„Die Cloud-Anbieter stellen einfach zu verwendende Lösungen auf dem aktuellen Stand der Technik bereit“, so Thomas Thiemann von Conciso.
ITM: Herr Thiemann, inwieweit greift der deutsche Mittelstand anno 2022 auf eine vernünftige Storage-Strategie zurück, um der Datenflut zu trotzen?
Thomas Thiemann: Es gibt die volle Bandbreite: von selbst gehosteten In-house-Lösungen (On-Premises), über private Cloud-Umgebungen in angemieteten Rechenzentren bis hin zu reinen Cloud-Lösungen. Außerdem werden Hybrid-Cloud-Ansätze genutzt, bei denen die eigenen On-Premises-Ressourcen um die Fähigkeiten eines oder gar mehrerer Cloud-Anbieter erweitert werden. Es ist im Detail zu betrachten, was den Anforderungen eines mittelständischen Unternehmens am besten gerecht wird. Leider sind aber oftmals gewachsene und suboptimale Lösungen in Verwendung.
ITM: Was sind die größten Herausforderungen im Storage-Management?
Thiemann: Ein hohes Maß an Availability, Durability und Security zu erreichen: Unternehmen möchten auf ihre Daten möglichst jeder Zeit sofortigen Zugriff haben. Zudem sollen die Daten auch in Extremsituationen – etwa bei Hardware-Defekten, Naturkatastrophen, Bränden, Fehlbedienung und so weiter – nicht dauerhaft verloren gehen. Und schließlich wollen Unternehmen allein festlegen, wer wann auf welche Daten Zugriff erhält. Sichergestellt werden muss ebenfalls, dass die Daten auch nach längerer Zeit auf einem Speichermedium noch lesbar sind. Erschwert wird all das durch einen Ressourcenmangel und vor allem einem Mangel an Know-how.
ITM: Welchen Einfluss hat die aktuelle Pandemie in den letzten Monat auf die Storage-Strategie der Unternehmen ausgeübt?
Thiemann: Die Anzahl an Remote-Arbeitsplätzen hat dramatisch zugenommen, der Trend setzt sich weiter fort. Vor diesem Hintergrund werden etliche Videokonferenzen mitgeschnitten, wird eine Vielzahl an Online-Tutorials gestreamt und bereitgestellt, werden Dokumente nicht nur im internen Netzwerk, sondern auch mit externen Stakeholdern geteilt. All das erhöht die gespeicherten Datenmengen und verschiebt die Anforderungen an die zur Verfügung stehenden Bandbreiten, die erforderlich sind, um auf die Daten zuzugreifen.
ITM: Welche Arten von Speicherlösungen kommen üblicherweise im Mittelstand zum Einsatz?
Thiemann: Sensible Daten werden oftmals vor Ort auf eigenen Network Attached Storages (NAS) und Storage Area Networks (SAN) gespeichert. Durch die Komponentenknappheit ist es allerdings inzwischen für Unternehmen schwieriger geworden, defekte Teile zu ersetzen bzw. alte Systeme auszutauschen. Bei Private-, Public- und Hybrid-Cloud-Lösungen sehen wir einen deutlichen Anstieg.
ITM: Mit welchen Tools und Tricks lassen sich am besten Storage-Platz und -Kosten sparen?
Thiemann: Deduplizierung und eine Single-Instance-Speicherung verringern den tatsächlich benötigten Speicherplatz, ohne dass die User davon etwas merken. Solche Ansätze sind u.a. bei Mail-Servern oder großen Object-Storage-Lösungen wie Amazon S3 (Amazon Simple Storage Services) gängige Praxis. Auf diese Weise wird beispielsweise erreicht, dass ein PDF-Dokument, das an eine an alle Mitarbeiter adressierte E-Mail angehängt ist, nicht 1.000-mal gespeichert wird, sondern exakt einmal. Um die Kosten zu reduzieren, ist ein intelligentes Tiering der Speicherklassen sinnvoll: Häufig im Zugriff befindliche Daten werden auf schnellen und teuren Speicherklassen platziert, selten benötigte Daten auf langsameren und günstigeren Speichern. Dabei können Daten auch entlang ihres Lifecycles automatisch verschoben werden. Nach der Erfassung sind sie vielleicht enorm relevant und landen deshalb auf einen Flash-Speicher, einen Monat später wandern sie dann automatisiert in ein Infrequent Access Storage Tier und nach einem Jahr ohne Zugriff kommen die Daten ins Glacier Deep Archive.
ITM: Welche Rolle spielt an dieser Stelle die Cloud als Storage-Lösung?
Thiemann: Die großen Cloud-Anbieter ermöglichen den Zugang zu Storage-Lösungen, die eine Availability und Durability bieten, die mittelständische Unternehmen in ihren eigenen Inhouse-Rechenzentren nicht erreichen können. Vorteilhaft ist außerdem, dass die verfügbaren Kapazitäten unbegrenzt sind und sich sehr flexibel skalieren lassen. Ein Selbstläufer sind Storage-Lösungen allerdings nicht, weil die Verantwortung für die Konfiguration beim jeweiligen Unternehmen selbst liegt. Und davon hängen maßgeblich Sicherheit und Kosten ab.
ITM: Wie ist es hierbei um die Datensouveränität und -sicherheit bestellt?
Thiemann: Die Cloud-Anbieter stellen einfach zu verwendende Lösungen auf dem aktuellen Stand der Technik bereit. Dafür können sie unterschiedliche unabhängige Zertifizierungen vorweisen, die die Sicherheit der verschlüsselten Daten belegen. Hier sind z.B. die Frameworks FIPS, HIPAA und PCI-DSS zu nennen. Wird der Storage von einem Unternehmen richtig konfiguriert, behält es allein die Souveränität über die eigenen Daten.
ITM: Worauf sollten Mittelständler achten, wenn sie sich für einen Storage-Anbieter entscheiden?
Thiemann: Sie sollten alle Daten während der Übermittlung in die Cloud und dann bei der Speicherung verschlüsseln. Mit Blick auf die Kosten sollten sie auf jeden Fall darauf achten, das zu ihren Anforderungen passende Modell und den richtigen Speicherplatz zu wählen. Die günstigste und teuerste Variante unterscheiden sich oft um den Faktor 20.
ITM: Welche Storage-Trends bahnen sich in diesem Jahr an?
Thiemann: Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung werden noch mehr Daten gespeichert werden als bislang. Hybride Cloud-Modelle geben die Flexibilität, dass auch sehr große Mengen verschlüsselter Daten sicher und dauerhaft abrufbar gespeichert werden können. Durch Storage-Gateways, lokale Caches und schnelle Internetverbindungen kann Speicher in der Cloud eine sinnvolle Erweiterung der eigenen Ressourcen darstellen.
Bildquelle: Conciso