Als Expertin für nachhaltige Büroarbeit verfolgt Tanja Schmidt das Ziel, das tägliche Drucken so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten.
ITM: Frau Schmidt, welchen Stellenwert besitzt das Outputmanagement in Zeiten zunehmender Digitalisierung?
Schmidt: Oft sind die bestehenden Infrastrukturen in Unternehmen und Behörden nicht mehr zeitgemäß und bedürfen unbedingt einer Erneuerung. Veraltete Geräte verursachen dabei hohe Kosten und behindern das Voranschreiten der Digitalisierung. Auch in der näheren Zukunft wird es jedoch voraussichtlich kein papierloses Büro geben. Moderne Multifunktionsdrucker (MFPs) sorgen somit als Bindeglied zwischen der analogen Papierwelt und hoch entwickelten digitalen Lösungen für eine stetige Modernisierung des Outputmanagements. Dezentrale Lösungen, die das sichere Scannen und Drucken erlauben, haben in diesem Zusammenhang einen hohen Stellenwert.
ITM: Inwieweit hat sich das Druckverhalten der deutschen Mittelständler in den letzten Jahren gewandelt?
Schmidt: Oftmals sind viele Druckumgebungen ein Sammelsurium von einzelnen Druck-, Scan- und Faxgeräten, die weder vernünftig eingerichtet noch verwaltet werden. Der Mittelstand hat jedoch, wie der Rest der deutschen Wirtschaft, verstanden, dass es an der Digitalisierung kein Vorbeikommen gibt. Besonders die Corona-Pandemie führte mit vermehrtem Homeoffice zu einer drastischen Reduzierung des Druckverhaltens vieler Unternehmen. Vor allem im ökologischen Sinne erweist sich dies als ein guter Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. Statt sich für das Meeting die Dateien auszudrucken, griffen große Teile der Belegschaft auf digitale Lösungen zurück. Das Scanverhalten der MFPs ging dagegen in Seitenzahlen praktisch durch die Decke. Daher nimmt die Wichtigkeit, eine gute Betriebslösung zu integrieren, immer mehr zu, da Unternehmen ansonsten alle paar Monate ihr System anpassen müssen, um leistungsoptimiert zu bleiben. Viele Betriebe haben schon einiges an Geld in ihre Digitale Transformation gesteckt und planen diese Investitionen noch auszubauen.
ITM: Was ist Unternehmen beim Drucken heutzutage besonders wichtig – vor allem mit Blick auf hybride Arbeitsmodelle?
Schmidt: Drei Themen stehen für Unternehmen bei Druckgeräten besonders im Vordergrund: Nachhaltigkeit, Geschwindigkeit und hohe Qualität bilden aktuell die Grundvoraussetzung für viele Betriebe, und nur ein zuverlässiges System kann sich hierbei am Ende durchsetzen. Keinem nützt eine günstige Lösung, die nur für Probleme oder hohe Betriebskosten sorgt. Daher sind vor allem Systeme gefragt, die nicht die Gesundheit der Mitarbeiter gefährden oder die Stromkosten ins Unendliche steigen lassen. Während Laserdrucker u.a. für Feinstaubbelastung und steigende Energiekosten sorgen, bieten beispielsweise Tintenstrahldrucker eine Lösung für alle diese Baustellen. Damit Angestellte in der Zukunft optimal arbeiten können, braucht es somit professionelle Druckmöglichkeiten im Homeoffice sowie im Büro, um beispielsweise auch hybride Arbeitsformen ohne Umstände zu gewährleisten.
ITM: Welche Bedeutung hat das Thema „Nachhaltigkeit“ beim Drucken in Unternehmen?
Schmidt: Dies erweist sich aufgrund des anhaltenden Klimawandels sowie dessen gravierender Folgen als das Thema der Stunde und kein Unternehmen kommt in puncto Einkauf mehr daran vorbei. Die Weise, wie Geräte arbeiten, die Produktionsart der Verbrauchsmittel oder auch deren Entsorgung bilden daher elementare Bausteine für die nächste Generation an Multifunktionsgeräten. Da es hier dringend Lösungen braucht, besitzt Nachhaltigkeit einen sehr hohen Stellenwert in der Druckerbranche, und einige Unternehmen bieten hier schon vielversprechende Produkte.
