„Entscheider in kleinen und mittelgroßen Firmen neigen dazu, das Risiko für die eigene Infrastruktur falsch einzuschätzen“, bemerkt Max Galland, Senior Manager SMB Sales Zentraleuropa bei Symantec.
ITM: Herr Galland, laut der aktuellen Lünendonk-Studie „Führende IT-Beratungs- und IT-Service-Unternehmen in Deutschland“ wurde neben „Mobile Business“ der Schwerpunkt „Sicherheit“ als wichtigstes Thema bewertet. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Max Galland: Da müssen wir nur auf die Statistiken sehen. Die Zahl der Cyberangriffe stieg im letzten Jahr um 81 Prozent auf 5,5 Milliarden weltweit. Insgesamt entdeckte Symantec im vergangenen Jahr 403 Millionen neue Schadcodes. Deutschland steht bei böswilligen Cyberaktivitäten im Europavergleich auf dem ersten Platz – noch vor Russland und Großbritannien. Besonders auffällig dabei: Immerhin die Hälfte aller IT-Angriffe weltweit richten sich gegen Unternehmen mit höchstens 2.500 Mitarbeitern. Rund 20 Prozent der betroffenen Organisationen hatten nur 250 Angestellte oder weniger.
ITM: Welchen Stellenwert nimmt das Thema „IT-Sicherheit“ heutzutage im Mittelstand ein?
Galland: Gerade kleinere Unternehmen sehen Cyberattacken noch immer zu gelassen entgegen. Selbst einfachste Schutzmaßnahmen wie sichere Passwörter werden in vielen Betrieben ignoriert. Das zeigte auch unsere Umfrage „2011 SMB Threat Awareness Poll“. Demnach rechnet die Hälfte der Befragten aus weltweit 1.900 Unternehmen nicht damit, Opfer eines Cyberangriffes zu werden. Nur 39 Prozent der Interviewten gaben an, Virenschutzsoftware auf sämtlichen Desktops im Unternehmen installiert zu haben. Weitere 47 Prozent vernachlässigen sogar den Schutz ihrer E-Mail-Server. Das heißt für uns, aber auch für die IT-Verantwortlichen der Unternehmen, Mitarbeiter noch stärker zu schulen und eindrücklich auf die Risiken hinzuweisen.
ITM: Welche sicherheitsrelevanten Aspekte werden von den Unternehmen besonders häufig vernachlässigt?
Galland: Entscheider in kleinen und mittelgroßen Firmen neigen dazu, das Risiko für die eigene Infrastruktur falsch einzuschätzen. Dabei werden gerade Unternehmen dieser Größe gerne als Einfallstor zu Großunternehmen genutzt. Bei mittelständischen Firmen konzentrieren die Angreifer ihre Aktionen beispielsweise auf andere Zielpersonen als bei Großunternehmen. Anstelle von Geschäftsführern oder Personen mit leitenden Funktionen haben nach unseren Auswertungen 58 Prozent der Angriffe Mitarbeiter aus den Bereichen Personalabteilung, Public Relations oder Vertrieb ins Visier genommen. An die entsprechenden Kontaktdaten zu kommen, ist heute dank sozialer Netzwerke kein Problem. Außerdem sind es diese Zielgruppen gewohnt, auf Anfragen unbekannter Quellen zu reagieren oder Angebote als E-Mail-Anhang zu erhalten und diese zu öffnen. Es gilt also sowohl die technische Seite zu stärken als auch die eigenen Mitarbeiter für die Gefahren zu sensibilisieren.