Smarte Helfer

„Großes Potenzial für den Robotereinsatz“

Im Interview erklärt Thomas Hähn, CEO der United Robotics Group, welche Veränderungen der Einsatz von Servicerobotern in der Gastronomie und weiteren Branchen mit sich bringt.

Thomas Hähn

Thomas Hähn ist Gründer und CEO von United Robotics Group und Vorsitzender der Hahn Group mit mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung in den Bereichen „Automation“ und „Robotik“.

ITM: Herr Hähn, in welchen Bereichen kommen Serviceroboter heute schon zum Einsatz?
Hähn:
Serviceroboter sind inzwischen die dritte Robotergeneration. Bestand die erste noch aus großen, fest installierten Industriemaschinen zur Automatisierung einzelner repetitiver Produktionsschritte, so arbeitete die zweite Generation, die Cobots, unmittelbar mit Menschen zusammen. Jedoch verrichteten sie ihre Arbeit in einem statischen Umfeld und brauchten Spezialisten für ihren Einsatz. Als dritte Generation verkörpert unser CobiotX-Ansatz einen ganz neuen Standard für Serviceroboter. Sie sind mobil in ihrem Einsatzbereich und bewältigen auch komplexe, technisch anspruchsvolle Abläufe. Sie können sich mithilfe von Sensoren und Kameras sowie eines definierten Mappings autonom bewegen, Hindernissen ausweichen und sich nahtlos in eine bestehende Infrastruktur integrieren. Im Bereich „Hospitality und Catering“ bringen Roboter z.B. Speisen und Getränke von der Küche bis zum Gast oder unterstützen in Hotels beim Abräumen der Tische. Cobiots und CobiotX-Lösungen sind aber auch im industriellen Produktionsbereich vielfältig einsetzbar.

ITM: Welche Unterstützung bieten Serviceroboter, die mobil im Einsatz sind – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels?
Hähn:
Vorweg ist es wichtig zu betonen, dass unsere Roboter nicht dafür bestimmt sind, den Menschen zu ersetzen. Die Roboter sollen vielmehr mit und für den Menschen arbeiten. Sie sollen ihm ermöglichen, sich auf Interaktionen zu konzentrieren, die tatsächlich typisch menschlich sind – wie Kreativität, Fürsorge, Service und Sozialkompetenz. Allerdings können sie auch dem Fachkräftemangel in vielen Bereichen entgegenwirken. Gerade in der Gastronomie kann ein Roboter wie z.B. Plato die Servicekräfte im Hotel- und Gastgewerbe sinnvoll unterstützen. Er übernimmt dabei Routineaufgaben vom Servieren bis zum Abräumen des Geschirrs, bewegt sich also zwischen Gast und Küche. Die Mitarbeiter können sich damit auf den Kundenservice und die soziale Interaktion konzentrieren. Zudem spielt auch die körperliche Entlastung der Mitarbeitenden eine wichtige Rolle: In der Gastronomie liegen die Ausfallursachen von Arbeitskräften besonders häufig in körperlichen Beschwerden. Gerade in der Pflege besteht ebenfalls großes Potenzial für den Robotereinsatz. Auch hier können sie das Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen entlasten – etwa beim Transport oder bei der Zuteilung von Medikamenten. In Laboren, in denen ebenfalls Arbeitskräftemangel herrscht, sehen wir einen vergleichbar hohen Bedarf. Hier können Roboter dazu beitragen, einen 24-Stunden-Betrieb aufrechtzuerhalten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Was sind derzeit noch die größten Herausforderungen beim Thema „Servicerobotik“?
Hähn:
Die technische Herausforderung besteht insbesondere darin, den Cobiots im Rahmen teilweise recht komplexer Abläufe die Ausführungen von Bewegungen beizubringen. Dabei spielt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eine entscheidende Rolle. So kann der Roboter lernen, sich auch in weniger geordneten Umfeldern und Umgebungen zu orientieren. Um sich immer wieder neuen Situationen anpassen zu können, muss er seine Fähigkeiten eigenständig mittels KI weiterentwickeln. Da die Serviceroboter in der Regel mit Laien interagieren, müssen sie nicht nur sehr intuitiv sein, sondern auch höhere Sicherheitsanforderungen erfüllen. Das bedeutet: bessere Sensoren und Algorithmen, damit die Roboter ihre Umwelt optimal erkennen und ebenso schnell wie sicher reagieren können. Grundsätzlich ist neben der unmittelbaren Sicherheit auch die Einhaltung ethischer Richtlinien oberstes Gebot. Mit der entsprechenden Software ist sehr vieles möglich. Jedoch haben wir eine Verantwortung und müssen uns darüber im Klaren sein, was wir als Gesellschaft zulassen wollen und was nicht. Es ist wichtig, immer wieder zu prüfen und sicherzustellen, dass der Mensch die Kontrolle behält. Das gewährleisten wir durch den Einbau von Sicherheitsbarrieren und die Regulierung der Technik. Darüber hinaus müssen Use Cases und Preise auf den jeweiligen Markt abgestimmt werden, um die Investitionshürden zu senken.

Bildquellen: United Robotics Group

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