ITM: Wie lassen sich Drucker bzw. Druckvorgänge besonders nachhaltig und energieeffizient gestalten?
Schmidt: Um beim Druckvorgang Energie zu sparen, lohnt es sich u.a., auf Systeme zu setzen, die auf Heiztechnik oder den Prozess des Vorheizens verzichten. Dieser Schritt stellt einen der Hauptstromfresser in der Informationstechnik und bei Druckersystemen dar. Wenn Unternehmen daher auf solche Technologie verzichten, können sie bis zu 80 Prozent ihrer verbrauchten Energie einsparen. Mit der Benutzung eines modernen MFP verzichten Unternehmen auf zusätzliche Einzelgeräte, die unnötig Strom benötigen. In der Regel haben diese Multifunktionsdrucker auch spezielle Energiesparmodi, die den Bedarf an Strom um ein Vielfaches reduzieren können.
ITM: Inwieweit gibt es hier Standards/Vorgaben/Zertifizierungen, an denen sich Druckerhersteller orientieren müssen?
Schmidt: Bei der Messung des Stromverbrauchs von Druckern, Kopierern oder Faxgeräten kommt in der Regel das Typical-Energy-Consumption-Verfahren (TEC) zum Einsatz, welches den typischen Energieverbrauch eines Gerätes während des normalen Arbeitsalltags misst. In der Grundannahme ist das MFP dafür permanent eingeschaltet und erhält in bestimmten Intervallen eine entsprechende Menge an Aufträgen. So durchläuft es den kompletten Zyklus von Aufwärmen, Drucken, Ruhe- oder Schlafmodus und simuliert dabei den normalen Arbeitsalltag. Dabei existieren jedoch auch speziellere Unterscheidungen je nach dem Auftragsvolumen des jeweiligen Geräts. Mit diesem TEC-Wert lassen sich einzelne Systeme u.a. gut vergleichen. Daher sollten vor allem Einkäufer diesen bei den Entscheidungen immer berücksichtigen. Ohne diesen Vergleich scheint zudem eine Reduktion der eigenen CO2-Werte kaum umsetzbar.
ITM: Welche Trends im Outputmanagement für das Jahr 2023 sind schon jetzt erkennbar?
Schmidt: Im neuen Jahr liegt der Fokus vor allem auf der Perfektionierung von Multifunktionsdruckern durch höheres Papiervolumen, dem Finisher Management sowie der Verbesserung der Originaleinzüge, um die ansteigende Scanflut in Unternehmen in den Griff zu bekommen.
ITM: Inwieweit ist der 3D-Druck bereits im Mittelstand angekommen?
Schmidt: In mittelständischen Unternehmen scheint das Bedürfnis nach 3D-Druckern in den letzten Jahren nicht übermäßig anzusteigen. Nur wenige ausgewählte Betriebe setzen diese Technik bisher ein oder denken aktuell über eine Anschaffung nach. Rund 97 Prozent des Mittelstands arbeiten noch mit herkömmlichen Multifunktionsdruckern.
ITM: Für welche Branchen/Unternehmen sind 3D-Drucklösungen besonders interessant und warum?
Schmidt: Hauptsächlich findet der 3D-Druck im darstellenden Gewerbe, in Planungs- oder Beratungsbüros, bei Werbegestaltern oder auch in der Konstruktionstechnik Anwendung – letztlich überall dort, wo es eine möglichst genaue visuelle Darstellung benötigt.
ITM: Was sind noch häufige Herausforderungen bzw. Stolpersteine im 3D-Druck?
Schmidt: Moderne Geräte eröffnen heute viele Möglichkeiten. Sie erlauben auch aufwendige Produktionen, egal ob es sich um eine Nudel oder einen wichtigen Baustein handelt. Wenn Probleme beim 3D-Druck auftreten, liegt es häufiger an einer nicht exakten Planungsvorbereitung anstatt am reinen Druckvorgang. Besonders im Bereich der Darstellung liegt jedoch noch viel ungenutztes Potenzial. Bis Betriebe damit aber Häuser oder Speisen en masse produzieren, wird noch einiges an Zeit vergehen. Derzeit befindet sich der Markt hier noch in der Probephase, aber die ersten Ergebnisse können schon überzeugen.
Bildquelle: Igreeen Solution