Storage-Markt: Interview mit Benedikt Braun, Cisco

Investition in Flash-Speicher

Im Interview bemerkt Benedikt Braun, Product Sales Specialist Storage Solutions bei Cisco Deutschland, dass Flash-Speicher ein klares Verfallsdatum haben, aber auch Festplatten irgendwann an ihr Lebensende kommen.

Benedikt Braun, Cisco

„Flash-Speicher haben ein klares Verfallsdatum“, weiß Benedikt Braun, Product Sales Specialist Storage Solutions bei Cisco Deutschland.

ITM: Herr Braun, mit welchen Fragen warten Mittelständler am häufigsten auf, wenn sie neue Speicherkonzepte fürs Unternehmen in Betracht ziehen?
Benedikt Braun:
Die meisten Fragen in Bezug auf ein neues Speichersystem oder -konzept gehen in die Richtung, eine Balance zu schaffen zwischen einfacher Handhabbarkeit, dem Erfüllen der Anforderungen wie Performance oder Kapazität und dies unter Einhaltung stabiler oder geringerer Budgets. Dies stellt insbesondere Mittelständler vor eine große Herausforderung.

ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der Mittelständler an Flash-Storage?
Braun:
Flash ist im Storage-Umfeld definitiv das am heißesten diskutierte Thema und wird aus allen Unternehmensschichten im Moment betrachtet und bewertet. Wir sehen steigendes, aber noch kein flächendeckendes Interesse an Flash. Dies hängt jedoch auch damit zusammen, dass im Grunde nicht die Technologie allein interessant ist, sondern die Vorteile in der Wertschöpfung und Geschwindigkeit, die sich damit erreichen lassen. Dies ist natürlich immer im Kontext des jeweiligen Kunden zu sehen.

ITM: Welche Vorteile bringen Flash-Speicher gegenüber herkömmlichen Festplatten mit sich?
Braun:
Flash-Speicher bieten vor allem eine Kombination aus hohen IOPS-Werten in Verbindung mit geringem Platzbedarf und sehr geringer Stromaufnahme. Herkömmliche Festplatten, z.B. eine 15k-SAS-Festplatte, liefern 200 bis 250 IOPS bei einer Zugriffszeit von etwa 2 bis 5 Millisekunden. Ein Flash-Speichersystem liefert gut und gerne 200.000 IOPS bei 0,2 Millisekunden Zugriffszeit. Das heißt, um die gleiche Anzahl an IOPS zu liefern, bräuchte ein Unternehmen bei diesem Beispiel rund 1.000 Festplatten mit entsprechendem Platzbedarf, Stromzufuhr und Kühlung. Die Zugriffszeit von Flash mit herkömmlichen Plattensubsystemen zu erreichen, ist nicht möglich. Insbesondere die Zugriffszeit ist jedoch mitunter entscheidend für die Geschwindigkeit und Reaktionszeit von Applikationen. Dies schlägt durchaus bis zum Endanwender durch, dessen Applikation schneller reagiert, bessere Ergebnisse liefert sowie eine höhere Ergonomie bietet.

ITM: In welchen Punkten hinken die Flash-Speicher eher hinterher bzw. schwächeln ein wenig?
Braun:
Flash-Speicher haben ein klares Verfallsdatum. Natürlich kommen auch Festplatten irgendwann an ihr Lebensende, jedoch ist bei Flash-Speichern vorauszusehen, dass die Chips je nach Workload und Intelligenz des Speichers nicht mehr beschreibbar sind. Dies ist ein Faktor, der bei der Kaufentscheidung betrachtet werden muss. Ebenso hat das Thema Auswirkungen auf die Wartungskonditionen. Wie reagiert der Hersteller/Lieferant auf „verbrauchte“ Chips oder Festplatten? Werden diese basierend auf dem Wartungsvertrag ausgetauscht oder muss ich hier mit einer finanziellen Belastung rechnen?

ITM: Wie gestaltet sich konkret die Energieeffizienz beim Einsatz von Flash-Storage?
Braun:
Energieeffizienz ist ein Heimspiel für Flash-Speicher. Durch die Kombination aus hohen Performancewerten bei gleichzeitig geringem Platz-, Strom- und Kühlenergiebedarf arbeiten die Geräte bei einem Vergleich von I/O zu Watt oder BTU enorm energieeffizient.

ITM: Und wie sieht es aktuell mit der Haltbarkeit aus? Wie lässt sich diese weiterhin verbessern?
Braun:
Im Flash-Markt werden wir in kurzen Zyklen immer wieder neue Technologien sehen, welche die Haltbarkeit weiter erhöhen, den Platzbedarf und die Stromaufnahme weiter senken und immer höhere Performancewerte liefern. Die Forschung und Innovationen in diesem Bereich sind vielschichtig, z.B. bei Magnetoresistive Random-Access Memory (MRAM), Phase-Change Memory (PCRAM), Ferroelectric RAM (FeRAM) oder Racetrack Memory (Domain-Wall Memory, DWM).

