betriebliche Arbeitsläufe verbessert werden. Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter regelmäßig weiterbilden, dann sollte dies auch in Stellenausschreibungen als „Benefit“ aufgeführt werden. Denn nicht selten gelten Weiterbildungsangebote für Bewerber als wichtiges Merkmal für attraktive Arbeitgeber.
Besonders kleine Unternehmen sind bereits heute schon sehr aktiv in der Weiterbildung, wie eine Auswertung des Kofa zeigt. Mit 1.384 Euro je Mitarbeiter und Jahr wendeten sie 2019 deutlich mehr für betriebliche Weiterbildung auf als mittelgroße (1.209 Euro) und große Unternehmen (1.142 Euro). Beschäftigte in den kleinen Unternehmen konnten sich außerdem deutlich länger weiterbilden. So qualifizierte sich diese Zielgruppe mit durchschnittlich 22,4 Stunden pro Jahr etwa sechs Stunden länger als Kollegen in mittleren und großen Firmen. Gerade im IT-Bereich ist kontinuierliche Weiterbildung notwendig, da sich Kompetenzanforderungen ständig verändern.
Anders als bei regulierten Berufen, wie z.B. in der Krankenpflege, ist in IT-Berufen ein Quereinstieg grundsätzlich möglich. Insbesondere für die Software-Entwicklung ist ein abgeschlossenes Informatikstudium nicht unbedingt notwendig. Häufig reicht es aus, wenn ein zahlenaffines Studium absolviert oder die erforderliche Programmierkenntnis anderweitig erworben wurde, beispielsweise in einem Coding Camp. Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass mehr als 80 Prozent der deutschen Unternehmen bereit sind, bei Fachkräften auch Teilqualifizierte ohne Berufsabschluss einzustellen. Betriebe sollten deshalb offen für Personen sein, die sich entweder bereits eigenständig weitergebildet haben oder dies gerne tun möchten. Statt an klassischen Profilen festzuhalten, sollte eine offene Haltung gegenüber non-formal erworbenen Kompetenzen entwickelt werden.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 4/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Darüber hinaus trägt Weiterbildung im Unternehmen nicht nur maßgeblich zur Fachkräftesicherung bei. Sie ist ebenfalls ein geeignetes Mittel, um Beschäftigte langfristig zu binden und das Wissen innerhalb des Unternehmens stets auf dem aktuellen Stand zu halten.
Fünf Tipps für erfolgreiche Weiterbildung im Unternehmen:
1. Weiterbildung im Unternehmensleitbild verankern.
2. Festes Budget für Weiterbildung festlegen, damit auch kurzfristig Mittel vorhanden sind und die Ausgaben nicht zu stark schwanken.
3. Regelmäßiger Austausch mit Führungskräften und Mitarbeitern über den Weiterbildungsbedarf im Betrieb.
4. Nicht nur fachliche, sondern auch persönliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter fördern. Dies steigert das Zugehörigkeitsgefühl zum Betrieb.
5. Qualität der ausgewählten Maßnahmen von den Teilnehmern im Anschluss beurteilen lassen, um besonders effektive und effiziente Angebote zu identifizieren und Fehlinvestitionen zu vermeiden.
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