„Mitarbeiter sollten eigenverantwortlich für ihre persönliche und fachliche Weiterentwicklung sein“, meint Sven R. Becker.
Etwa 96.000 Stellen für IT-Fachkräfte waren 2021 in Deutschland unbesetzt, so die aktuelle Bitkom-Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte. IT-Technologien verändern sich schnell, deshalb wächst die Nachfrage nach entsprechenden Experten. Wohl deshalb rechnen knapp zwei Drittel der Befragten damit, dass sich der Fachkräftemangel in der IT weiter verschärfen wird.
Einige Unternehmen gehen deshalb dazu über, Beschäftigten per intensiver Aus- und Weiterbildung die benötigten technischen Skills zu vermitteln. Laut der Studie „Talent Transformation. Global Impact Report“ vom Januar 2022 sind Arbeitnehmer stark interessiert, ihre Fachkenntnisse zu erweitern: Dem stimmen 61 Prozent der Befragten zwischen 30 und 49 Jahren zu, in der Altersgruppe 18 bis 29 sogar 69 Prozent. Viele Mittelständler könnten also ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und vielleicht sogar stärken, indem sie Mitarbeiter von heute auf Jobprofile von morgen hin weiterentwickeln.
Doch viele Mittelständler haben in der Pandemie ihre Weiterbildung stark zurückgefahren, zudem sind viele Lernformate nicht mehr zeitgemäß. „Weiterbildung nach dem Gießkannenprinzip“ ist gerade im Mittelstand immer noch oft üblich. Trockene Pflichtveranstaltungen sind aber längst nicht mehr auf die kommenden Herausforderungen ausgerichtet und stoßen selten auf Akzeptanz, weil sie kaum die Probleme im Arbeitsalltag zu lösen helfen.
Betriebliche Weiterbildung wird in den meisten Fällen noch von den Führungsspitzen diktiert. Das muss sich ändern – und die Unternehmen müssen ihre Belegschaft stärker in das Thema „Lernen“ einbinden. Mitarbeiter sollten eigenverantwortlich für ihre persönliche und fachliche Weiterentwicklung sein. Die für ein Stellenprofil notwendigen Lernziele könnten in Mitarbeitergesprächen festgehalten werden. Für die Zielerreichung sind Angestellte dann selbst verantwortlich – unter der Voraussetzung, dass sie von ihrem Arbeitgeber Zugang zu innovativen Lernangeboten bekommen.
Dank zunehmender Marktreife von adaptiven Lernsystemen, unterstützt durch Künstliche Intelligenz (KI), ist ein personalisiertes, kompetenzbasiertes Lernen inzwischen auch im Mittelstand möglich. Mit Lernmanagement-Systemen und Zugang zu entsprechenden Lerninhalten können Lernprozesse auf den jeweiligen individuellen Bedarf zugeschnitten sowie jeweilige Stärken und Schwächen der Geschulten berücksichtigt werden: Jeder Einzelne absolviert dann nur diejenigen Kurse, die für das Erreichen der von ihm erwarteten Kompetenzen nötig sind. Adaptive Lernsysteme können zudem erkennen, wer welchem Lerntyp entspricht – und passgenaue Lehrmethoden anbieten.
Mitarbeiter kommen mit unterschiedlichen Wissensständen in dasselbe Training. Diese Wissensstände abzufragen und mit entsprechenden Tools den Inhalt zu verteilen, ist technisch machbar. Lernformate sollten Mitarbeiter außerdem motivieren und im besten Fall regelrecht mitreißen. Dabei hilft z.B. Gamification, wie das Anwenden spielerischer Elemente in digitalen Trainings bezeichnet wird.
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Neben der inzwischen auch für Mittelständler erschwinglichen Technologie ist aber auch eine neue Lernkultur gefragt, hin zu stärker selbstgesteuertem Lernen. Schließlich bringen auch die fortschrittlichsten Lösungen und Methoden wenig, wenn die Schulungsteilnehmer sie nicht akzeptieren.
Bildquelle: IMC AG