Bundespolitik

Großbaustelle Digitalisierung im Mittelstand

Vor der neuen Bundesregierung stehen gewaltige Herausforderungen. Mit eine der wichtigsten: Die Digitalisierung des Mittelstandes. Um die voranzutreiben, sollte die Politik drei Maßnahmen angehen.

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    Die Voraussetzungen, unter denen Digitalisierungsprojekte derzeit gestartet werden, sind keineswegs frei von Hürden.

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    Toni Stork, Gründer und CEO der Digitalberatung Ommax

Mittelständler arbeiten heute hochvernetzt und handeln weltweit mit Waren und Dienstleistungen. Die Datenströme in den Unternehmen spiegeln indes die Ströme der realen Waren- und Dienstleistungswelt nicht wider. Viele Unternehmen arbeiten mit einer heterogenen Dateninfrastruktur und ein funktionierendes Datenmodell fehlt. Zudem übernehmen oft Distributoren den Handel, sodass Firmen aufgrund fehlender Daten nicht nachvollziehen können, wer ihre Produkte kauft. Dies zieht sich durch fast alle Branchen. Viele große Mittelständler haben das erkannt und in den letzten zwei Jahren große Digitalisierungs- und Datenstrategieprojekte aufgesetzt, um eine Homogenisierung der Datenmodelle und der IT-Infrastruktur zu erzielen und auch künftig global wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wo es oft noch hapert

Wurde die Notwendigkeit erkannt, sind indes die Voraussetzungen, unter denen diese Digitalisierungsprojekte gestartet werden, nicht frei von Hürden: In Großstädten finden Unternehmen meist noch genug Fachkräfte, um Projekte umzusetzen. Doch auf dem Land sind diese rar gesät. Dies betrifft zum Beispiel das ländliche Baden-Württemberg, in dem viele Hidden Champions angesiedelt sind. Es ist derzeit trotz Fachkräfteeinwanderungsgesetz schwierig, Fachkräfte aus außereuropäischen Ländern einzustellen. Auch von den Universitäten kommt nicht genügend Nachwuchs, der die Aufgaben bewältigen könnte.

Weiteres Problem sind fehlende finanzielle Ressourcen: So würden vor allem viele kleinere Firmen von Mini-ERP-Systemen profitieren. Solche Systeme vereinfachen die Verwaltung von Auftragsein- und ausgängen. Im Idealfall sind sie mit der Buchhaltung verknüpft. Die kleinen Mittelständler hätten damit ihre Abende frei, statt sie auf Quittungen, ausgedruckte Rechnungen und Buchhaltung zu verwenden. Hierfür stehen ausgezeichnete Tools zur Verfügung, deren Implementierung aber Zeit und Geld kostet, die die Unternehmen oft nicht haben.

Drei Forderungen an die Politik

Was kann die künftige Bundesregierung tun, um Mittelständlern bei der Digitalisierung zu helfen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken? Erstens: Stellt die Universitäten so auf, dass sie digitale Rockstars ausbilden. Damit Berufsanfänger den Anforderungen aus dem Berufsleben gerecht werden können, brauchen sie eine praxisorientierte Ausbildung. Es reicht nicht, Theorien und Fachbegriffe zu kennen. Die Praxis, zum Beispiel in Form von Projektmanagement, muss gelehrt und greifbar gemacht werden. Darauf sollten sich die Universitäten stärker ausrichten.

Zweitens: Die Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten muss weiter erleichtert werden. Auch EU-nahe Länder, wie die Ukraine und Weißrussland bieten hier, neben den üblichen IT-Staaten wie Indien, reichlich Potenzial. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz war ein Schritt in die richtige Richtung, aber der Gesetzgeber sollte hier weiter ansetzen, etwa bei den immer noch langwierigen und bürokratischen Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsabschlüsse.

Und drittens: Auch wir als Digitalberater bei Ommax sehen die absolute Notwendigkeit für ein eigenes Digitalministerium. Dieses benötigt sowohl Kompetenzen als auch Budget, um Entscheidungen vorantreiben und durchsetzen zu können. Wesentliche Aufgaben für eine effektive Wirkung auf die Wirtschaft wären, die Ausbildung von Fachkräften weiter voranzutreiben und Fördergelder für die kleinen Mittelständler zur Verfügung zu stellen.

Viele Mittelständler haben die Notwendigkeit zur Digitalisierung erkannt, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit der richtigen Unterstützung durch die Politik ist gewährleistet, dass sie ihre Pläne umsetzen können.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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