Beschaffungs- und Liefernetzwerke von Unternehmen werden immer komplexer und internationaler. Es gibt kaum einen Mittelständler, der nicht Kunden oder Zulieferer in Asien, den USA oder Lateinamerika hat. Hinzu kommen weitere Herausforderungen, beispielsweise die steigende Anzahl der Partner in der Lieferkette, der Distributionskanäle und der Produkte im Portfolio. Auch die Erwartungshaltung der Kunden in Bezug auf Termintreue und Servicequalität nimmt stetig zu. Von der Transparenz der physischen Warenflüsse profitieren letztlich alle Partner entlang der Supply Chain, vorausgesetzt sie nutzen eine gemeinsame IT-Plattform. Und genau hier liegen die Hürden: Zum einen muss die nötige IT jedem zugänglich sein und zum anderen müssen alle Partner gewillt sein, sie zu nutzen.
Voraussetzung für den notwendigen Überblick ist ein IT-System, das alle Ressourcen, Kapazitäten, Bestände und Prozesse in der Lieferkette transparent macht und den Informationsaustausch zwischen den Partnern standardisiert. Der Nutzen einer solchen Visibility-Software, wie sie etwa von AEB angeboten wird, steigt mit der Anzahl der beteiligten Partner. Die übergreifende Integration erfordert nicht nur die Anbindung unterschiedlicher IT-Systeme, sondern auch die Kooperation von Projektbeteiligten aus verschiedenen Unternehmen und Abteilungen. Oft sehen die Unternehmen nur die Kosten der Zusammenarbeit. Deshalb muss meist ein Partner die Führungsrolle übernehmen und die Vorteile einer „Supply Chain Collaboration“ für alle Geschäftspartner hervorheben.
Doch Unternehmen organisieren ihre logistischen Prozesse auf unterschiedliche Weise. Ein Logistikdienstleister z.B. hat andere Abläufe als ein verladendes Unternehmen. Deshalb sind die unternehmensübergreifende Verzahnung von IT-Systemen und die Wahl der richtigen Strategie für den Datenaustausch elementar. Zur Überwindung von Unternehmens- und Netzwerkgrenzen muss über IT-Systeme die Datenübertragung zwischen den Beteiligten etabliert werden. Neben dem als unsicher geltenden E-Mail-Versand haben sich hier das Secure File Transfer Protocol (SFTP) sowie der Aufruf von Webservices durchgesetzt.
Verzahnung von IT-Systemen
Wer den Implementierungsaufwand und später den Wartungsaufwand reduzieren will, entscheidet sich für den Einsatz akzeptierter Standards für elektronische Nachrichtenformate (z.B. Edifact, Ansi ASC X12 oder XML). Ein einheitlicher Standard zum Austausch von Informationen entlang der Lieferkette hat sich jedoch (noch) nicht durchgesetzt – proprietäre und regional bevorzugte Lösungen bestimmen das Bild. Die Software muss daher in der Lage sein, als „Dolmetscher“ zu agieren, um Daten aus unterschiedlichen Informationsquellen und Formaten zu integrieren und allen Beteiligten zentral zur Verfügung zu stellen.
Um einen Überblick über die gesamte Lieferkette zu erhalten, müssen alle Teilprozesse in der Software abgebildet werden – inklusive entsprechender Meilensteine. Meilensteine und Transportlaufzeiten definieren die Eventkette und bilden so die Basis für die proaktive Überwachung, Benachrichtigungen und Leistungskontrolle. Die Software sollte entsprechend flexibel sein und die Überwachung fast jeder Art von Objekt oder Beleg unterstützen – z.B. Aufträge und Auftragspositionen, Lieferscheine und Lieferscheinpositionen, komplette Lkw-Ladungen und Packstücke. Sie sollte automatisch über Planabweichungen informieren. Ein großer Vorteil ist es, wenn die Visibility-Lösung Teil einer Supply-Chain-Suite ist, die die eigenen operativen Prozesse steuert und z.B. Versand, Transportmanagement und Zollabwicklung umfasst.
Auch wenn einige Systeme den dargestellten Funktionsumfang anbieten, nehmen in der Praxis viele Unternehmen noch Excel zur Hilfe, um ihre Prozesse zu steuern – ein aufwendiges Unterfangen, das bei zunehmender Supply-Chain-Komplexität an seine Grenzen stößt. Dabei ist bei einer unternehmensübergreifenden Software der Nutzen enorm. Die Unternehmen schaffen damit die Basis für bessere Entscheidungen und können mögliche Probleme in der Lieferkette bereits vor deren Entstehen erkennen und entgegenwirken.
Bildquelle: © AEB