Seit 2010 ist das Marussia Formel1-Team mit dabei.
Graem Lowden, President & Sporting Director des Formel1-Teams
Die empfindliche "Nase" ist bei jedem Rennen in mehrfacher Ausführung vorhanden.
In der Box werden die Renndaten kontrolliert, während Mechaniker und Ingenieure nachjustieren.
Beim Boxenstopp muss jeder Handgriff sitzen.
Seit der Rennsaison 2010 ist Marussia ein Teil der Formel1-Familie. Auf eine Initiative der FIA von 2009 mit dem Ziel Kosten zu senken und damit attraktiv für neue Teams zu werden, bewarb sich das Team um einen von drei Startplätzen. Plötzlich stand ein kleines Team vor der Herausforderung mit der Highclass des Rennsports mithalten zu wollen. Innerhalb eines Jahres hat sich deshalb nicht nur die Mitarbeiterzahl mehr als verdreifacht (derzeit knapp 200), auch das Budget musste mitwachsen – für die aktuelle Saison verfügt das Team über ein vergleichsweise geringes Jahresbudget von rund 100 Millionen Euro.
Die Verantwortlichen mussten sich Gedanken über eine neue Strategie – weg vom Wildwuchs der Excel-Tabellen, die den Rahmen der Anforderungen sprengen würden – machen. Eine Software für die Warenwirtschaft, wie sie die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen verwenden, war notwendig. Immerhin besteht der „Hauptkunde“ – die Rennwagen – aus rund 6.500 Einzelteilen. Von außen mögen die Boliden immer gleich aussehen, doch das Innere wird für jedes der 19 weltweit stattfindenden Rennen an entsprechende Streckenanforderungen, Wettervorhersagen und andere Bedingungen angepasst und ergänzt. Von Rennen zu Rennen werden die Autos also weiterentwickelt, so dass am Ende der Saison ein ganz anderer Wagen über die Zielgerade fährt, als in Melbourne, dem ersten Rennen, gestartet ist.
27 Tonnen Material werden dafür in 5 Lkws innerhalb weniger Tage von einer Rennstrecke zur anderen transportiert. Während des Rennens stehen drei dieser Trucks im Paddock Bereich direkt hinter der Box. Sie dienen ebenso als Ersatzteillager wie als Zentrale der 60 Mechaniker und Ingenieure, die immer vor Ort sind. Um der Menge an Material Herr zu werden, die Lieferkette von der Produktion bis zum Einbau und Austausch im Griff haben, setzt das junge Team auf eine Enterprise Resource Planning Software von Sage.
Bereits seit Mitte 2011 unterstütz Sage mit der Standardsoftware ERP X3 den Rennstall vor allem abseits der Strecke – in der laufenden Saison auch als Sponsor und Partner. Die Software umfasst den gesamten Betriebsablauf, angefangen bei der Produktion der benötigten Einzelteile über die Lagerlogistik bis hin zur Buchhaltung, in einer Datenbank. So werden pro Jahr 45.000 Aufträge bei 1.800 Kunden in zehn verschiedenen Sprachen abgewickelt
„Das wichtigste in der Formel 1 ist nicht das Geld sondern die Zeit“ erklärt Graem Lowden, President & Sporting Director des Formel1-Teams. So wundert es nicht, dass die Standardversion ERP X3 innerhalb von nur drei Monaten implementiert wurde. „In der schnelllebigen Formel1-Welt wird Agilität vorausgesetzt. Daher war die Dauer der Implementierung ein entscheidender Faktor für uns. Dank der Expertise des Sage Teams und der soliden Technologie konnten wir die ERP-Lösung in nur drei Monaten zum Laufen bringen“ bestätigt Kevin Lee, Betriebsleiter des Rennstalls. Im Anschluss gab es eine ausführliche Schulung für alle Mitarbeiter.
Dank der Software ist die Verfügbarkeit aller Teile immer sichtbar und auch jedes im Einsatz befindliche Teil wird dokumentiert. Tauscht ein Mechaniker auch nur eine einzige Schraube aus, wird die Seriennummer händisch notiert und in das ERP-System übertragen, eine mobile Erfassung ist bereits für nächstes Jahr geplant. Der Lebenszyklus der Teile wird nebenbei in einem internen Telemetriesystem erfasst. So lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Teile im Auto verbaut sind, welche im Lager an der Rennstrecke und welche im Lager im britischen Banbury – dem Hauptsitz des Marussia Technical Centres – vorhanden sind. Fehlt ein wichtiges Teil vor Ort, kann es auch schon mal vorkommen, dass ein Teammitglied es auf der Reise zur Rennstrecke mit im Gepäck hat. Dies geht natürlich nicht mit jedem Ersatzteil, deshalb ist beispielsweise die empfindliche und gefährdete „Nase“ des Boliden gleich in mehrfacher Ausführung mit dabei. Außerdem lässt sich aus allen Einzelteilen ein vollständiges drittes Rennauto zusammenbauen.
Den Überblick zu behalten und alle Ersatzteile in kürzester Zeit in der Box verfügbar zu haben, ist für das Team von Marussia dank funktionierendem ERP-System kein Problem.
Bildquelle: Marussia F1 Team/ Sage