„Die Rolle des CIO besteht u.a. darin, als Vermittler zwischen den Anwendern und dem Top-Management zu agieren“, meint Martin Wilde.
„Obwohl wir mit 290 Mio. Euro Umsatz nicht unbedingt klein sind, können wir die Ressourcen für den Betrieb eines ständig in Bereitschaft stehenden Security-Zentrums nicht aufbringen“, meint Martin Wilde.
„Ein weiteres innovatives Projekt, das wir in Angriff nehmen werden, ist der Rollout von firmeneigenen Smartphones“, sagt Martin Wilde.
Die Sicherheit der Unternehmens-IT hat für Vorstand Johannes Linden (li.) und CIO Martin Wilde höchste Priorität.
„Es ist nicht Aufgabe des Endanwenders, sich täglich mit Dutzenden unaufgeforderten E-Mails zu beschäftigen oder permanent an mögliche Cyberattacken zu denken“, sagt Martin Wilde.
ITM: Herr Wilde, stetiger Wandel ist gewissermaßen das Hauptmerkmal der Informationstechnologie. Was vor 15 Jahren noch Standard in der Enterprise-IT war, wird heute als Legacy-System bezeichnet. Wie bleiben mittelständische Unternehmen auf Augenhöhe mit der Entwicklung?
Martin Wilde: Es ist den Gesellschaftern und dem Management der Pfisterer Gruppe wichtig, ein Vorreiter zu sein. Das betrifft unsere Geschäftsfelder Hochspannungsisolatoren und -konnektoren ebenso wie die IT. In den vergangenen Jahren war der Wandel allerdings besonders stark, denn in der jüngsten Unternehmensgeschichte gab es bedeutende Veränderungen. Wir haben uns strategisch neu ausgerichtet mit einem klaren Schwerpunkt auf unsere Kernkompetenzen in der Verarbeitung von Silikon und Metall. In diesem Zuge haben wir uns von unseren keramischen Werken getrennt. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf unsere IT-Infrastruktur, die wir im Nachgang weitgehend neu designen mussten.
ITM: Daraus entnehme ich, dass sich Ihr Stammmarkt ebenso stark wie die IT verändert.
Wilde: Richtig, wir erleben in unserer Branche ein enormes Investitionsvolumen und Wachstum, angetrieben durch die Umstellung auf nachhaltige Energieerzeugung, den Umbau und die Erneuerung der Netze sowie den steigenden Energiebedarf. Wir sind Schlüsselausrüster für die großen Netzbetreiber, aber auch für Windenergieunternehmen. Wir arbeiten im Grunde mit allen Akteuren in der Energiebranche zusammen, um die Stromnetze auf dem neuesten Stand zu halten und die Energiewende voranzutreiben. Einerseits haben wir eine große Vielzahl an vorhandenen Produktdesigns in unseren Datenbanken, andererseits können wir auf Kundenwunsch individuelle Produkte gestalten.
ITM: Wo genau finden sich Ihre Produkte im Stromnetz?
Wilde: Sie kommen überall dort zum Einsatz, wo Stromnetze verbunden, angeschlossen und erweitert werden müssen – von der Erzeugung, über die Übertragung bis hin zur Verteilung des Stroms. Wir sind vor allem im Bereich der großen Überlandnetze, der Erdkabelanlagen und bei der Anbindung der großen Onshore- und Offshore-Windparks aktiv. Hier gehören wir zu den Weltmarktführern. Wir verfügen über ein weltweites Vertriebsnetz und betreiben eigene Standorte in Europa, den USA, im Mittleren und Fernen Osten sowie in Asien und Argentinien. Außerdem sind wir eines der ganz wenigen Unternehmen, die in Deutschland noch eigene Hochspannungslabore betreiben. Dort können wir unsere Produkte auf Funktionalität und Belastbarkeit prüfen.
ITM: Wie hat sich Ihre IT-Landschaft durch die Marktveränderungen in der Hochspannungstechnik entwickelt?
