Universität trifft Wirtschaft

Kleinteile per KI erkennen

Mit Studierenden der Uni Würzburg entwickelte Cosmo Consult eine KI-Bilderkennung für Maschinenteile. Zum Einsatz kommt das intelligente Verfahren derzeit bei der Maschinenfabrik Lauffer.

Studenten

Universitäten sind ein Hort des Wissens und der Innovation.

Digitale Technologien ebnen den Weg für neue Denkansätze – etwa, wenn es darum geht, Kleinteile sicher zu erkennen. Studenten der Universität Würzburg entwickelten kürzlich ein intelligentes Verfahren, bei dem Maschinenteile fotografiert, erkannt und den passenden Artikeln in der Unternehmens-Software zuordnet werden. Die auf Digitalisierung spezialisierte Cosmo-Consult-Gruppe begleitete das Projekt bei der Maschinenfabrik Lauffer GmbH & Co. KG. In der Modellanordnung gelang es den Studenten, den Wareneingang bei Retouren effizienter zu gestalten. Nun plant die Maschinenfabrik, die neue Technologie langfristig zu nutzen.

Universitäten sind ein Hort des Wissens und der Innovation. Dennoch kann der akademische Betrieb seinen Studenten nicht alles vermitteln. „Wenn etablierte Geschäftsprozesse verändert und neue Technologien eingeführt werden, zieht das immer auch organisatorische Herausforderungen nach sich. Den richtigen Weg, um damit umzugehen, muss jeder für sich selbst finden“, betont Univ.-Prof. Dr. Axel Winkelmann vom Lehrstuhl für BWL und Wirtschaftsinformatik und ERP-Fachexperte an der Universität Würzburg. Um Masterstudenten dazu Gelegenheit zu geben, ist ein Projektseminar fester Bestandteil der Wirtschaftsinformatikausbildung. Ziel ist es, über den Zeitraum eines Semesters erlerntes Wissen praktisch umzusetzen und Teamskills zu trainieren. Kooperationen zwischen Uni und Wirtschaft spielen dabei eine zentrale Rolle.

Retouren effizienter buchen

Die Cosmo-Consult-Gruppe gehört zu jenen Partnern, mit der die Uni Würzburg seit langer Zeit regelmäßig zusammenarbeitet. Als die sechs Masterstudenten ihr Konzept vorstellten, ließ sich der Digitalisierungsspezialist nicht lange bitten und knüpfte den Kontakt zur Maschinenfabrik Lauffer GmbH & Co. KG. Ihre Idee: mit Kamera, Bilderkennung und Künstlicher Intelligenz (KI) eine digitale Lösung zu entwickeln, mit der Kunden Bauteile leichter identifizieren können. „In der Fertigung ist es eher unwahrscheinlich, dass Bauteile nicht identifiziert werden können. Doch in der Bauteilelogistik gab es bei Lauffer ähnliche Anforderungen“, erklärt Eduard Wallender, Senior Consultant beim Digitalisierungsspezialisten.

 

Aufwendige Teilebuchungen

Die Maschinenfabrik Lauffer aus Horb am Neckar entwickelt, baut und installiert weltweit Pressen und automatisierte Anlagen für die Metall- und Pulvermetallverarbeitung, Laminationsanlagen für die Herstellung von Leiterplatten und ID-Karten sowie Presssysteme für die Kunststofftechnik und das Transfermolding. Die Montageteams nehmen dabei meist mehr Teile mit, als tatsächlich beim Kundeneinsatz benötigt werden, sodass überzähliges Material später wieder einzulagern ist. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn viele dieser Teile sind nicht gekennzeichnet und unterscheiden sich nur in wenigen Details. „Jedes Teil wird einzeln identifiziert und per Hand in unserer Unternehmens-Software Microsoft Dynamics NAV erfasst“, erklärt Eberhard Gsell, IT-Leiter bei der Maschinenfabrik Lauffer.

 

Wenn KI den Wareneingang steuert

Im Rahmen des Projektseminars „API – Automatic Product Identification“ entwickelten und vernetzten die Studenten verschiedene digitale Technologien, um den aufwendigen Vorgang zu automatisieren. Die eingehenden Teile werden dabei zunächst fotografiert. Dann identifiziert sie ein vortrainierter Algorithmus und ordnet sie der passenden Artikelnummer zu, die vom ERP-System bereitgestellt wird. Mitarbeiter geben nach kurzer Prüfung der Details die Eingangsbuchung frei und übernehmen den Artikel ins System, das gleichzeitig einen Lagerplatz zuweist. Hierfür entwickelte das Team eigens eine Schnittstelle, die auf Basis von Microsofts Power-Plattform das ERP-System mit KI und Bilderkennung verbindet.

Projektergebnisse zeigen Potenzial

Große Teile des Prototyps laufen auf Open-Source-Technologie, was die Performance der Installation zunächst bremste. Daher konnte nur mit einer limitierten Artikelzahl und einem begrenzten Datenvolumen gearbeitet werden. Die Ergebnisse überzeugten Lauffer dennoch. „Mit dem Verfahren können wir in kurzer Zeit eine Vielzahl von Teilen sicher identifizieren. Auch solche, die für eine Kennzeichnung zu klein sind. Ein weiterer Pluspunkt ist das nahtlose Zusammenspiel mit Dynamics NAV. Um einen Artikel zu übernehmen, ist lediglich die Freigabe erforderlich. Das entlastet unser Team und sorgt für ein hohes Sicherheitsniveau“, unterstreicht Gsell. Später könnte man auch elektronische Waagen für eine noch genauere Teileidentifikation und Barcode-Drucker für Kennzeichnung und Einlagerung in den Prozess einbinden.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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