Heni Hazbay ist verantwortlich für Wachstumsmarketing, Werbeinnovation, Personalisierung, datengestützte User Journeys und Benutzeraktivierung.
Eine geläufige Binsenweisheit lautet: In der Krise schrumpfen die Marketing-Budgets zuerst. Das sah man auch während der Corona-Pandemie, als die Marketingerlöse sämtlicher Mediengattungen sanken – und Werbefläche zum Ladenhüter wurde. Mit Blick auf die Rezessionsprognosen des Ifo-Instituts kann man also erwarten, dass der Marketing-Gürtel schon bald wieder enger geschnallt wird.
Doch insbesondere in wirtschaftlich schwierigen und in umsatzschwachen Zeiten müssten Unternehmen eigentlich antizyklisch gegen den Trend in Werbemaßnahmen investieren. Schließlich kämpft auch ihre – bestehende wie potenzielle – Kundschaft mit der wirtschaftlichen Lage. Auch sie schaut auf ihre Kostenposten und stellt sich die Fragen: Brauche ich dieses Produkt überhaupt? Kann ich eventuell günstigeren Ersatz finden?
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Antizyklisches Marketing ist somit Customer-Retention-Tool und Ausgleichsmechanismus für wegbrechende Kunden gleichermaßen. Nicht umsonst sagen in unserem Report „The State of Sales and Marketing“ immerhin 78 Prozent aller Unternehmen, die ihre Investitionen in Marketing im Krisenjahr 2021 gesteigert oder zumindest beibehalten haben, aus, dass diese Ausgaben ihren Umsatz angekurbelt haben. Klar: Marketing in Deutschland ist, selbst im internationalen Vergleich, teuer. Einschnitte im Werbebudget sind damit eine beliebte Sparmaßnahme. Doch die viel beschworene Digitalisierung hat auch im Marketing Türen aufgetreten, hinter denen sich günstige Marketing-Kanäle verstecken, mit denen sich in Krisenzeiten das Sales-Volumen hochhalten lässt, z.B.:
Social-Media-Kanäle: Laut der IHK nutzt sie nur knapp jedes zweite Unternehmen. Dabei sind soziale Medien gerade für kleinere Firmen mit geringeren Werbebudgets günstige Alternativen zu anderen, überregionalen Werbeträgern. Um 1.000 Menschen zu erreichen, ist der Preis in sozialen Netzwerken, im Vergleich zu anderen Marketing-Kanälen, laut einer Analyse des Marketing-Unternehmens Lyfe um ein Vielfaches geringer. Zudem können Unternehmen in sozialen Medien ihre Zielgruppen sehr granular bestimmen und diese ansprechen. So gibt es beinahe keine Streuverluste in der Ansprache. Abschließend: Social-Media-Marketing ist kein reines B2C-Tool mehr. Gerade Netzwerke wie Linkedin gehören heutzutage zu den wichtigsten B2B-Verkaufskanälen.
Mikro-Influencer: Der Begriff „Influencer“ löst bei vielen ein reflexhaftes Augenrollen aus. Dabei sind Mikro-Influencer – diese haben in der Regel zwischen 10.000 und 100.000 Follower – in der B2B-Welt oft anerkannte Experten in ihrer Nische, etwa CEOs oder Forscher, und genießen hohe Glaubwürdigkeit. Zudem profitieren Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit Mikro-Influencern von einer hohen Engagement-Rate mit den Followern; diese Rate ist demnach um das zwei- bis dreifache höher als bei Makro-Influencern, schrieb Eran Nizri, Gründer und CEO von Leaders, Anfang März 2022 in Forbes. Auch preislich ist die Zusammenarbeit mit Mikro-Influencern für kleine Unternehmen deutlich einfacher darstellbar.
Doch ob nun Mikro-Influencer, Social-Media-Kanäle oder doch der klassischen Zeitungsannonce – Unternehmer müssen verstehen: Marketing-Ausgaben sind keine Mühlsteine, die eine Firma in Krisenzeiten nach unten ziehen. Marketing-Investitionen gegen den Trend sind vielmehr ein Sicherheitsnetz gegen krisenbedingte Umsatzeinbrüche.
Bildquelle: Pipedrive