Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier präsentiert die Eckpunkte der Mittelstandsstrategie.
Während Altmaier von einem Ausrufezeichen spricht, steht für den Mittelstand hinter dem Konzept zunächst ein großes Fragezeichen. Fraglich ist, ob es tragfähige Lösungen anbietet, die die Wettbewerbsfähigkeit tatsächlich stärken und ob den Ankündigungen auch Taten folgen werden. Das hängt davon ab, ob Altmaier dafür die Zustimmung und Mittel von seinen Kabinettskollegen erhält.
Allein die geplanten infrastrukturellen Maßnahmen zur Entwicklung neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen auf Basis von Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI), Blockchain und Biotech sind diskutabel. Führen enorme Investitionen tatsächlich dazu, dass der industrielle Mittelstand seine Innovatorenquote von aktuell 23 Prozent auf 40 Prozent bis im Jahr 2025 steigern kann? Innovationsexperten bezweifeln das.
Wie eine Studie zur Innovationskraft von 3.500 Mittelständlern ergab, reicht es nicht, sich darauf zu beschränken, neue Produkte zu erfinden oder die Forschungs- und Entwicklungsausgaben zu steigern. Wer innovativ sein will, muss auch bei den Prozessen, im Vertrieb oder Marketing ansetzen. Erfolgreich seien Unternehmen mit neuen Geschäftsmodellen und Plattformen.
Vielleicht stößt Altmaier bei seiner jetzigen Werbetour auch deshalb im Mittelstand auf verwunderte Gesichter, weil ihnen unterschwellig eine im Vergleich zu Großkonzernen geringere Aktivität bei Forschung und Entwicklung unterstellt wird. Übersehen wird dabei, dass Neuerungen bei mittelständischen Unternehmen oft gerade durch den engen Austausch mit Kunden und deren Bedürfnisse entstehen – also ganz ohne Forschung.
Angekündigte Investitionen der Bundesregierung im Rahmen der „Strategie Künstliche Intelligenz“ in Höhe von drei Milliarden Euro könnten zwar helfen, die Forschung zu fördern und Unternehmensgründungen auf dem Gebiet zu erleichtern. Ob Start-ups aber den Fachkräftemangel kompensieren können, der vom Mittelstand als Finanzierungshemmnis bei Investitionen gesehen wird, ist mehr als fraglich.
Bildquelle: BMWI/Susanne Eriksson