Mohanna Azarmandi unterstützt mit ihrem Team u.a. Kunden und Partner dabei, eine Arbeitskultur zu schaffen, die Lernen und Qualifizierung fördert.
ITM: Frau Azarmandi, verfügbare KI-Kompetenzen sind im Zuge des Fachkräftemangels nur schwer zu finden. In welchen Fällen ist die Weiterbildung der eigenen Angestellten eine gangbare Option?
Mohanna Azarmandi: In allen Fällen. Nach Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums werden bis 2025 durch Automatisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen, während gleichzeitig etwa 2,3 Millionen neue Jobs geschaffen werden. Dabei wird der Anteil der Arbeit, der technisches Wissen voraussetzt, um mehr als 50 Prozent steigen. Aber auch soziale und emotionale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung. Mit der fortschreitenden Digitalisierung wird Lernen somit zur Lebensaufgabe. Denn angesichts des schnellen technologischen Wandels kann sich heute niemand mehr darauf verlassen, dass einmal Erlerntes ein ganzes Leben lang hält. Auch eine Microsoft-Studie zu dieser Thematik hat gezeigt, dass jene Unternehmen am erfolgreichsten sind, die der Weiterbildung ihrer Beschäftigten den gleichen Stellenwert einräumen wie den Investitionen in intelligente, neue Technologien. Das bedeutet, um digitales Re-Skilling im Unternehmen effizient umzusetzen, braucht es eine Unternehmenskultur, in der Lernen und Arbeiten zusammen gedacht werden und in der Qualifizierung ein fester Bestandteil ist.
ITM: Welche Voraussetzungen müssen Angestellte mitbringen, die zu entsprechenden Fachkräften weitergebildet werden sollen?
Azarmandi: Jeder Mensch kann Dinge verändern, lernen und wachsen, das ist Teil unserer Firmenkultur bei Microsoft. Wichtige Voraussetzungen dafür sind Neugier und die Bereitschaft zu lernen. Sich auch als erwachsener Mensch immer wieder an Neues heranzutrauen und die Angst vor dem Scheitern zu überwinden. Lebenslanges Lernen wird zur Kernkompetenz für uns alle im digitalen Zeitalter. Das bedeutet aber nicht, dass jede und jeder programmieren lernen muss. Digitale Grundkompetenz bedeutet, dazu fähig zu sein, technologische Lösungen klug, effizient und verantwortungsvoll einsetzen zu können. In Bezug auf Künstliche Intelligenz geht das heute bereits auf ganz unterschiedlichen Unternehmensebenen. Es beginnt beispielsweise mit hilfreichen KI-Features von Microsoft 365, mit denen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Präsentationen effizienter erstellen. Oder Power BI, das dem Management neue Wege eröffnet, Geschäftsprozesse detailliert zu analysieren. Oder denken Sie an die IT, die Cyberangriffe durch intelligente Sicherheitsfunktionen in Echtzeit nachverfolgen kann. Entscheidend hierfür ist: Bin ich bereit zu lernen und wird diese Bereitschaft von meiner Firma gefördert?
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITM: Einer aktuellen Microsoft-Studie zufolge wäre die Mehrheit der Befragten prinzipiell sehr interessiert daran, eigene KI-Qualifikationen zu erwerben. Wie können mittelständische Unternehmen diese Motivation nutzen, ohne das Kerngeschäft aus den Augen zu verlieren?
Azarmandi: Indem Skilling als integraler Bestandteil der täglichen Arbeit verstanden wird. Als etwas, das dazugehört und kein Bonus ist. Insbesondere mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung haben Firmen die Aufgabe, ihre Angestellten zu befähigen und zu motivieren, sich mit dem Thema Weiterbildung proaktiv auseinanderzusetzen. Es geht darum, individuell passende Angebote zu schaffen und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Zeit und den Raum zu geben, sich gezielt fortzubilden – auch persönlich, nicht nur mit Blick auf die Unternehmensaufgaben. In Zukunft wird die Frage der individuellen Förderung und Befähigung noch entscheidender werden, auch und gerade bei der Talentfindung und -bindung.
ITM: KI ist ein weites Feld mit vielen Teilbereichen. In welchen Segmenten können Mittelständler sinnvoll eigene KI-Qualifikationen in der Belegschaft aufbauen – und wo holt man sich vielleicht doch besser externe Unterstützung?
Azarmandi: Wer bestmöglich von Zukunftstechnologien wie KI profitieren möchte, wird sich mit anderen zusammenschließen müssen – darin liegt eine große Chance für den Mittelstand. Es wird künftig immer wichtiger, Wissen und auch Daten mit anderen zu teilen, weil kaum ein Unternehmen noch alles selbst machen kann. Auch Microsoft versteht sich an dieser Stelle als verantwortungsbewusster Partner, um dazu beizutragen, dass alle Menschen am Fortschritt einer digitalen Gesellschaft teilhaben können. Unternehmen wie Partnern bieten wir daher viele praxisnahe Weiterbildungsangebote.
Bildquelle: Microsoft