Automatisierung

Logistikflächen effizienter nutzen

Im Interview erläutert Dr. Hendrik Thamer, CEO und Co-Founder von Cellumation, wie mit dem Einsatz innovativer Automatisierungslösungen viele logistische Herausforderungen bewältigt werden.

Automatisierung

„Grundsätzlich haben wir das System für alle Anwendungen in Palettenlagern, in denen Paletten für die Weiterverarbeitung vereinzelt werden, konzipiert“, erklärt Dr. Hendrik Thamer.

ITM: Herr Thamer, welche Rolle spielt die Automatisierung heute in den Bereichen Produktion, Industrie und Logistik?
Hendrik Thamer: Automatisierung ist heute aus der Welt der Produktion, Industrie und insbesondere der Logistik nicht mehr wegzudenken. Das hat mehrere Gründe. Erstens wird es immer schwieriger, Fachkräfte für einfache, sich wiederholende Aufgaben zu bekommen, da diese Tätigkeiten sehr repetitiv und körperlich herausfordernd sind. Verständlich, wenn man über 5.000 Pakete pro Stunde, also 1,5 Pakete pro Sekunde vereinzeln muss. Automatisierung löst dieses Problem, zumal die entsprechenden Technologien diese Aufgaben äußerst schnell und effizient durchführen. Zweitens steigert Automatisierung die Leistung, die Präzision und die Sicherheit der Prozesse. Drittens lassen sich die explodierenden logistischen Anforderungen durch den boomenden E-Commerce und die globale Pandemie ohne Automatisierung nicht bewältigen. Genauer gesagt braucht es innovative Automatisierungslösungen, die auf kleinster Fläche funktionieren.

ITM: Ihr Unternehmen hat auf Basis einer speziellen Roboterzelle ein innovatives Depalettiersystem entwickelt. Was hat es damit genau auf sich?
Thamer: Unser cv.DEPAL dient der automatisierten Vereinzelung von Palettenlagen auf bis zu drei Förderstränge. Wir wollen mit unserer Lösung insbesondere dazu beitragen, Logistikflächen effizienter zu nutzen. Mit einem Flächenbedarf von unter drei Quadratmetern ermöglicht unser System eine Platzersparnis um bis zu 95 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Lagenvereinzelungssystemen. Es besteht aus hexagonalen Roboterzellen mit drei omnidirektionalen Rädern, die mehrere Objekte wie Kartons oder Trays zeitgleich und unabhängig voneinander in alle Richtungen bewegen können. Die von uns entwickelte und patentierte Zelle haben wir Celluveyor-Zelle (Kurzform für cellular conveyor) getauft. Beim cv.DEPAL erkennt das Visionssystem mit 3D-Kameras die entsprechenden Objekte, gibt die Informationen an eine intelligente Software weiter und die Software steuert dann die Objekte auf optimaler Route zum gewünschten Ausgang. Dabei fällt die Wartezeit für die Einschleusung einer neuen Lage weg, weil „on the fly“ Lage hinter Lage vereinzelt werden kann. Anders als bei konventioneller Fördertechnik sind dank der Künstlichen Intelligenz des Visionssystems keine Anlernzeiten für neue Produktdimensionen nötig. Sofern gewünscht, wird das Objekt automatisch von den Celluveyor-Zellen vor der Ausschleusung in die korrekte Orientierung rotiert.

ITM: Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es? Was sind die Vorteile für Ihre Kunden?
Thamer: Ein typischer Einsatzort ist z.B. das Zentrallager einer Supermarktkette. Wenn hier Warensendungen für einzelne Märkte zusammengestellt werden müssen, übernimmt der cv.DEPAL als Herzstück einer vollautomatischen Depalettieranlage die Vereinzelung und Orientierung von Palettenlagen. Grundsätzlich haben wir das System für alle Anwendungen in Palettenlagern, in denen Paletten für die Weiterverarbeitung vereinzelt werden, konzipiert. Der – neben der Flächenersparnis – größte Vorteil des Systems ist seine hohe Leistungsfähigkeit. In Praxisversuchen zeigte sich bei einem Layout mit zwei Ausgängen ein Grenzdurchsatz von 450 Lagen pro Stunde. Das hängt aber immer von der Größe der Objekte ab. Darüber hinaus ist die Implementierung des Systems sehr einfach: Dank Plug-and-play dauert es nur ein bis zwei Werktage, um es in einem Lager oder einer Produktionsstätte zu integrieren. Auch die Instandhaltung ist unkompliziert: Bislang hat kein Anwender länger als fünf Minuten gebraucht, um eine unserer Roboterzellen zu wechseln.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Welche Ziele verfolgt Ihr Unternehmen in naher Zukunft noch?
Thamer: Unser langfristiges Ziel steht: In Zukunft soll jedes weltweit ausgelieferte Paket eine Celluveyor-Zelle berührt haben. Um dieses Ziel zu erreichen, entwickeln wir aktuell „case by case“ neue Software für weitere Anwendungsfälle. Dadurch können wir in Zukunft weitere Automatisierungslösungen auf Basis unserer Technologie anbieten und unsere Produktpalette erweitern. Darüber hinaus wird unsere Lösung zur automatisierten Sortierung und Konsolidierung von Paketen in Zukunft als Herzstück innerstädtischer Microhubs zum Einsatz kommen. Das Entscheidende an unserer Technologie ist der geringe Platzbedarf sowie die Fähigkeit, Pakete aus unterschiedlichen Quellen auf intelligente Routen zu verteilen. Damit bieten wir den Schlüssel, um die letzte Meile effizient, wirtschaftlich und nachhaltig zu gestalten.

Bildquelle: Cellumation GmbH

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok