Die Fertigung von kleinsten Stückzahlen bis zur Losgröße 1 findet immer mehr Anklang. ((Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus))
„Ein ,zu klein‘ für eine ERP-Lösung gibt es kaum“, meint Christian Biebl. ((Bildquelle: Planat))
Im modernen Maschinen- und Anlagenbau, aber auch in immer mehr anderen Branchen, ist Massenfertigung längst nicht mehr das ausschließliche Tagesgeschäft. Vielmehr sind die produzierenden Betriebe Spezialisten, die mit der Losgröße 1 arbeiten. Prototypen, Einzel- und Spezialaufträge müssen wirtschaftlich abgebildet werden, die Prozesse hingegen sind unterschiedlich. Nicht jeder ERP-Anbieter kann diesen Spagat leisten und bietet sowohl umfassende Prozessunterstützung für die Losgröße eins und die Fertigung großer Stückzahlen.
Die Prozesse zwischen Einkauf, Verkauf und Fertigung sind in der Massenfertigung ähnlich aufgestellt und lassen sich bedeutend leichter digitalisieren und optimieren. Bei der Losgröße 1 hingegen ist jeder Auftrag individuell. Es lassen sich Parallelen zwischen verschiedenen Aufträgen ähnlicher Art erstellen, aber um kostendeckend zu arbeiten und die Prozesse zwischen Materialwirtschaft und Produktionsfeinplanung zu optimieren, ist eine andere, engmaschige und Software-gestützte Arbeit nötig. Nur dann können Einzelstückzahlen profitabel sein. Neben Prototypen, Maschinen und Anlagen zur Fertigung hochwertiger Endprodukte werden sicherheitsrelevante Einzelteile, die in kritischen Anwendungen zum Einsatz kommen, häufig in Einzelfertigung entwickelt und produziert.
Eine moderne ERP-Lösung sollte die Einzel-, Auftrags- und Variantenfertigung ebenso wie die Massenproduktion abbilden können. Dabei bezieht eine optimale ERP-Software unabhängig von der eigenen Fertigungstiefe auch Subunternehmen und Zulieferbetriebe ein. Die Möglichkeit, alle Warenbestände, Liefertermine und die Maschinenauslastung tagesaktuell bzw. in Echtzeit einsehen zu können, ist eines der wichtigsten funktionalen Kriterien für das digitale Herz in fertigenden Betrieben nahezu aller Größen. Dabei wird auch klar: Ein 'zu klein' für eine ERP-Lösung gibt es kaum, selbst Kleinunternehmen mit eigener Fertigung profitieren von sauber aufgesetzten und digital abgebildeten Prozessen. Die vielfach präsente digitale Transformation ermöglicht der fertigenden Industrie deutlich mehr Effizienz durch die komplette Ende-zu-Ende-Digitalisierung aller Prozesse, unabhängig von der Losgröße der Aufträge. Noch fahren manche Unternehmen mit zwei Steuersystemen, die einerseits für die besondere Einzelfertigung, andererseits für die Massenfertigung eingesetzt werden. Medien- und Systembrüche, händische Arbeit zwischen den einzelnen Lösungen und Papierprozesse enthalten aber ein kaum einschätzbares Fehlerpotenzial.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Eine vermehrt individuelle Auftragsbearbeitung ist mehr denn je eine Voraussetzung geworden. Heutige Standards setzen mehr Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bei der Bearbeitung voraus. Für bisherige reine Serienfertiger steigt damit die Prozesskomplexität ihrer Abläufe: Mehr und mehr Produktvarianten müssen effizient und ohne Einbußen für die Wirtschaftlichkeit abgebildet werden. Für Unternehmen ist daher die Verknüpfung des ERP-Systems mit der eingesetzten CAD-Lösung entscheidend, um konstruktive Ähnlichkeiten der Produkte zu nutzen. Ein an das ERP-System angeschlossenes Dokumenten-Management hilft dabei, die CAD-Datensätze auftragsbezogen zu speichern und nutzbar zu machen.