„Natürlich muss die Implementierung von KI auch im deutschen Mittelstand sorgfältig geplant werden“, erklärt Dr. Andrea Derler.
ITM: Frau Dr. Derler, wie bewerten Sie den aktuellen Status Quo in Bezug auf den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im deutschen Mittelstand?
Derler: Der Status Quo lässt sich nur schwer bewerten, denn meiner Meinung nach werden KI-Tools von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sehr unterschiedlich eingesetzt. Abhängig von ihrem Geschäftsfeld, dem technischen Know-how der Angestellten und den unternehmensinternen Vorgaben gibt es ganz unterschiedliche Ausprägungen in der Anwendung. Allerdings sehe ich großes Potenzial, das noch nicht vollumfänglich genutzt wird. KI-Tools können beispielsweise bei der Content-Kreation für Websites, Social Media und Blogs, beim Verfassen von Produktbeschreibungen, bei der Analyse von Daten und Rezensionen oder bei Wettbewerber- und Stakeholder-Analysen helfen. Natürlich muss die Implementierung von KI auch im deutschen Mittelstand sorgfältig geplant werden, damit die Ergebnisse auch den Erwartungen aller Anwender entsprechen und natürlich auch der Datenschutz sichergestellt werden. Zudem bedarf es einer genauen Kostenanalyse, um zu garantieren, dass die Investitionen in die neue Technologie auch sinnvoll sind.
ITM: Welche Vorteile kann der KI-Einsatz für Mittelständler bringen?
Derler: Mittelständische Unternehmen haben nicht immer die Möglichkeit, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen – entweder aus Kostengründen, oder weil sich keine passenden Bewerber auf ausgeschriebene Stellen finden lassen. KI-Tools können die Angestellten unterstützen und so ihre Produktivität steigern. Durch gezielte Automatisierung bestimmter Aufgabenbereiche können sich die Mitarbeiter auf wichtigere Aufgaben konzentrieren und so einen essenziellen Beitrag für das Unternehmen leisten.
ITM: Wo liegen bislang noch die größten Probleme zur praktischen Anwendung?
Derler: Die wohl größten Probleme dürften meiner Ansicht nach im Bereich „Datenschutz“ liegen. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sensible Daten nicht über ungesicherten KI-Einsatz an Unbefugte weitergegeben werden können – weder intern noch extern.
ITM: Was würde helfen, um diese Hürden erfolgreich zu überwinden?
Derler: In meinen Augen wäre eine transparente Aufklärung über die konkreten Einsatzmöglichkeiten, die Chancen und mögliche Risiken ein Schritt in die richtige Richtung. Außerdem können – je nach Einsatzgebiet und Tiefe der Integration – externe Experten beauftragt werden, die bei der Implementierung helfen oder Schulungen durchführen. Auch öffentliche Quellen, Konferenzen und Networking-Events können den Verantwortlichen in mittelständischen Unternehmen helfen, einen guten Überblick zu gewinnen und Hürden zu überwinden.
ITM: Welche Berufsbilder werden sich aus Ihrer Sicht künftig am stärksten durch KI verändern?
Derler: Ich glaube, dass gerade die Mitarbeiter in den Personalabteilungen profitieren können. So können sie repetitive Aufgaben deutlich vereinfachen und sich so auf strategische Dinge konzentrieren. Außerdem kann die HR-Abteilung mit den passenden KI-Tools ihren Einflussbereich erweitern und mit sinnvoll aufbereiteten Daten bessere Personalentscheidungen treffen. Dadurch wird die Arbeit von Personalverantwortlichen auch auf strategischer Ebene immer wichtiger für den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen.
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