Wilde: Der Zwang zu höherer Effizienz in unseren Märkten hat uns dazu ermuntert, wichtige strategische Schritte zu machen. Verknappt ausgedrückt: Wir gehen weg von On-Premises und verlagern die IT Zug um Zug in die Cloud. Dabei werden wir von einem deutschen Rechenzentrumsanbieter unterstützt, der für uns Private-Cloud-Lösungen betreibt. Eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre war es, die IT-Systeme verschiedener kleinerer Unternehmensteile zu konsolidieren. Aus historischen Gründen haben viele Standorte jeweils eigene IT-Lösungen gehabt. Die Vereinheitlichung ist uns gut gelungen: In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Server von über 350 auf deutlich unter 200 gesunken. Dadurch haben wir einerseits den operativen Betrieb effizienter gemacht, aber andererseits auch erhebliche Kosteneinsparungen erreicht.
ITM: Haben Sie im Gegenzug auch investiert?
Wilde: Wir haben sogar sehr umfangreich investiert. Beispielsweise sind inzwischen fast alle Legacy-Systeme durch moderne Lösungen ersetzt. Wir nutzen jetzt beispielsweise SD-WAN, sodass wir die unterschiedlichen Verbindungen zu unseren globalen Niederlassungen leichter integrieren können. Die wichtigsten Server sind Cloud-basiert und damit hochverfügbar. Das sichert die Stabilität und ermöglicht den Mitarbeitern einen einfachen, sicheren und mobilen Zugang. Zudem haben wir in die Einführung von Remote-Desktop-Services investiert, sodass unsere Mitarbeiter nun über eine einzige zentrale Plattform arbeiten können.
ITM: Haben Sie auch Ihre Software-Ausstattung modernisiert?
Wilde: Auch hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. So setzen wir in fast jeder Hinsicht auf Standardlösungen wie beispielsweise die bekannten Office-Lösungen, Collaboration-Tools und nicht zuletzt AutoCAD Inventor. Dadurch ist es gelungen, die teils veralteten Systeme der Vergangenheit zu ersetzen. Einer der nächsten Schritte in einigen Jahren wird dann der Umstieg auf SAP S/4 Hana sein. Und unsere IT-Security haben wir natürlich auch erweitert.
ITM: Welche Security-Lösungen nutzen Sie denn?
Wilde: IT-Security gehört zu den wichtigen Bereichen, in denen die Pfisterer Gruppe kontinuierlich investiert. Sie besitzt einen eigenen Security-Stack, der in einem mittelständischen Unternehmen beispiellos ist. Dazu gehören Endpoint Protection, E-Mail-Security-Gateways, Netzwerk-Firewalls und u.a. mehrstufige Web-Proxies. Wir haben uns in der letzten Zeit besonders intensiv mit dem Thema „Phishing“ beschäftigt.
ITM: Wie groß ist denn der Anteil von Spam, Phishing-Mails und Co.?
Wilde: Der ist sehr groß. Unser Filtersystem fängt etwa 50 Prozent der überhaupt eingehenden E-Mails ab und klassifiziert sie als schädlich. Ohne ein solches Filtersystem wäre es heute kaum möglich, für ein Unternehmen wie die Pfisterer Gruppe die IT zu betreiben. In diesem Zusammenhang interpretieren wir den Endanwender als „Last Firewall“. Es ist nicht seine Aufgabe, sich täglich mit Dutzenden unaufgeforderten E-Mails zu beschäftigen oder permanent an mögliche Cyberattacken zu denken. Dafür setzen wir modernste Systeme ein, die die gesamte Infrastruktur so gut wie möglich schützen. Vor rund drei Jahren haben wir in Zusammenarbeit mit dem Security-Dienstleister Withsecure eine innovative Lösung installiert.
ITM: Sie meinen die KI-gestützte Angriffserkennung?
Wilde: Richtig, wir gehören hierbei zu den Early Adopters, da wir uns bereits vor einigen Jahren für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) für die Erkennung von Cyberangriffen interessiert haben. Seinerzeit gab es nur sehr wenige Lösungen auf dem Markt, sodass wir uns sehr schnell entschieden haben. Das Produkt „Countercept“ unseres Partners Withsecure ist im Rahmen unserer Security-Strategie eine neue Schlüsselkomponente. Das KI-gestützte Programm analysiert den gesamten Datenverkehr in unserem Datennetz und alle Verbindungen nach außen in Echtzeit. Dieses Programm meldet Anomalien unverzüglich an ein Sicherheitsrechenzentrum des Anbieters in Finnland. Dort werden die Daten ausgewertet und bei Bedrohung proaktiv Abwehrmaßnahmen eingeleitet. Dies kann von der Isolierung einzelner Programme bis hin zur Abschaltung ganzer Netzwerksegmente reichen. Parallel dazu läuft der gesamte Datenverkehr durch ein mehrschichtiges Online-System bei Zscaler, das ebenfalls in Echtzeit Bedrohungen prüft. Beide Systeme bilden gemeinsam eine solide Verteidigung gegen Cyberangriffe.
ITM: Was macht die KI-Komponente?
Wilde: Auf jedem Server und jedem Client gibt es einen speziellen Software-Agenten, der die Daten zusammenträgt und via Internet an die Cloud von Withsecure sendet – übrigens zweifach verschlüsselt. Am anderen Ende, in der Cloud in Finnland, arbeitet die KI und untersucht die Daten nach auffälligen Mustern. Countercept lernt ständig dazu und passt sich dem Verhalten der User an. Es ist nun seit über drei Jahren im Einsatz und kennt somit die Gewohnheiten der Mitarbeiter inzwischen sehr gut. Wenn beispielsweise jemand ungewöhnlich große Datenmengen in der Nacht herunterlädt, wird ein Alarm ausgelöst.
ITM: Und dann wird jemand aus Ihrem globalen IT-Team aufgeweckt?
Wilde: Der ist mit Sicherheit schon wach und arbeitet für Withsecure, denn Countercept ist ein sogenannter Managed Detection and Response Service (MDR). Der Hauptvorteil besteht darin, dass wir damit ein komplettes externes Team an Sicherheitsexperten zu einem erschwinglichen Preis zur Verfügung haben. Zudem bietet uns der Service Zugang zu einer fortschrittlichen Cybersecurity-Lösung, die ansonsten sehr kostspielig wäre. Das Team reagiert innerhalb weniger Minuten auf potenzielle Cyberbedrohungen. Jede entdeckte Bedrohung wird auf Echtheit bewertet, um Fehlalarme und Alarmmüdigkeit zu vermeiden. Wird eine echte Bedrohung entdeckt, arbeitet der Sicherheitsspezialist für die schnellstmögliche Eindämmung direkt mit uns zusammen. Der First-Response-Service von Countercept behebt Probleme, bevor sie eine Chance haben, das Unternehmen zu beeinträchtigen.
ITM: Konnten Sie den Service denn schon einmal in Aktion erleben?
Wilde: Anfangs hatten wir die Lösung nur auf einigen Testsystemen ausgerollt. Zu genau dieser Zeit gab es auch einen Angriffsversuch. Wie sich später herausstellte, war er Teil einer globalen Kampagne, die auch bei vielen anderen Unternehmen aufgefallen ist. Der Angriff wurde von meinem Team entdeckt, als es seltsame Anomalien an einem Gerät feststellte. Da die Mitarbeiter aufmerksam geworden sind, haben sie dieses Gerät den Testsystemen hinzugefügt und siehe da: Das System hat auch gleich angeschlagen. Es konnte eine komplexe Malware identifiziert werden, die bereits aktiv war und damit begonnen hatte, vereinzelte Maschinen anzugreifen.
ITM: Auf welche Weise hat Ihnen Countercept geholfen?
Wilde: Das System hat uns dabei geholfen, nicht blind in einen Cyberangriff hineinzulaufen. Die kompromittierten Konten und Maschinen wären uns ohne die Lösung vermutlich über einen längeren Zeitraum nicht aufgefallen. Wir wären also blind gewesen. Diese Sichtbarkeit von ungewöhnlichen Mustern in den Abläufen in unserer IT ist genau die Funktionalität, die wir noch brauchten, um unseren Security-Stack zu vervollständigen. Doch der Service des Sicherheitsanbieters hat uns noch mehr gebracht, denn wir hätten bei einer zufälligen Entdeckung gar nicht so schnelle und effiziente Maßnahmen umsetzen können, um den Angreifer aus der IT-Landschaft herauszubekommen.
