Egal ob Internet of Things, Künstliche Intelligenz oder Robotik – alle diese Bereiche erfordern Real-Time-Processing. Die dazu benötigte Schnelligkeit der Datenverarbeitung bedeutet vor allem eines: eine möglichst geringe Latenz spielt eine entscheidende Rolle.
Bereits vor einigen Jahren prognostizierte Gartner einen rasanten Anstieg im Bereich Edge Computing: Während 2018 10 Prozent der unternehmensgenerierten Daten außerhalb von traditionellen Rechenzentren oder einer Cloud verarbeitet wurden, soll diese Zahl nach den Einschätzungen der Analysten bis 2025 auf 75 Prozent steigen. Edge Computing und Edge-Rechenzentren erleben derzeit einen Hype. Aber was genau verbirgt sich hinter diesem Konzept und was bringt es dem Anwender?
Egal ob Internet of Things (IoT), Smart-Mobility- oder Smart-City-Konzepte, Künstliche Intelligenz (KI) oder Robotik – alle diese Bereiche erfordern Real-Time-Processing. Die dazu benötigte Schnelligkeit der Datenverarbeitung bedeutet vor allem eines: eine sehr geringe Latenz spielt eine entscheidende Rolle. Für viele Anwender ist die Latenz sogar der ausschlaggebende Punkt. Aus diesem Grund wird Edge Computing, die dezentrale Datenverarbeitung am Rand eines Netzwerks, Prognosen zufolge stark zunehmen.
Neben der Latenz stehen häufig Sicherheitsaspekte im Raum: Compliance- und Security-Anforderungen sind äußerst relevante Treiber für Edge Computing. Auch fehlende oder nicht ausreichende Netzanbindungen können ein Grund für Edge Computing sein. Bei manchen Szenarien stellen sich dem Anwender verschiedene Fragen: Bekomme ich eine bestimmte Applikation überhaupt in der Cloud betrieben? Stellt die Anbindung aus Datenschutzgründen ein Risiko dar? In einem Edge Datacenter kann die zentrale API vor Ort verbleiben und wird nicht aus der Hand gegeben. So behält der Anwender die Kontrolle über bestimmte IT-Systeme und Daten – und muss folglich auch weniger Daten in die Cloud senden.
So vielfältig die Use Cases sind, bei denen Edge Computing und somit auch Edge-Rechenzentren zum Einsatz kommen, so schwierig ist eine klare Begriffsbestimmung. Von Quadratmeter über Megawatt bis hin zu Millisekunden – bei der Definition lassen sich unterschiedliche Einheiten heranziehen und die Frage, bei welcher Größenordnung Edge beginnt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Auch mit Blick auf die Platzierung gibt es verschiedenste Ausprägungen. So wachsen Edge Datacenter zum einen auf der „grünen Wiese“ entlang von Autobahnen, um autonomes Fahren zu realisieren. Ein weiterer Anwendungsfall, bei dem Edge-Rechenzentren Aufwind erleben, sind Campus-Vernetzungen, beispielsweise für Hafenlogistik, oder aber Edge-Lösungen auf großen Fabrikgeländen, um die hohe Nachfrage im Bereich IoT vor Ort abzudecken. Aber auch Branchen wie Financial Services, Healthcare und Krankenhaus-Informationssysteme investieren vermehrt in Edge-Lösungen.
So können z. B. Container als pre-fabricated Datacenter zum Einsatz kommen. Sie bringen dabei gleich die passende Infrastruktur an den jeweiligen Standort mit: eine geschützte Hülle, Stromversorgung, Klimatisierung, Racks, Netzwerkanbindung – alles analog zu einem Colocation-Rechenzentrum, kompakt in einem Container untergebracht. Während bei einem 20-Fuß-Container die nutzbare Kapazität bei etwa drei bis vier Racks liegt, ist in Modulbauweise bei einem 40-Fuß-Container und acht Racks bereits die Möglichkeit zur Redundanz gegeben. So können Unternehmen auf einen Ressourcen- bzw. Infrastrukturpool direkt vor Ort zurückgreifen.
Genau wie bei Cloud-Anwendungen immer häufiger hybride Konzepte zum Zug kommen, gibt es beim Trendthema Edge Computing ebenfalls kein Entweder-Oder: Für bestimmte Applikationen und Anwendungsfälle reicht eine Infrastruktur am Edge aus. Andere, kritischere Themen sind hingegen eventuell in einem Colocation-Rechenzentrum mit Tier3-Zertifizierung besser aufgehoben – analog dazu, wie Unternehmen für manche Anwendungen auf eine besonders geschützte Private Cloud setzen und bei anderen eine gute Connectivity zu Hyperscalern benötigen. Der goldene Mittelweg: Hybride Lösungen, die die verschiedenen Ansätze geschickt miteinander kombinieren.
Die Bedürfnisse des Kunden unterscheiden sich, je nachdem, wo er sich auf dem Digitalisierungspfad befindet: Möchte ein Anwender alles selbst unter Kontrolle haben oder ist er schon nahe am „As a Service“-Konzept? Vielen Kunden ist es wichtig, dass sie zusätzlich zu lokalen Compute Ressourcen auch Managementdienste erhalten. Mit dem Datacenter On Premise bietet etwa Itenos als Teil des Konzernverbunds der Deutschen Telekom eine moderne Virtualisierungsplattform als Managed Service. Der Kunde kann somit vor Ort – sei es in einem Technikraum, im Keller oder in einem eigens abgesicherten Bereich – eine dedizierte Infrastruktur nutzen. Die Leistung enthält die Compute- und Storage-Ressourcen gemäß Kundenanforderung, die notwendigen Netzwerkkomponenten zur Anbindung an die Infrastruktur vor Ort sowie sämtliche relevante Software und das proaktive Management der Umgebung. So entsteht eine Edge Cloud, die die Vorteile von On-Premise-Systemen mit denen einer Cloud kombiniert.
Infrastruktur- und Applikationsseite verschmelzen immer mehr und treiben den Trend zu Edge weiter voran. Ein Investment in Connectivity ist unbedingt nötig, denn um einen Serverraum in ein Edge-Rechenzentrum zu verwandeln, braucht es die passende Infrastruktur. Neben etwas Mut zur Umsetzung sind skalierbare Glasfasernetze für stabile Latenzen die vermutlich wichtigste Anforderung an Edge-Rechenzentren.
Ein großer Pluspunkt für Edge-Lösungen: Während die Errichtung eines neuen Rechenzentrums aufgrund von langwierigen Genehmigungsverfahren und der aktuellen Materialverknappung etc. einige Jahre in Anspruch nehmen kann, lassen sich Edge-Rechenzentren – z. B. in Form einer Containerlösung – innerhalb kürzester Zeit in Betrieb nehmen. So können unter anderem regionale Gewerbegebiete den schnell wachsenden Bedarf an lokaler Compute-Kapazität abdecken. Der Trend zur Edge ist nicht mehr aufzuhalten – wobei sich gleichzeitig die Grenzen zwischen Hybrid Cloud, Multi Cloud, Edge und Hyperscalern immer fließender gestalten.
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