Potenziale erschließen

„KI kann in zahlreichen Feldern Vorteile bringen“

Welche Hürden mittelständische Unternehmen überwinden müssen, um das volle Potenzial von Künstlicher Intelligenz (KI) zu erschließen, erklärt Kai Gutzeit, Sales Director SMB bei Oracle Deutschland, im Interview.

Potenziale erschließen

„Der Datenschutz und die Datensicherheit gehören zu den meistdiskutierten Themen im KI-Umfeld“, weiß Kai Gutzeit.

ITM: Herr Gutzeit, wie bewerten Sie den aktuellen Status Quo in Bezug auf den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im deutschen Mittelstand?
Gutzeit: Künstliche Intelligenz als fundamentaler Baustein für Business-Lösungen ist als solches nicht eine neue Entwicklung. Viele unserer Produkte und von anderen Anbietern automatisieren und unterstützen bereits seit Jahren unsere Kunden beim Betrieb der IT und der Entscheidungsfindung während der Datenanalyse. Der heutige KI-Trend setzt sich vor allem in zwei Anwendungsgebieten fort: bei Kundendienstlösungen im First Level Support und beim First Point of Contact sowie im Bereich der Bereitstellung, Verwertung und Analyse von Daten. Wenn wir den aktuellen Status Quo im deutschen Mittelstand beobachten, sehen wir, dass es ein Potenzial gibt, mit bereits bestehenden Lösungen diesen Umstieg zu ermöglichen.

ITM: Welche Vorteile kann der KI-Einsatz für Mittelständler bringen?
Gutzeit: KI kann in zahlreichen Feldern Vorteile bringen. Zuallererst dient KI dazu, die Effizienz von Unternehmensprozessen zu steigern. Das ist vor allem in den Bereichen zu spüren, wo regelmäßig repetitive Aufgaben anfallen. Als typische Einsatzszenarien werden oft die operative IT oder die Kundenbetreuung genannt. Durch einen gezielten KI-Einsatz können sich zum Beispiel Datenbankadministratoren auf wertschöpfende Aufgaben konzentrieren und Optimierung des Datenbankbetriebs auslagern. In der Kundenbetreuung hilft KI dabei wichtigen Kundenkontext zu liefern. Wenn ein Kunde Support braucht, kann KI dem Kundendienstmitarbeiter automatisch Optionen anzeigen, die für den aktuellen Kunden relevant sind. Und das Ganze geschieht proaktiv, live und ohne Verzögerung. Das erhöht nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern verbessert auch die Produktivität des Mitarbeiters. Sich wiederholende Tätigkeiten fallen aber in allen Unternehmensbereichen an. Durch die intelligente Bereitstellung von Informationen und Daten, können diese dazu verwendet werden, alle Abteilungen zu bereichern. Ein weiterer Anwendungsbereich für KI ist das Unterstützen bei der Entscheidungsfindung und Geschäftsplanung. Mit KI lassen sich große Datenmengen analysieren und Muster erkennen sowie verstehen. Das ist z.B. beim Identifizieren von Saisonalitäten in Märkten wichtig und erleichtert die Geschäftsplanung. KI kann zudem ein nützliches Werkzeug bei der Optimierung von Betriebskosten sein. Eine nicht KI-basierte Datenanalyse ist zeitaufwendig und oft fehlerbehaftet. Das ist einer der Gründe, warum immer mehr Betriebe auf intelligente Systeme wechseln. Die genannten Vorzüge sind nur ein Teil von dem was KI für KMU leisten kann. Klar ist: Durch erhöhte Effizienz und akkurateren Entscheidungsgrundlagen lassen sich Kostenersparnisse realisieren und Marktchancen erkennen.

