Gemeinsame Nutzung von Glasfasernetzen

Keine Zauberei

Netzbetreiber und Dienstleister können neu errichtete Glasfasernetze gemeinsam nutzen – das ist der Kern des Open-Access-Konzepts, wie ihn das Next-Generation-Access-Forum bei der Bundesnetzagentur beschreibt (NGA).

Die Festlegung ist ein zentraler Ausgangspunkt für die Umsetzung von Open-Access-Projekten in Deutschland, bei denen Triple-Play-Angebote mit Internet, Telefonie und Fernsehen gefragt sind. Das Open-Access-Konzept definiert aus technischer Sicht den Rahmen für Investitionen in Open-Access-Projekte und vermeidet dabei eine Festlegung bei den Zugangsnetzarchitekturen und -technologien. Ein offener Netzzugang (Open Access) auf Basis des Layer-2-Bitstreams ermöglicht mehreren Dienste-Anbietern, den Endkunden ihre Angebote über eine einzige Netzinfrastruktur bereitzustellen. Sie enthält sowohl die passiven Komponenten wie Kupfer- und Glasfaserleitung zum Endkunden als auch einige aktive Komponenten wie Kabelverzweiger und typischerweise Geräte im Aggregationsnetz des Netzbetreibers. Die in Deutschland von vielen Netzbetreibern eingesetzte IP-basierte Multi-Service-Zugangsplattform Milegate von Keymile unterstützt bereits heute die Anforderungen des NGA-Forums, in dem die Rahmenbedingungen des Layer-2-Bitstream-Zugangs festgelegt wurden.

Höhere Anforderungen an die Geräte

Bei einem Triple-Play-Angebot bieten Netzbetreiber ihren Kunden ein Dienstepaket aus Breitbandinternet, Telefonie und Internetfernsehen (IPTV) an. Eine Aufsplittung der Dienste, wie in anderen Ländern durchaus üblich, beispielsweise Telefonie von Netzbetreiber 1 und IPTV von Netzbetreiber 2, ist in Deutschland vorerst nicht vorgesehen. Vorteilhaft beim deutschen Modell ist die Unabhängigkeit der Dienste-Anbieter von den Endgeräten. Dadurch kann jeder Dienstleister mit einem auf seine Dienste zugeschnittenem Endgerät (IADs = Integrated Access Device) arbeiten.

Das IAD bietet Schnittstellen für den direkten Anschluss von Telefonen. Für den Internetzugang nutzt das Endgerät die Netzbetreibereinwahldaten des Anwenders und stellt automatisch eine Verbindung zum Web her. Als TV-Dienste wird neben IPTV auch Video-on-Demand (VoD) angeboten. Beim VoD-Dienst ist der Anfangszeitpunkt variabel: Sobald ein Anwender sich einen Film ausgesucht hat, wird dieser als einzelner Datenstrom von der Quelle bis zum Endgerät durch das Netz transportiert („Unicast-Verfahren“). Das Verfahren ist vergleichbar mit dem Dienst Internetzugang, gegebenenfalls jedoch mit höheren Qualitätsanforderungen.

Im Unterschied zu VoD gibt es bei IPTV ein Signal mit einer festgelegten Anfangszeit, das an alle Anwender verteilt wird („Multicast-Verfahren“). Open Access bringt hier einen Fortschritt. Da bisher eine Multicast-Übertragung über fremde Netze nicht möglich war, waren Triple-Play-Angebote nur im eigenen, abgeschlossenen Netz eines Anbieters verfügbar. Mit der Vereinbarung zur Übergabe von Multicast-Parametern besteht nun die Möglichkeit, einen IPTV-Dienst über das Netz eines fremden Netzbetreibers anzubieten. Open-Access-Dienstleister können damit ihr Angebot über die Netze von verschiedenen Netzbetreibern bereitstellen. Das aber führt zu höheren Anforderungen an die Geräte des Netzbetreibers – sie müssen nun mehrere Instanzen vom Multicast unterstützen.

Die Datenströme unter Kontrolle

Aufgrund der gemeinsamen Nutzung von Netzkomponenten entstehen neue Anforderungen sowohl an den Netzbetreiber als auch an das verwendete Equipment. Das fängt bei der unterschiedlichen Einrichtung der Parameter der Dienstleister an und reicht über die Behandlung von Störungen im Netz bis hin zum Einspielen und Testen von neuer Software. Quality of Service (QoS) sorgt für die Priorisierung der verschiedenen Dienste. Zusätzlich muss in Open-Access-Netzen auch die Fairness zwischen den Anbietern gewährleistet sein. Kommt es aufgrund einer hohen Auslastung im Netz zu Engpässen in der Datenübertragung, muss sichergestellt sein, dass nicht nur die Daten eines Anbieters betroffen sind.

Durch die Zusammenarbeit mehrerer Anbieter mit einem Netzbetreiber ergeben sich auch höhere Anforderungen an die Datensicherheit der verwendeten Geräte. Es muss beispielsweise ausgeschlossen sein, dass der Netzbetreiber Zugriff auf die Daten der Dienste-Anbieter hat oder Hacker Zugriff auf Daten erlangen. Verschiedene Sicherheitsmechanismen auf Layer-2- und Layer-3-Ebene stellen dieses sicher und verhindern z.B., dass Datenströme zu falschen Teilnehmern umgeleitet werden. Triple-Play-Dienste in Open-Access-Netzen anzubieten, ist keine Zauberei. Allerdings muss das verwendete Equipment den besonderen Open-Access-Anforderungen genügen. Die vielen bereits angekündigten Kooperationen verschiedener Netzbetreiber zeigen, wie groß der Bedarf an Open-Access-Lösungen ist.

Bildquelle: © Keymile

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