Michael Finkler: „Entscheider sollten vor allem ihre eigenen Stärken im Vergleich zu anderen Anbietern herausstellen.“
Die Studie „Kundenzentrierung als Chance“ hat den aktuellen Stand in der Plattformökonomie für den mittelständischen Maschinen- und Anlagenbau untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Maschinen- und Anlagenbauer davon überzeugt ist, die Bedürfnisse ihrer Kunden hinsichtlich digitaler Plattformen zu kennen und zu erfüllen.
Nur rund die Hälfte der befragten Unternehmen hat jedoch bereits Erfahrungen mit der Entwicklung von Mehrwertdiensten und digitale Plattformen sammeln können. Ein Großteil der Unternehmen nutzt zwar digitale Angebote, um wettbewerbsfähig zu bleiben – allerdings ohne zu monetarisieren. Zudem bietet nur knapp die Hälfte digitale Lösungen an, die eng mit ihrem Produktportfolio zusammenhängen. Maschinen- und Anlagenbauer haben neben dem Fehlen von Geschäftsmodellen und -standards die strategische Relevanz digitaler Plattformen und Mehrwertdienste lange unterschätzt.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Während in der Vergangenheit vor allem der Fokus auf der Verzahnung der industriellen Produktion mit Informations- und Kommunikationstechnologien lag, müssen Industrie-Unternehmen sich mehr denn je für die auch im B2B-Bereich anbahnende Plattformökonomie wappnen. Daher sollten Unternehmensentscheider digitale Plattformen, Mehrwertdienste und Geschäftsmodelle in ihre strategischen Überlegungen mit einbeziehen.
Bei mittelständischen Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau ist es jetzt wichtig, dass sie ein Verständnis für die Bedürfnisse, Erwartungen und Prioritäten ihrer unterschiedlichen Endkundenindustrien entwickeln. Die Studie zeigt, dass sich Endkunden offene, leicht integrierbare Plattformen wünschen, bei denen klare Industriestandards bzw. Schnittstellen wie z.B. „Open Platform Communications Unified Architecture (OPC UA)“ genutzt werden. Zudem sollten Unternehmen auf die Verfügbarkeit von Echtzeitdaten, Performance und Sicherheitsstandards achten.
Der Maschinen- und Anlagenbau muss sich intensiv mit digitalen Geschäftsoptionen und werttreibenden Services beschäftigen. Hierzu gehören die Identifizierung von neuen digitalen Mehrwertdiensten, die Unternehmen anbieten bzw. monetarisieren können, sowie die Entwicklung von Lösungen, die das eigene Produkt- und Serviceportfolio plattformkompatibel machen. Es müssen außerdem Konzepte und Pläne zur Optimierung und Digitalisierung der Wertschöpfungsketten in der Smart Factory geschaffen werden – mit einem Fokus auf Produkte und Services, die Unternehmen digitalisieren und zur Marktreife bringen können.
Bei Mehrwertdiensten ist die Auseinandersetzung mit den Kundenbedürfnissen, aber auch mit der eigenen Herangehensweise notwendig. Entscheider sollten vor allem ihre eigenen Stärken im Vergleich zu anderen Anbietern herausstellen.
Bei der Entwicklung einer übergreifenden Digitalstrategie sind allerdings auch die Basics zu beachten – sprich dass das IT- und organisationsspezifische Fundament auf einem soliden Stand ist. IT-, ERP-, MES-, Finanzbuchhaltungs- oder Planungssysteme müssen alle in einen aktuellen Zustand gebracht werden. Nur dann lassen sich Daten für die eigenen Geschäfte verwertbar machen und Prozesse in der eigenen Organisation optimieren.
Bildquelle: Proalpha