Gebrauchte Lizenzen bleiben für Jennifer Schneider, Geschäftsführerin bei Usedsoft Deutschland, nach wie vor eine wichtige Alternative für Unternehmen und Behörden.
Obwohl es auf dem Markt immer mehr Abo- und Cloud-Modelle gibt, greifen viele IT-Verantwortliche lieber auf gebrauchte Software zurück. Als europäischer Anbieter von gebrauchter Standard-Software hat Usedsoft rund hundert Einkaufsentscheider aus Unternehmen und Behörden zum Gebrauchtsoftware-Markt befragt. So gut wie alle gaben an, dass der Preis das wichtigste Kriterium für den Kauf gebrauchter Lizenzen ist. Das überrascht nicht. Immerhin ist Gebrauchtsoftware bis zu 50 Prozent unter dem Neupreis erhältlich. Dabei ist das Produkt gebraucht wie neu dasselbe. Denn eine Lizenz nutzt sich nicht ab. Mehr auszugeben als nötig, würde schlichtweg dem unternehmerischen Denken widersprechen. Für die öffentliche Hand kommt der verantwortungsbewusste Umgang mit Steuergeldern hinzu. Das Vergaberecht verpflichtet Behörden daher, wann immer möglich auch Gebrauchtsoftware bei öffentlichen Ausschreibungen zu berücksichtigen; und gemäß dem Wirtschaftlichkeitsprinzip muss dann der günstigste Anbieter den Zuschlag erhalten.
Seit einigen Jahren gestaltet sich die Kaufentscheidung allerdings immer komplexer. Software kann gebraucht oder neu gekauft, geleast, gemietet und im Abonnement bezogen werden. Große Softwarehersteller drängen ihre Nutzer regelrecht ins Abo. Aber ist das wirklich im Sinne der Kunden? In unserer Umfrage gab rund die Hälfte der Befragten an, eine Abneigung gegen Cloud- und Abo-Modelle zu haben und daher gebrauchte Software als Alternative zu nutzen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen muss jedes Unternehmen für sich prüfen, welches Lizenzmodell wirklich am wirtschaftlichsten ist. Abos können auf den ersten Blick günstig erscheinen, sich aber je nach Nutzerzahl und über einen längeren Zeitraum als kostenintensiv entpuppen. Bei den Herstellern klingelt unterdessen die Kasse dank wiederkehrender Einnahmen aus zusätzlichen Services und Apps oder Upgrades für Soft- und Hardware. Passen die Hersteller dann auch noch ihr Preis- und Lizenzmodell an, sind die Kosten für Kunden am Ende nicht mehr kontrollierbar. Viele Kunden beklagen in diesem Zusammenhang, dass sie durch Cloud- und Abo-Modelle in eine zu starke Abhängigkeit vom Hersteller geraten.
Dazu kommt die Sorge um die Datensicherheit. Auf welchen fremden Servern liegen welche Daten? Und wie sind diese geschützt? Viele Unternehmen befürchten einen unerlaubten Zugriff auf sensible Daten durch Industrie-Spionage und Cyberangriffe. Hinzu kommt, dass viele marktbeherrschende Software-Unternehmen im Ausland bzw. in den USA ansässig sind, wo die Rechtslage zum Datenschutz völlig anders ist als hierzulande. Auch die EU-DSGVO wird von dort geltenden Regelungen mitunter ausgehebelt – ein Problem für Unternehmen und Behörden. So sind beispielsweise US-amerikanische Software-Unternehmen durch den sogenannten Cloud Act dazu verpflichtet, US-Behörden Zugang zu gespeicherten Daten zu gewähren – auch dann, wenn diese nicht auf Servern in den USA gespeichert sind. Dieser Probleme sind sich viele Unternehmen bewusst; auch wenn unbestritten ist, dass die Cloud Vorteile bietet, wenn es etwa um New Work-Modelle wie mobiles Arbeiten und Zusammenarbeit geht. Spätestens seit Beginn der Corona-Krise haben dies viele Arbeitgeber erkannt.
Egal ob Kostenvorteil, Unabhängigkeit oder Sicherheitsaspekt: Gebrauchte Lizenzen bleiben nach wie vor eine wichtige Alternative für Unternehmen und Behörden. Denn Gebrauchtsoftware bietet dieselben Vorteile wie klassische On-Premise-Lizenzen – ist aber wesentlich günstiger. Vor allem wenn ein Konzern Lizenzen aufstocken muss oder eine Behörde auf eine neuere Version umsteigen will, ist der Gebrauchtmarkt eine beliebte Anlaufstelle. Häufig wird nicht einmal die allerneueste Version benötigt, weil diese keine interessanten, neuen Features bietet oder mit der bereits eingesetzten Hard- und Software nicht kompatibel ist. Dann sind ältere Versionen, die ausgereift, stabil und bekannt sind, sogar zu bevorzugen. Hersteller bieten diese allerdings oft gar nicht mehr an. Tatsächlich gab auch in unserer Umfrage mehr als ein Drittel der Befragten an, dass die Software-Version, die sie suchten, nur auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich sei.
Bildquelle: Usedsoft