ITM: Countercept ist ein Managed Service. Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Wilde: In der digitalen Welt können Probleme zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten. Obwohl wir mit 290 Mio. Euro Umsatz nicht unbedingt klein sind, können wir – wie viele andere Mittelständler – die Ressourcen für den Betrieb eines ständig in Bereitschaft stehenden Security-Zentrums nicht aufbringen. Eine durchgängige 24/7-Überwachung unserer Systeme bedeutet einen enormen Personalaufwand. Außerdem müssen die entsprechenden Mitarbeiter auch über fundiertes Fachwissen im Bereich der Computersicherheit verfügen. Solche Experten sind jedoch für den Mittelstand schwer zu finden. Was wir stattdessen gesucht haben, war ein System oder ein Service, der so autonom wie möglich agiert. Die Überwachung und auch erste Reaktionen auf mögliche Probleme sollten automatisch erfolgen, ohne dass wir ständig eingreifen müssen. Im Idealfall sollte das Security-Personal nur dann aktiv werden, wenn ein ernsthaftes Problem identifiziert wird, das einer genaueren Überprüfung oder weiteren Maßnahmen bedarf. Für diese Anforderungen ist Countercept genau richtig, denn als Managed Service muss unsere eigene IT nur dann eingreifen, wenn es tatsächlich einen schweren Vorfall gibt.
ITM: Inwieweit werden die Mitarbeiter durch die Lösung überwacht?
Wilde: Eine echte Verhaltensüberwachung im Sinne einer Kontrolle der Arbeit leistet die Software nicht, da ausschließlich Metadaten übertragen werden. Die von der DSGVO sehr kritisch betrachteten personenbezogenen Daten werden hier gar nicht erfasst. Da sind andere Komponenten einer heutigen IT-Landschaft wie beispielsweise das Active Directory deutlich stärker in der Lage, die personenbezogenen Daten zu erfassen und auszuwerten.
ITM: War bei der Einführung auch der Betriebsrat beteiligt?
Wilde: Wir haben die Einführung dieses Tools natürlich zunächst mit dem Betriebsrat und auch dem Datenschutzbeauftragten abgesprochen. Das müssen wir sogar, denn das Betriebsverfassungsgesetz räumt dem Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht ein, wenn technische Systeme eingeführt werden sollen, die das Verhalten der Arbeitnehmer überwachen können. Wir haben dabei argumentiert, dass dieses System ausschließlich zur Abwehr von Cyberbedrohungen konzipiert ist und nicht dafür, Mitarbeiter zu überwachen. Es gibt auch gar keine Möglichkeiten, eine solche Überwachung durch die Hintertür einzuführen. Abgesehen davon hat uns Withsecure dabei unterstützt. Das Unternehmen weiß genau, dass der Betriebsrat immer ein Thema ist, wenn es um die Einführung einer MDR-Lösung geht. Dementsprechend besitzt das Unternehmen anwaltlich abgesegnete technischen Dokumente, die eine Prüfung durch den Betriebsrat erleichtern. Entsprechend hat er auch sehr rasch zugestimmt.
ITM: Wie ist die Lösung bei den Mitarbeitern angekommen?
Wilde: Sehr gut, das Sicherheitsgefühl ist gestiegen. Die Beliebtheit liegt aber auch daran, dass das System für den Endbenutzer unsichtbar bleibt. Die Software-Agenten beeinflussen nicht die Performance und es gibt keine ständigen Alarmmeldungen. Das Sicherheitssystem arbeitet in erster Linie im Hintergrund, ohne den Arbeitsablauf zu stören.
ITM: Gibt es denn auch Maßnahmen, die direkt bei den Mitarbeitern ansetzen?
Wilde: Ja, wir nutzen z.B. seit einiger Zeit ein zweistufiges Authentifizierungsverfahren. Das ist eine Reaktion auf den Aufschwung von Homeoffice in der Corona-Phase. Dieses System erfordert nicht nur die Eingabe eines individuellen Codes durch den User, sondern auch die Bestätigung über einen physischen Token. Diese Methode schließt den größten Teil unerlaubter Nutzerzugriffe aus und erhöht somit die Sicherheit unseres Netzwerks. Ein weiteres innovatives Projekt, das wir in Angriff nehmen werden, ist der Rollout von firmeneigenen Smartphones – auch in diesem Fall wieder als Full Managed Service. Diese Smartphones werden mit vorkonfigurierter Software ausgeliefert, sodass unsere interne IT-Abteilung keinen zusätzlichen Arbeitsaufwand hat. Bei eventuellen Problemen werden die Mitarbeiter von einer externen Firma unterstützt, die bis abends erreichbar ist.
ITM: Viele Unternehmen machen Awareness-Schulungen. Bieten Sie Ihrem Personal auch so etwas an?
Wilde: Wir bieten umfassende Anleitungen zum Thema „IT-Sicherheit“ auf unserem Sharepoint an und führen regelmäßige interne Awareness-Kampagnen durch, um das Bewusstsein für das Thema zu schärfen. Zusätzlich haben wir kürzlich eine digitale Lernplattform eingeführt, die unsere User einsetzen können. Sie bietet nicht nur verpflichtende Schulungen zu Cybersecurity, Datenschutz und Compliance, sondern auch individuelle Trainings, wie den Umgang mit Office-Paketen und unseren Serviceprogrammen. Diese Initiative ist übrigens ein Schritt unserer Digitalisierungsoffensive.
ITM: Wie sieht diese Offensive konkret aus?
Wilde: Seit einiger Zeit hat die Pfisterer Gruppe eine umfangreiche Digitalisierungsstrategie. Dazu gehört in erster Linie die geschilderte IT-Strategie. Wir werden möglichst viel Infrastruktur in die Cloud verschieben, die bisher genutzte Enterprise-Resource-Planning-Software (ERP) durch SAP-Lösungen ersetzen und die internen Netzwerke in einigen Niederlassungen auf den neuesten Stand bringen. Unser Fokus liegt bei der Digitalen Transformation nicht nur auf der digitalen Infrastruktur, sondern auch auf der Digitalisierung unserer Produkte. Beispielsweise entwickeln wir aktuell Ansätze zur vorausschauenden Wartung bei Isolatoren und Konnektoren. Dies entspricht dem Wunsch vieler unserer Kunden nach aussagekräftigeren Informationen über höchst seltene, aber mögliche Produktprobleme. Schließlich sind wir dabei, Industrie-4.0-Initiativen in unseren Produktionswerken in Europa umzusetzen. Dazu gehören u.a. die papierlose Auftragsabwicklung, das automatisierte Scannen von Lieferungen und die Implementierung von SAP Q für die Qualitätsprüfung in den Werken.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITM: Bei diesem Wandel sind Sie als CIO stets beteiligt. Wie sehen Sie die Rolle des IT-Chefs im Mittelstand?
Wilde: Die Rolle des CIO besteht u.a. darin, als Vermittler zwischen den Anwendern und dem Top-Management zu agieren. Er muss beide Seiten verstehen und mit aktuellen Technologien und machbaren Lösungen versorgen. Dabei gilt es, IT-Themen so zu kommunizieren, dass sie auch für Laien verständlich sind. Man könnte den CIO als den Dirigenten sehen, der das IT-Orchester leitet. Aber ohne seine Musiker kann er wenig erreichen. Zu meinem großen Glück habe ich ein sehr gutes IT-Team bei Pfisterer, für das ich großen Respekt habe. Es setzt alles mit unglaublichem Engagement und hoher Professionalität um. Überdies hat sich die Position in den vergangenen Jahren sehr stark geändert. Es gibt traditionell in den meisten Unternehmen zwei wichtige Schlüsselpositionen, die ein besonders hohes Maß an Vertrauen erfordern: der Finanzchef und der Personalchef. Der CIO bzw. Digitalchef gehört inzwischen dazu, denn ein Fehler in dieser Position kann erhebliche Auswirkungen haben. Daher ist es wichtig, dass diese Rollen von Personen erfüllt werden, die nicht nur kompetent, sondern auch dem Top-Management gegenüber loyal sind und in einem besonderen Vertrauensverhältnis zur Unternehmensführung stehen.
Als einer der weltweit führenden Technologieanbieter für Anschluss- und Verbindungstechnik in Stromnetzen leistet die Pfisterer Gruppe einen wichtigen Beitrag für eine sichere und nachhaltige Energieinfrastruktur. Die rund 1.200 Mitarbeiter entwickeln, produzieren und vertreiben Bauteile und Komplettlösungen für die Schnittstellen in modernen Energienetzen. Sie erwirtschaften damit etwa 290 Mio. Euro Umsatz. Das Unternehmen wurde 1921 gegründet. Hauptsitz der Gruppe ist Winterbach bei Stuttgart.
Martin Wilde
Alter: 43 Jahre
Familienstand: ledig
Werdegang: leitete über Jahre globale Netzwerkimplementierungen und kritische IT-Großprojekte eines Stuttgarter Automobilherstellers; nachfolgend Europa-CIO des größten Maschinenbaukonzerns der Welt und modernisierte die IT des führenden Lebensmittelgroßhändlers in Deutschland
Derzeitige Position: Corporate Director IT / CIO bei der Pfisterer Gruppe
Bildquelle: Claus Uhlendorf