ITM: Inwiefern sind die Flash-Speicher an sich zu differenzieren?
Braun:
Die Entscheidung für ein bestimmtes System ist immer ein Kompromiss zwischen Kapazität, Performance und Preis. Hybride Systeme in ihrer Kombination von Flash und HDD sind als „Allround“-Konfiguration geeignet, um die meisten Anforderungen zu erfüllen, erfordern aber bei spezifischen Anforderungen ein Mehr an Administration. Sicherlich von Vorteil ist die Skalierbarkeit. All-Flash-Systeme bieten architekturbedingt recht gute Kapazitäten und I/O-Leistung. Dies ist sicher von Interesse bei Realtime-Anforderungen wie SQL oder DWH. Bei SSD ist entscheidend, ob die Daten geshared oder dediziert angeboten werden. Kostengünstig mit durchaus respektabler Performance bietet sich diese Technik für IO-intensive Anwendungen im Transaktionbereich oder Webapplikationen an. Auch Virtualisierungslösungen sowohl für Hypervisor als auch VDI haben hier Vorteile. Big Data erfordert jedoch beides, so dass sich eine Mischung anbietet. Es muss aber immer im Einzelfall entschieden werden, welche Technik die optimale ist.

ITM: In welchen Fällen lohnt sich der Einsatz von Flash-Storage in den Servern/Rechenzentren bei mittelständischen Unternehmen?
Braun:
Wer keine schnellen Anwendungen oder hohen Kapazitäten benötigt, kann auf Flash verzichten und herkömmliche Festplatten verwenden. Heute gehören aber fast nur noch kleine Unternehmen zu diesem Kreis. Zwingend notwendig ist Flash dagegen für alle, die Server-, Desktop- oder Storage-Virtualisierung einsetzen. Auch die Nutzung von Analysen, Datenbanken sowie Big Data und High-Performance Computing ist ohne Flash heute nicht mehr denkbar.

ITM: Welche Daten sollten auf einem Flash-Storage gespeichert werden, welche nicht?
Braun:
Um die Investition in Flash-Speicher bestmöglich auszunutzen, sollte der Workload mit den höchsten Anforderungen und/oder dem höchsten Beitrag zur Wertschöpfung auf flashbasierten Systemen liegen. Wenig sinnvoll sind z.B. Archivdaten oder große Filesysteme auf Flash-Speicher.

ITM: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl von Storage-Anbietern und entsprechenden Flash-Speichern achten?
Braun:
Neben Preis, Kapazität und IO-Performance gibt es noch einige Kriterien, die alle Flash-Lösungen erfüllen sollten. Dazu zählen eine hohe Datenintegrität, Deduplizierung, Data Reduction, Lebensdauer, Skalierung in Scaleup und Scaledown sowie ein optimales Read/Write-Verhältnis.

ITM: Mit welchen Kosten ist die Anschaffung verbunden?
Braun:
Die Anschaffungskosten sind natürlich abhängig von der jeweiligen Konfiguration, Anreicherung mit Software sowie Wartungsdauer und den Konditionen. Ohne Frage ist der reine Anschaffungspreis pro TB bei Flash immer noch um Faktoren höher als bei einer klassischen Festplatte. Setzt man jedoch den Anschaffungspreis in Relation zur Wertschöpfung oder IOPS oder Energieeffizienz schlägt die Waage durchaus und vermehrt in Richtung Flash aus.

ITM: Wie gestaltet sich die Integration der Flash-Speicher in die IT-Landschaft eines Unternehmens? Mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen? Was sind häufige Stolpersteine?
Braun:
Die Integration ist üblicherweise recht einfach. Ein Flash Volume präsentiert sich nach außen zunächst wie jedes andere Storage Volume, sei es über iSCSI oder Fibrechannel. Herausforderungen liegen mitunter in der Anpassung und Optimierung der Applikationen, da diese seit Jahren auf eher moderate Performance der Plattensysteme eingestellt waren und nun die Reaktionszeit um Faktoren schneller ist. Dies hat teilweise Umstellungsbedarf auf Applikationsseite zur Folge, um die Geschwindigkeit von Flash voll ausnutzen zu können.

ITM: Ist es für Mittelständler sinnvoll, ausschließlich auf Flash-Storage zu setzen? Oder wäre das problematisch?
Braun:
Eine All-Flash-Strategie ist immer noch die Ausnahme, obgleich sich mehr und mehr Unternehmen damit beschäftigen. Eine Balance zwischen Tier0-Speicher und anderen, günstigeren Speichermedien wird in Bezug auf Kosteneffizienz im Allgemeinen als das Optimum gesehen.

ITM: Welche Zukunft sagen Sie der Flash-Technologie voraus?
Braun:
Die Flash-Technologie wird mehr und mehr in der privaten und geschäftlichen Welt eingesetzt. Schon heute ist Flash in Form von USB-Sticks, Smartphones, Steuergeräten im Auto, TV-Settop-Boxen und so weiter zu finden. In Bezug auf den Storage-Markt sehe ich in fünf Jahren Festplatten nur noch bei großem Kapazitätsbedarf. Der restliche Workload wird auf Flash liegen.

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