Personality

„Kräfte da bündeln, wo sie gebraucht werden“

IT-MITTELSTAND befragt die Verantwortlichen verschiedener IT-Anbieter. In dieser Ausgabe: Henrik Ewers, CPTO von VR Payment.

Henrik Ewers von VR Payment

Henrik Ewers: „Die Nähe zu Kunden und Partnern und das Wissen um ihre Bedürfnisse sind ebenso wichtig wie die Kenntnis der technischen Gegebenheiten und Potenziale.“

Unter Mittelstand verstehe ich ...
… ein weites Feld. Es ist eher eine Geisteshaltung als eine Frage der Unternehmensgröße, der Umsätze oder Mitarbeiterzahl. Und diese Geisteshaltung erlaubt es mittelständischen Unternehmen, kundenzentrierte und pragmatische Lösungen für die tatsächlichen Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Angesichts der aktuellen Dynamik in den Märkten ist das eine große Stärke.

Der Mittelstand hebt sich von Großkonzernen dadurch ab, dass ...
… er eine andere Beziehungsqualität zwischen Unternehmern und Mitarbeitern pflegt. Dazu zählt ein großes Maß an gegenseitigem Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein, aber auch Respekt und Achtsamkeit. Man steht füreinander ein, hilft sich. Das erlaubt es mittelständischen Unternehmen, die häufig noch Familienunternehmen sind, im Gegensatz zu Großkonzernen sehr flexibel mit sich ändernden Kundenbedürfnissen und Umwelteinflüssen umzugehen und Kräfte schnell da zu bündeln, wo sie wirklich gebraucht werden.

Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, bedarf es ...
… einer guten Branchenkenntnis und dem Beherrschen der in dieser Branche geschäftsrelevanten Prozesse. Die Nähe zu Kunden und Partnern und das Wissen um ihre Bedürfnisse sind dabei ebenso wichtig wie die Kenntnis der technischen Gegebenheiten und Potenziale.

Was die IT anbelangt, ist der Mittelstand ...
… zum Teil schon sehr fortgeschritten, zum Teil aber auch noch stark entwicklungsbedürftig. Das entscheidet sich u.a. daran, wie die vor- und nachgelagerten Industrien aufgestellt sind bzw. welchen Platz ein Unternehmen in einer Lieferkette einnimmt. So sind Tier-1-Unternehmen häufig hochtechnisiert, Lieferanten spezifischer Einzelteile jedoch oft weniger gut aufgestellt. Auch im Handels- und Dienstleistungssektor gibt es enorme Unterschiede – je nach Branchenumfeld.

Die durchschnittliche IT-Grundausstattung im Mittelstand besteht aus ...
… weitgehend nebeneinanderstehenden Einzellösungen und häufig selbstentwickelten Schnittstellen, die diese Einzel­lösungen miteinander verzahnen. Wichtig ist deshalb eine Ablösung der verschiedenen Legacy-Systeme durch eine moderne, ganzheitliche Unternehmensarchitektur.

Charakteristisch für IT-Investitionsentscheidungen im Mittelstand ist, dass ...
… bevorzugt Lösungen für Einzelprobleme gefunden werden anstatt die Unternehmensarchitektur in ihrer Gesamtheit zu bewerten und strategisch zu erneuern. Dabei ist letzteres essenziell, um sich zukunftsfähig aufzustellen – auch wenn es eines hohen Commitments bedarf, Ressourcen in Beschlag nimmt und einiges an Know-how voraussetzt.

Die typischen IT-Probleme des Mittelstands sind ...
… nicht zuletzt personalbedingt. In Zeiten des Fachkräftemangels wird es immer schwerer, IT-Talente für die speziellen Bedarfe des Mittelstands zu gewinnen. Und diese Talente dann auch zu halten. Die Konkurrenz zu Großkonzernen und Start-ups ist dabei hart – und mit deren Angeboten an IT-Experten mitzuhalten, nicht immer möglich.

Als Lösung für diese Probleme favorisiere ich ...
… wo immer es geht, Mitarbeiter selbst aus- und weiterzubilden und so unternehmensintern Know-how aufzubauen. Darüber hinaus braucht es starke, verlässliche Partner, die einen bei der Weiterentwicklung der IT-Systeme und -Prozesse begleiten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Handlungsbedarf auf IT-Seite im Mittelstand sehe ich ...
… insbesondere bei der Integration von Systemen und Prozessen und der Verknüpfung von Vertriebswegen. Nehmen wir z.B. einen mittelständischen Einzelhändler. Das Geschäft wird in diesem Bereich längst nicht mehr nur am stationären Point of Sale gemacht, sondern auch im E-Commerce und über die Anbindung an verschiedene digitale Plattformen. Gegebenenfalls kommen Automaten oder mobile Verkaufspunkte hinzu. All diese Vertriebskanäle gilt es aus einer Hand zu managen, um einen sinnvollen Überblick über das Geschäft zu erhalten, schnell eingreifen und auf Marktveränderungen reagieren zu können. Daten kanalübergreifend aus­werten zu können und so ein besseres Bild vom Kunden zu erhalten, ist heute ge­schäftsentscheidend.

Henrik Ewers
Alter: 43 Jahre
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Größte Hobbies: Familie, Reisen, Basketball

Karriere:
Ausbildung:
Bankkaufmann, Bachelor in Angewandter Informatik in der Fachrichtung Wirtschaft sowie Master in IT-Management und Information Systems an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDQ) Paderborn
Beruflicher Werdegang: Nach verschiedenen Stationen in der Volksbank Paderborn Wechsel zur Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG, dort nationale und internationale IT-Leitungsaufgaben, zuletzt Geschäftsführer der neu gegründeten Dr. Oetker Hospitality GmbH
Derzeitige Position: Geschäftsführer (Chief Product & Technology Officer) von VR Payment

Bildquelle: VR Payment

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok