Nachgefragt bei Ralf Schweitzer, GSD

Mangelnde Kenntnis

Interview mit Ralf Schweitzer, Geschäftsführer der GSD Remarketing GmbH & Co. KG

Ralf Schweitzer, GSD

„Wir gehen davon aus, dass aktuell nur ca. 20 Prozent aller Geräte aus dem KMU-Bereich in ein professionelles Remarketing gehen“, so Ralf Schweitzer, Geschäftsführer der GSD Remarketing GmbH & Co. KG.

ITM: Herr Schweitzer, welche IT-Finanzierungsmodelle sind im Mittelstand derzeit besonders gefragt?
Ralf Schweitzer:
Hierzu kann ich leider keine Aussage treffen, da wir erst mit der Verwertung der Geräte involviert sind. Wir haben aber die Erfahrung aus dem Rückkauf, dass im Mittelstand immer noch sehr viel gekauft wird.

ITM: Inwiefern ist das Thema „Remarketing“ für Mittelstandsunternehmen interessant?
Schweitzer:
Hier gibt es zwei Ansatzpunkte: zum einen der Rückkauf vorhandener ITK-Produkte als auch der Kauf gebrauchter Systeme als Alternative zu Neuware. Durch den rechtzeitigen Verkauf von Produkten haben die Unternehmen die Möglichkeit, noch bis zu 30 Prozent des Anschaffungswertes zu erhalten und somit auch technologisch auf dem neuestens Stand und somit wettbewerbsfähig zu bleiben.

Bei dem Kauf von Gebrauchtgeräten lassen sich bis zu 80 Prozent des Anschaffungspreises sparen. Interessant ist das vor allem für KMUs, die nicht zwingend eine homogene IT-Landschaft benötigen als auch z.B. für Testsysteme, Arbeitsplätze für Auszubildende oder Geräte,
deren Leistungsanforderungen sehr gering sind, z.B. in Produktionsumgebungen.

ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der kleinen und mittelständischen Unternehmen an der Nutzung von gebrauchter, aber wiederaufbereiteter Hardware – und was sind die Hintergründe?
Schweitzer:
Das Interesse und vor allem die Bereitschaft, gebrauchte Systeme einzusetzen, nimmt stetig zu. Hierfür gibt es sicherlich viele Hintergründe: Zum einen war es in der Vergangenheit so, dass jedes neue Betriebssystem auch neue Hardware benötigt hat. Dies ist heute nicht mehr so. Selbst fünf Jahre alte Geräte laufen mit aktuellen Betriebssystemen. Zum anderen wächst auch der Gedanke der „Green IT“ und Ressourcenschonung – durch die Verlängerung des Lebenszyklus werden große Mengen an Wasser, Rohstoffen und CO2 eingespart, die für die Produktion eines Neusystems anfallen. Vielen Unternehmen war auch bisher nicht bekannt, dass es einen Markt für Gebrauchtsysteme in der ITK-Branche gibt.

Desweiteren hat auch Microsoft diesen Markt erkannt und bereits 2009 ein eigenes Programm dafür aufgelegt. GSD ist als Authorized Refurbisher in der Lage, gebrauchte Geräte mit einem aktuellen Betriebssystem wie Windows 7 neu auszustatten – und das zu attraktiveren Preisen als im Neubereich.

ITM: Ist eine höhere Leasing- oder Verkaufsquote von wiederaufbereiteter IT-Hardware zu verzeichnen? Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Schweitzer:
Hier kann ich nur für uns sprechen: Unsere Geräte werden ausschließlich verkauft und nicht mehr finanziert. Dies liegt aber sicherlich auch an den günstigen Preisen.

ITM: Welche Vorteile haben Mittelständler, wenn Sie gebrauchte Hardware kaufen? Was sind wiederum die Nachteile?
Schweitzer:

Vorteile:

  • Günstige Preise
  • Bis zu drei Jahren Garantie
  • Perfekt aufgearbeitete Systeme, die sich kaum von einem Neusystem unterscheiden
  • Original Microsoft-Betriebssysteme

Nachteile:

  • Im Regelfall keine oder nur noch sehr kurze Herstellergarantie (vor allem, wenn der Kunde auf einen Vor-Ort Service besteht)
  • Begrenzte Mengenverfügbarkeit; wir können natürlich nur das liefern, was wir auch lagernd haben

ITM: Kaufen Unternehmen überhaupt noch neue Hardware selbst ein, um sie dann bis zum „End of Life“ zu nutzen, oder leasen bzw. mieten sie neue Geräte von vorneherein?
Schweitzer:
Wie bereits beschrieben, haben wir die Erfahrung gemacht, dass im Mittelstand noch viel gekauft wird.

ITM: Inwiefern nutzen Mittelstandsunternehmen die Option, ihre alte Hardware (Computer, Server, Notebooks, Tablets etc.), die sie einst selbst angeschafft haben, an IT-Remarketing-Firmen zu verkaufen, um daraus Gewinne zu erzielen?
Schweitzer:
Leider gibt es keine offiziellen Zahlen, aber wir gehen davon aus, dass aktuell nur ca. 20 Prozent aller Geräte aus dem KMU-Bereich in ein professionelles Remarketing gehen. Dies kommt vermutlich hauptsächlich durch die bereits beschriebene, mangelnde Kenntnis dieser Möglichkeit.

ITM: Welche Gründe könnten sie von jener Option abhalten?
Schweitzer:
Mangelnde Kenntnis dieser Möglichkeit als auch die Angst, was mit den Daten auf den jeweiligen Geräten passiert. Professionelle Remarketing-Unternehmen bieten alle die Möglichkeit der zertifizierten Datenlöschung.

ITM: Wie lässt sich denn generell ein bestmöglicher Gewinn mit alten Geräten erzielen?
Schweitzer:
Die Geräte sollten nach ca. drei Jahren getauscht werden. Ab einem Alter von vier bis fünf Jahren sinkt der Restwert dramatisch in den Keller.

ITM: Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung des IT-Remarketing-Bereichs ein?
Schweitzer:
Der Markt nimmt seit Jahren stetig zu und wird sich auch weiter in diese Richtung entwickeln. Speziell auch im Consumer-Bereich wächst die Bereitschaft, Gebrauchtgeräte zu kaufen – sicherlich auch mit dem Hintergrund der verstärkten Nutzung von IT innerhalb von Familien mit Kindern und den dadurch verbundenen Anschaffungskosten.

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