Beim Kampf um die Deutsche Meisterschaft, um internationale Startplätze oder den Klassenerhalt liegt die Wahrheit auf dem Platz. Geht es hingegen um lukratives Merchandising und steigende Umsätze, spielen für die Verantwortlichen der Bundesligavereine zunehmend die eigenen Webauftritte eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund unterzog der Mess- und Testspezialist Keynote die Webseiten der 18 Vereine über die gesamte Saison 2012/13 einem Performancetest. Überraschendes Ergebnis: Während Rekordmeister und Triplegewinner Bayern München nur auf Platz 11 landet, heißen die Performance-Sieger der abgelaufenen Spielsaison Mainz, Dortmund und Nürnberg.
Der FSV Mainz 05 konnte die Spitze der Tabelle für sich behaupten, jedoch mit einer gewissen Einschränkung: Denn der Verein installierte im Laufe der Saison eine Vorschaltseite anstelle der eigentlichen Homepage – leider unbemerkt vom Testsystem: Dank der damit verbundenen geringeren Objektanzahl erklärt sich die rasante Ladezeit auf Platz 1. Tatsächlich lädt die eigentliche Homepage der Rheinhessen – zumindest gegen Saisonende – ein Video mit über 6 MB. Damit würde der Webauftritt technisch gesehen eher auf einem Abstiegsplatz landen.
Solider stellt sich hingegen die Performance bei Borussia Dortmund dar. Die Website ist klar auf knapp 100 Objekte optimiert, liegt dadurch deutlich unter einer Gesamtgröße von 1 MB und schlägt damit die Homepage anderer Vereine, wie die des FC Bayern souverän. Die Münchner laden deutlich mehr Content-Elemente, was sich in der längeren Ladezeit der Seite niederschlägt.
Bayer 04 reagiert am schnellsten
Noch deutlicher fällt der Vergleich bei der „gefühlten Performance“ aus. Technisch spricht man hier von der „Time to First Paint“, also von der Zeit, die der Browser benötigt, um während des Ladens einer Seite überhaupt eine sichtbare Reaktion zu zeigen. Hier siegt Bayer Leverkusen mit 0,38 Sekunden Reaktionszeit. Während 12 der 18 Vereinsseiten innerhalb einer Sekunde im Browser auf den Aufruf reagieren, liegt Bayern München hier mit 3,5 Sekunden Reaktionszeit (Durchschnitt der letzten vier Wochen vor Saisonende) abgeschlagen auf dem letzten Platz.
Die Verfügbarkeit der gemessenen Seiten war durchweg sehr gut. Hier führt der VfL Wolfsburg mit 99,92 Prozent, dicht gefolgt auf Platz 2 von FSV Mainz 05 mit 99,85 Prozent und Werder Bremen auf Platz 3 mit 99,84 Prozent. Größere Ausreißer gab es gemäß den Testergebnissen nicht.
Generell sind kleinere Beeinträchtigungen der gemessenen Verfügbarkeit für die realen Besucher einer Webseite oftmals nicht relevant – im Messzeitraum traten Ende April für mehrere Tage Performance-Probleme beim Content-Lieferanten Odmedia.net auf, die sich technisch zum Teil als Timeouts auswirkten. Dies hatte laut Untersuchung auf die User Experience jedoch keinen Einfluss.
Alles in allem ist die Kommerzialisierung aller Ligavereine auch im Web nicht zu übersehen. So sind praktisch alle Webseiten von Effekten betroffen, die durch eingeblendete Werbung und damit verbundene Trackingsysteme hervorgerufen werden. Dennoch ist positiv hervorzuheben, dass alle Vereine eine dem zeitweilig hohen Interesse angemessene Infrastruktur aufgebaut haben, die überwiegend performant und störungsfrei arbeitet.
Wie funktionierte die Auswertung?
Performance und Verfügbarkeit:
Größe und Objektanzahl, Time to First Paint*:
Messstandorte und Provider:
Browser:
* die Zeit, nach der der Nutzer etwas anderes als nur den leeren Browser zu Gesicht bekommt.
Bildquellen: Bild 1: © DFL, Bild 2: Apple, Retusche MEDIENHAUS