ERP-Cloud-Lösung

In stürmischen Zeiten auf die Cloud gesetzt

Um Aufträge flexibel anzupassen und Preise zu kalkulieren, wagte Resch Maschinenbau den Sprung in die Cloud und setzt nun auf SAP S/4Hana.

  • Maschinenbauer

    Bei der Montage von Baugruppen sind Präzision und Konzentration gefragt.

  • Schweisser am Werk

    Von filigranen Blechteilen bis zum aufwendigen Gestell: Reschs Schweißfachkräfte bearbeiten die unterschiedlichsten Maschinenteile.

  • Werker am Werk

    Resch nutzt auch CNC-Maschinen – computergestützte Anlagen –, die Arbeiten entsprechend den digitalen Modellzeichnungen automatisiert umsetzen.

Die Resch Maschinenbau GmbH stellt hochwertige Baugruppen und Komplettmaschinen für die internationale Lebensmittel-, Verpackungs-, Pharma- und Kosmetikindustrie her. „Im Bereich ‚Getränkeindustrie‘ sind wir sogar Marktführer“, sagt Robert Böck, kaufmännischer Geschäftsführer beim Unternehmen. Dabei fertigt Resch immer mehr komplexe Baugruppen individuell nach Auftrag an. Außerdem ist die Arbeit des Unternehmens eng mit der Schwesterfirma Power-Heat-Set GmbH verzahnt, welche nicht nur Anlagen für die Thermofixierung im Rahmen der textilen Teppichherstellung produziert, sondern auch bei Vertrieb, After Sales und Service von Reschs Produkten unterstützt. Keine leichte Aufgabe, dieses breite Geschäftsmodell schlank zu managen. Besonders, wenn volle Auftragsbücher auf voll ausgelastete Schichtpläne und inflationäre Materialkosten stoßen. Laut des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau suchen derzeit 60 Prozent der befragten deutschen Unternehmen Techniker und/oder Meister. Resch tut alles dafür, dass die aktuellen Herausforderungen den Erfolgskurs nicht stoppen: 66 Jahre nach der Gründung erwirtschaften die knapp 200 Mitarbeiter der beiden Gesellschaften einen Jahresumsatz von rund 25 Mio. Euro.

Bremsklötze aus dem Weg räumen

Doch veraltete Prozesse im Einkauf und in der Produktion bremsen Resch zusätzlich aus: Einen Fertigungsauftrag, der einmal mit einem Kunden verknüpft ist, müssen die Mitarbeiter manuell und dementsprechend zeitaufwendig umbuchen. Da die Firma heute aber deutlich mehr individuelle Auftragsfertigung übernimmt, können sich Anpassungen am Auftrag häufen. Dann stört das alte System umso mehr. ­Außerdem unterscheidet die Software nicht zwischen geplanten und „scharfen“ Fertigungsaufträgen. Auch das erschwert den Überblick in der Projektplanung. Schließlich müssen die Techniker priorisieren, welche der etwa 4.000 Aufträge sie zuerst bearbeiten, um entsprechende Materialien zu bestellen. Dabei ist Flexibilität gefragt, denn aufgrund der schwankenden Materialpreise muss das Unternehmen viele Kosten manuell nachkalkulieren und auf günstigere Ersatzprodukte ausweichen. „Allein der Stahlpreis ist in den letzten 1,5 Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen“, sagt Böck. „Mit festen Preisen für Vorprodukte können wir nicht mehr verlässlich planen.“

Hoffnung liegt in der Cloud

Mehr Planungssicherheit soll ein Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) in der Cloud bringen. Nach einer intensiven Beratungsphase entschied sich der Maschinenbauer im Sommer 2021 für SAP S/4Hana in der Public-Cloud-Version. Die neue Software übernimmt künftig die Buchungsprozesse im Einkauf und der Produktion und bringt dabei Verbesserungen für die Fertigungsplanung und das Lager-Management. S/4Hana ermöglicht flexible Umbuchungen zu jeder Projektphase und trennt von Anfang an zwischen geplanten Aufträgen und tatsächlichen Fertigungsaufträgen. Das macht die Arbeit für die Techniker übersichtlicher und erspart ihnen Stress. Aktuelle Preisschwankungen bildet die Software automatisiert ab und übernimmt sie in wenigen Klicks für den jeweiligen Auftrag.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Mittelständischer Maschinenbauer und die Cloud: Wie passt das zusammen? „Als kleines Unternehmen haben wir sehr ähnliche Anforderungen wie große“, sagt Böck. „Deshalb setzen wir auf die SAP-Best-Practices-Prozesse und die automatisierte Datenstrukturierung in der ERP-Cloud. Mit den Standardfunktionen können wir die meisten Anforderungen unserer täglichen Arbeit abdecken – das verkürzt die Umstellungsphase.“ Resch erhofft sich zudem, mit gleicher Belegschaft mehr Aufträge zu stemmen und von den regelmäßigen Updates sowie der Transparenz der Cloud-Lösung zu profitieren. Zudem gewinnt die IT-Abteilung Zeit, da sie sich nicht mehr um Betrieb und Instandhaltung der Infrastruktur kümmern muss.

Von der Entscheidungsfindung bis zur Migration unterstütze das SAP-Partnerunternehmen Cpro Industry den Maschinenbauer und war ihm die verlässliche Stütze, die er benötigte, um schlussendlich auf die Cloud zu setzen. Der Partner hat rund 20 Jahre Erfahrung in der Beratung mittelständischer Unternehmen. Zunächst war Resch unsicher, seine Daten in einer Cloud-Umgebung zu nutzen. Überzeugt haben Robert Böck und seine Kollegen schließlich konkrete Software-Tests und Demos in Workshops.

Erst Migration, dann weitere Funktionen

Nun steht der Mittelständler vor der Migration, Anfang 2024 sollen alle Module live gehen. Größtenteils wird die interne IT-Abteilung die Migration in die Cloud schultern. Zunächst sollen vorhandene ERP-Prozesse nach S/4Hana überführt und in einer Testphase während des laufenden Betriebs evaluiert werden. Im zweiten Schritt will der Anwender im Jahr 2025 die Cloud-Lösung um weitere Funktionen ergänzen: etwa indem er vorhandene Systeme für Computer-aided Design (CAD) in die Cloud-Oberfläche integriert oder sein Product Lifecylce Management (PLM) und Customer Relationship Management (CRM) mithilfe der Software optimiert. Von diesen Cloud-basierten Servicefunktionen wird künftig vor allem die Power-Heat-Set GmbH profitieren. Die beiden Gesellschaften nutzen dieselbe Cloud-Umgebung, aber zwei unterschiedliche Buchungskreise. Parallel zu der Umstellung erhalten die Mitarbeiter zudem entsprechende Schulungen und Lernaufgaben, um die neuen Buchungsabläufe zu lernen. 

Resch Maschinenbau GmbH
Branche: Maschinenbau, Lohnfertigung
Gründung: 1957
Hauptsitz: Töging am Inn
Mitarbeiter: etwa 200
Umsatz: 25 Mio. Euro

Bildquelle: Resch Maschinenbau GmbH

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