ITM: Wo liegen bislang noch die größten Probleme zur praktischen Anwendung?
Gutzeit: Der Datenschutz und die Datensicherheit gehören zu den meistdiskutierten Themen im KI-Umfeld – und das aus gutem Grund. Sowohl Anbieter als auch Benutzer nehmen dieses Thema sehr ernst. Es liegt in der Verantwortung einer Firma sicherzustellen, dass alle Regeln und Gesetze eingehalten werden. Ein weiterer Punkt ist die Integration. Eine KI ist nur so gut wie die Daten, die sie füttert. Ein unzureichend durchdachtes oder komplexes Integrationsprojekt für Bestandssysteme kann während und nach der Umsetzung schnell zu Kopfschmerzen aller Beteiligten führen. Hier sind enge Partnerschaften und ein guter Kontakt zum Hersteller wichtig, um sicherzustellen, dass die Integration fachgerecht durchgeführt wird. Und nicht zuletzt ist eine realistische Festlegung des Return of Investement (ROI) etwas, das Unternehmen gemeinsam mit ihren Partnern und dem Hersteller verabreden sollten. Je nach Anwendungsszenario sollten klare Ziele definiert werden, die sich auch entsprechend messen lassen. Nur so kann eingeschätzt werden, ob der Business Case erfolgreich war.

ITM: Was würde helfen, um diese Hürden erfolgreich zu überwinden?
Gutzeit: Um das volle Potenzial einer KI-Integration möglichst effizient zu erreichen, müssen gewisse Voraussetzungen definiert werden. Das betrifft die Technologie, die Zieldefinierung und die Zusammenarbeit. Bei der Einführung stehen die Daten zunächst einmal im Mittelpunkt. Sie bilden das Fundament, um KI erfolgreich ins Unternehmen zu bringen. Benötigt wird eine fluide, sichere und performante Datenlandschaft, der eine solide Datenbank und ein sicheres Datenkonzept zugrunde liegt. Ich empfehle Kunden immer, als ersten Schritt einen „Health Check“ durchzuführen, der sowohl die technischen Aspekte, aber auch die Sicherheit und das Datenkonzept auf den Prüfstand stellt. Die meisten Firmen führen KI Schritt für Schritt und nicht in mehreren Bereichen gleichzeitig ein. Wenn es um die praktische Umsetzung geht, ist es von Vorteil, als Startpunkt einen klaren Business Case zu identifizieren, für den sich eindeutige Ziele definieren lassen, die wiederum auf Machbarkeit hin geprüft werden können. Und ein nicht unwesentlicher Erfolgsfaktor ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem guten Partner und dem Hersteller. Vor allem in der Planungsphase ist es wichtig, dass genau abgesteckt wird, welche Art von Hilfe beansprucht werden kann.

ITM: Welche Berufsbilder werden sich aus Ihrer Sicht künftig am stärksten durch KI verändern?
Gutzeit: Die Aussage, dass viele Jobs in Zukunft nicht mehr benötigt werden, sehe ich als eine Überreaktion. Viel wahrscheinlicher ist, dass durch den klugen, gezielten Einsatz von KI Effizienzsteigerung dazu führen, dass sowohl Kunden als auch Anwender mit ihrer Hilfe schneller zu Lösung kommen. Diese müssen weniger Zeit investieren, um sich durch langwierige Prozesse zu kämpfen und haben mehr Möglichkeiten höherwertigen Aufgaben nachzukommen. Drei Berufsbilder habe ich da im Blick. Im Vertrieb und Marketing kann KI beispielsweise die Analyse von Kundendaten, personalisierte Empfehlungen, Automatisierung von Marketingkampagnen und die Identifizierung von Trends unterstützen. Dies wird die Rolle von Vertriebs- und Marketingexperten verändern, indem sie verstärkt datengestützte Entscheidungen treffen und KI-Tools nutzen, die kontextsensitiv Vorschläge machen, welche sich schnell umsetzen lassen. Auch im Kundendienst und Support bereichern KI-Systeme durch sekundenschnelle Zugriffe auf das Customer-Relationship-Management-System (CRM) und auf Datenbanken die tägliche Arbeit. Sie stellen den Agenten passende Lösungen bereit und erlaubten ihm, kontextsensitiv Entscheidungen zu treffen. Wo bislang nur reaktive Systeme mit Datenmasken zur Verfügung standen, kann er jetzt in einem einzigen System aktuelle Daten abrufen und verarbeiten. Und auch im Finanzwesen und der Buchhaltung kann KI bei der Automatisierung von Buchhaltungsaufgaben, bei der Betrugsbekämpfung und bei der Risikoanalyse unterstützen. Excel und handgebaute Dashboards werden durch interaktive Dashboards ersetzt, die Finanzexperten in wenigen Sekunden passende Informationen und Trends aufzeigen.

Bildquelle: Oracle

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok