IT unterstützt nicht nur die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen – sie werden durch den Einsatz von IT oft überhaupt erst ermöglicht. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
„Dass jedes fünfte Unternehmen in Deutschland offenbar keine klare Vorstellung hat, wie IT in puncto Nachhaltigkeit konkret eingesetzt werden kann, überrascht“, meint Elena Georg. ((Bildquelle: IDC))
„Gemeinsam mit unseren Kunden versuchen wir, unbedingt die internationalen Bemühungen zum Klimaschutz zu unterstützen“, betont Carolin Höll. ((Bildquelle: Höll Büroeinrichtung))
„Während heute KPIs wie der Energieverbrauch oder die Produktionseffizienz der Standard sind, werden in Zukunft neuere KPIs zum Einsatz kommen“, so Marco Becker. ((Bildquelle: IDC))
Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen? Wie tief ist ökologisches Handeln in den IT-Strategien der Unternehmen verankert und welchen Technologien setzen Unternehmen bereits ein, um Prozesse nachhaltiger zu gestalten? In einer branchenübergreifenden Studie hat das Marktforschungsunternehmen IDC im Dezember letzten Jahres hierzulande 200 Betriebe mit mehr als 100 Mitarbeitern zu diesen Themen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass – trotz hoher Aufmerksamkeit – nachhaltige Wertschöpfungspotenziale bislang nur ansatzweise ausgeschöpft werden.
Nach eigenen Angaben verfügen 38 Prozent der befragten Unternehmen bereits über einen unternehmensweiten Nachhaltigkeitsansatz, weitere 40 Prozent zumindest über einzelne Programme. Die größten Treiber sind dabei die Kundennachfrage nach umweltfreundlichen Produkten und Angeboten sowie die Verbesserung der Betriebs- bzw. der Produktionseffizienz. Zu den größten Herausforderungen bei der Umsetzung der aktuellen Nachhaltigkeitsziele zählen eine mangelnde Transparenz über Prozesse und Daten, die Einbindung der Mitarbeiter auf der operativen Ebene sowie ein fehlendes Bewusstsein dafür, wie Informationstechnologie bei der Steigerung von Nachhaltigkeit unterstützen kann. Faktoren, die laut IDC-Projektleiterin Elena Georg auf die in vielen deutschen Unternehmen nach wie vor schleppende Digitalisierung hindeuten.
Das Thema „Nachhaltigkeit“ hat, so die Ergebnisse der Studie, in den IT-Abteilungen grundsätzlich einen hohen Stellenwert und wird heute immerhin schon bei zwei von drei Unternehmen zumindest punktuell in strategischen IT-Entscheidungen berücksichtigt. In rund 28 Prozent der Firmen ist der Nachhaltigkeitsaspekt allerdings schon fester Bestandteil einer ganzheitlichen IT-Strategie, Tendenz klar steigend. Denn bereits für die Hälfte der Befragten ist Ressourcenschonung ein wichtiger Einflussfaktor beim Bezug von IT. Zudem will in den kommenden 24 Monaten nahezu ein Drittel der Unternehmen mehr als 30 Prozent ihrer IT-Budgets in nachhaltige Produkte und Dienstleistungen investieren, die Hälfte der Unternehmen plant immerhin bis zu einem Drittel des Budgets nachhaltig auszugeben.
Bereits umgesetzte Initiativen umfassen aktuell vor allem die Beschaffung von ressourcensparender Hardware, die regelmäßige Modernisierung der IT-Infrastruktur und Anwendungsumgebung sowie die Verlängerung von Lebenszyklen von IT-Geräten. Schon bei der Nutzungsdauer von IT-Hardware wird das immense Nachhaltigkeitspotenzial in der IT deutlich, denn das Ende des Nutzungszeitraums wird in den Unternehmen – wenig überraschend – vor allem nach wie vor über die Abschreibung und die Vertragslaufzeit definiert und nicht an Leistung oder Verschleiß festgemacht. Hat die Hardware das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht, so wird sie primär recycelt, weiterverkauft oder an den Gerätehersteller zurückgegeben. Den technologischen Fortschritt mitzugehen, muss natürlich immer an erster Stelle stehen, dennoch sollte immer wieder hinterfragt werden, wann und zu welchem Grad eine Neuanschaffung notwendig ist. Allerdings hat das Ausreizen von älteren Technologien auch einen Zenit und schnell sind teilweise hohe Kosten oder Anstrengungen damit verbunden.
Vor allem im Bereich der Hardware spielt für knapp 90 Prozent der befragten Unternehmen die Druckerinfrastruktur eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitsstrategie. Gut 70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich mithilfe moderner, intelligenter Drucker und Multifunktionsgeräte Stromverbrauch und CO2-Emissionen in diesem Bereich spürbar reduzieren sowie Prozesse optimieren lassen.
„Im Rahmen unserer Managed-Print-Services helfen wir unseren Kunden, das Thema ‚Drucken‘ nachhaltig und neu zu denken“, erklärt Carolin Höll, Geschäftsführerin der Höll Büroeinrichtung GmbH. Bereits in der Analysephase identifiziert der Baden-Badener Epson-Partner nicht nur Optionen der Papiervermeidung, sondern prüft auch, ob es ein Potenzial der Energieeinsparung gibt. „Aus diesem Grund setzen wir auf die Epson-Precision-Core-Technologie, die ohne den Einsatz von Wärme auskommt und deshalb auch Heat-Free Technology genannt wird. Infolgedessen ist der Stromverbrauch geringer und dies führt nachwirkend zu einem niedrigeren CO2-Ausstoß“, so Höll.
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Neben allen Umweltaspekten ist ihren Worten nach bei Nachhaltigkeitsinitiativen aber auch die wirtschaftliche Perspektive ein ausschlaggebendes Kriterium. „Letztendlich darf eine Investition in nachhaltige Produkte oder Services nicht teurer sein, sonst hat die nachhaltige Alternative schlechte Karten im Entscheidungsgremium. Wichtig ist aber auch, dass bei der Kostenbetrachtung nicht nur die IT-relevanten Kosten betrachtet werden, sondern auch die Gesamtkosten wie Stromverbrauch, Verbrauchsmaterialien oder auch Förderungen, die im Zuge von Zertifizierungen, beispielsweise der ISO-50001, erzielt werden können“, erklärt Höll.
Cloud-Lösungen sowie auch mobile Anwendungen haben inzwischen einen hohen allgemeinen Reifegrad erreicht und werden laut IDC-Studie bei rund einem Drittel der befragten Unternehmen für nachhaltige Projekte eingesetzt. Die größten Nachhaltigkeitsvorteile der Cloud als Betriebsmodell werden vor allem in der Senkung der Energiekosten sowie der Verbesserung des CO2-Fußabdrucks gesehen. Mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen sind der Ansicht, dass große Anbieter von Cloud-Rechenzentren in der Lage sind, ihre Rechenzentren nachhaltiger zu betreiben, als ihr eigenes Unternehmen es könnte. Die Stärken sehen sie vor allem in der Nutzung der energieeffizientesten Technologie und von erneuerbaren Energiequellen sowie durch eine höhere Serverauslastung.
Als Colocation-Anbieter leisten Rechenzentrumsbetreiber einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Digitalisierung. Zahlen des Borderstep Instituts und des Eco-Verbands zeigen, dass der Energiebedarf pro Gigabit in Rechenzentren inzwischen zwölfmal niedriger ist als im Jahr 2010, während sich der Bedarf an Rechenleistung im gleichen Zeitraum verzehnfacht hat. Vor allem der Wechsel von kleinen und nicht selten ineffizienten unternehmenseigenen Rechenzentren hin zu hocheffizienten großen Rechenzentren trägt zu einer positiven Klimabilanz bei. Colocation-Anbieter stellen ihren Kunden Server zur Verfügung, die in der Regel weitaus effizienter im Betrieb sind. Zudem bündeln sie Services und investieren üblicherweise regelmäßig in umweltfreundliche Upgrades.
„Es liegt auf der Hand, dass die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen neue Lösungswege und Innovationen erfordert, die die Unternehmen im Alleingang oft nicht schaffen können“, sagt Marco Becker, Projektleiter bei IDC. „Daher sind externe Partner, nachhaltige Ökosysteme und künftig vor allem der Fokus auf ihre Lieferketten für fast zwei Drittel der Befragten wichtig zur Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele. Wir erwarten, dass künftig zunehmend in nachhaltige Ökosysteme investiert wird und die Unternehmen sich verstärkt an IT-Anbieter wenden, die über die entsprechenden Netzwerke verfügen“, prognostiziert er. IDC sieht deshalb in besonderem Maße die IT-Anbieter in der Pflicht, sowohl ihr eigenes Business als auch ihr Angebotsportfolio unter diesem Blickwinkel zu überarbeiten, zu ergänzen und vor allem die Kunden bei ihren Nachhaltigkeitsmaßnahmen aktiv zu beraten und zu unterstützen.
Der IT kommt nach Einschätzung der Analysten bei der Erreichung von mehr Nachhaltigkeit eindeutig eine Schlüsselrolle zu, denn sie kann mittels Datenverarbeitung und -analysen sowohl Nachhaltigkeitsinitiativen effektiv begleiten als auch die Grundlage für neue innovative Prozesse und Produkte mit positiven Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit sein. IT unterstützt also nicht nur die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen – sie werden durch den Einsatz von IT oft überhaupt erst ermöglicht. So schafft IT durch die Bereitstellung von Schlüsseltechnologien wie Cloud, Internet of Things oder Künstliche Intelligenz die notwendige Transparenz im Unternehmen selbst sowie entlang der Lieferkette.