Michael Loidl, Geschäftsführer bei K&L Electronics
ITM: Herr Loidl, Stichwort Lebenszyklus-Management: Nach wie vielen Jahren sollten wichtige Komponenten im Rechenzentren wie Server, Storage, Racks, USVs oder Klimaanlagen möglichst ausgetauscht werden?
Michael Loidl: Die Anforderung ist eine Balance zwischen Innovationen und Abdeckung des Leistungsbedarfs auf der einen Seite, sowie Bestandssicherung und Budgetkontrolle auf der anderen Seite zu finden. Wenn man kritische Systeme in Wartung behalten kann, lässt sich der Lebenszyklus oft noch deutlich ausdehnen.
ITM: In welchen Abständen sollte man die Arbeitsplatzumgebung (PCs, Drucker, Multifunktionsgeräte, mobile Devices) erneuern?
Loidl: In Unternehmen werden Geräte dieser Art in einem drei bis fünf Jahreszyklus getauscht. Dieser Wechsel geht häufig mit dem Einsatz neuer Betriebssystemversionen einher. Bei dieser Hardware sind die Entwicklungssprünge jedoch nicht mehr so groß, dass jede neue Gerätegeneration wirklich einen entscheidenden Fortschritt mit sich bringt.
ITM: Welches sind für Unternehmen die entscheidenden Kriterien für den Kauf gebrauchter oder recycelter Hardware?
Loidl: Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. In homogenen IT-Umgebungen werden häufig Gebrauchtgeräte nachbeschafft, da es die identische Hardware nicht mehr als Neugeräte am Markt gibt. Dasselbe gilt nicht nur für komplette Geräte, sondern auch für Ersatzteile für Reparaturen. Entscheidend für die Anschaffung von recycelter Hardware ist oftmals auch ein begrenztes Budget. Es gibt dafür mittlerweile dafür auch sehr interessante Herstellerprogramme bei denen wir uns ebenfalls bedienen, viele weitere Quellen internationaler Wiedervermarkter ermöglichen zusätzliche Verfügbarkeiten.
ITM: Welche „Hardware aus zweiter Hand“ fragen die Anwenderunternehmen derzeit am häufigsten nach? Und warum ist das so?
Loidl: Die Nachfrage bei Unternehmen ist sicherlich eine andere als im Consumer-Markt. Als Geräteklassen wären Notebooks, Personalcomputer, Server sowie Netzwerkprodukte zu nennen. Grundsätzlich wird nach hochwertigen Produkten der Technologieführer Ausschau gehalten. Die Gründe liegen auf der Hand, denn die Verschleißerscheinungen sind weniger ausgeprägt und Treiber sowie Firmware-Support sind über einen längeren Zeitraum erhältlich.
ITM: Was sollten Anwenderunternehmen beim Kauf von gebrauchter Hardware auf jeden Fall beachten? Gibt es bekannte „Schwachstellen“ von gebrauchter Hardware?
Loidl: Wichtig ist genau zu betrachten, welcher Zweck im Vordergrund steht. Wir raten zu einer detaillierten Beratung von einem Unternehmen des Vertrauens. Bei gebrauchten Produkten gibt es viele Qualitätsunterschiede – so sind bewegte Teile wie Lüfter oder Festplatte sowie Stromversorgungen die Schwachstellen.
ITM: Wie sieht die Garantieleistung bzw. der Support/die Wartung für gebrauchte Geräte in der Regel aus?
Loidl: Die gesetzliche Gewährleistung gilt hier nicht für Firmen, also Vorsicht. Wir bieten eine Übernahmegarantie für alle Geräte und Komponenten an. Darüber hinausgehend bieten wir für Gebrauchtgeräte individuelle Garantie und Servicekonzepte an, wie zum Beispiel Vorabtausch, beliebige Garantieverlängerungen, Vor-Ort-Garantie oder internationale Reparaturdienste.
ITM: Auch der Lebenszyklus gebrauchter Hardware ist einmal abgelaufen. Worauf kommt es bei der Entsorgung der „Altlasten“ insbesondere unter Nachhaltigkeits- und Umweltaspekten an?
Loidl: Elektronikaltgeräte umweltfreundlich zu entsorgen ist Unternehmen bereits wichtig. Die großen IT-Hersteller unterstützen dies bereits mit vielen Umweltprogrammen. Hier lohnt es sich, einmal über den Fachhändler oder direkt beim Hersteller nachzufragen.
ITM: Stichwort Sicherheit: Wie kann man sichergehen, dass bei der Entsorgung von Hardware nicht irgendwo eine Festplatte mit sensiblen Firmendaten verlorengeht oder Daten nicht unwiederbringlich gelöscht werden?
Loidl: Das ist ein wichtiger Aspekt. Es gibt Lösungsanbieter zur Datenlöschung, auch BSI-zertifizierte. Wird ein Unternehmen dazu beauftragt, sollten revisionssichere Löschprotokolle mit Zertifikat ausgestellt werden. Verfügt man über keinen Lösungsanbieter, hilft nur die mechanische Zerstörung der Datenträger.