Boost durch Corona

„Mit der digitalen Brille“

Im Interview wirft Willi Ruopp, CEO und Co-Founder von CNC24, einen Blick auf die Digitalstrategie der Mittelständler und erläutert die größten Stolpersteine.

Willi Roupp

Willi Ruopp erlangte 2016 sein Doppeldiplom an der Ecole Supérieure de Commerce de Paris und der Technischen Universität Berlin.

ITM: Herr Ruopp, Digitale Transformation und Industrie 4.0 sind in aller Munde – aber wo steht die deutsche mittelständische Industrie aktuell wirklich in Sachen „Digitalisierung“?
Ruopp:
Es gibt generell ein sehr gemischtes Bild. Wir sehen in unserer Kundschaft Unternehmen, die sehr weit in ihren Digitalisierungsbestrebungen sind. Zugleich sehen wir auch viele Unternehmen, die eine sehr veraltete und starre IT-Infrastruktur nutzen. Corona hat hier sicherlich einen Boost gebracht, der zumindest Dinge wie Videotelefonie etabliert.

ITM: Warum sind häufig selbst einfachste Verwaltungsprozesse noch nicht flächendeckend digitalisiert? Woran hapert es?
Ruopp:
Viele Mittelständler haben historisch gewachsene IT-Systeme, die wenig Flexibilität bieten. Man kann in diesen Systemen teilweise nicht einfach einzelne Prozesse herauslösen. Immer wieder beobachten wir, dass die Einführung neuer Systeme und Prozesse zu endlosen Mammutprojekten mutieren, weil zu viel auf einmal gewollt wird. Die deutschen KMU sind häufig Innovationschampions, wenn es um die Verbesserung ihrer Produkte geht. Innovation und kontinuierliche Optimierung der digitalen Systeme müssen aber genauso gelernt und gelebt werden wie die Produktinnovation.

ITM: Welche Punkte dürfen bei einer Digitalstrategie für Mittelständler aus Beratersicht nicht fehlen?
Ruopp:
Grundsätzlich kann eine Digitalstrategie in die folgenden Bereiche eingeteilt werden – dabei handelt es sich nur um einige der Schlüsselelemente, die bei der Entwicklung einer wirksamen Digitalstrategie für Mittelständler aus Sicht eines Beraters berücksichtigt werden sollten.

Klarheit über die Unternehmensziele: Bevor eine Digitalstrategie entwickelt werden kann, müssen die Ziele des Unternehmens klar definiert werden. Die Digitalstrategie sollte darauf ausgerichtet sein, diese Ziele zu erreichen.

Kundenzentrierung: Eine gute Digitalstrategie sollte sich auf die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren und darauf abzielen, ihnen ein besseres Kundenerlebnis zu bieten.

Analyse des Wettbewerbs: Es ist wichtig, den Wettbewerb im Auge zu behalten und zu verstehen, welche digitalen Strategien die Konkurrenz bereits verfolgt.

Technologie-Stack: Eine effektive Digitalstrategie erfordert eine solide technologische Basis. Es ist wichtig, die richtigen Technologien und Tools auszuwählen, die für das Unternehmen am besten geeignet sind.

Digitale Marketing-Strategie: Eine wirksame Digitalstrategie sollte auch eine klare digitale Marketing-Strategie umfassen, die auf die Zielgruppe ausgerichtet ist.

Digitale Transformation: Eine Digitalstrategie sollte ebenso darauf ausgerichtet sein, das Unternehmen digital zu transformieren, um es besser für die Zukunft aufzustellen.

Mitarbeiterentwicklung: Ein wichtiger Aspekt der Digitalstrategie ist es, sicherzustellen, dass die Mitarbeiter des Unternehmens über die notwendigen digitalen Fähigkeiten verfügen, um die Strategie erfolgreich umzusetzen.

Messung und Analyse: Es ist wichtig, die Ergebnisse der Digitalstrategie zu messen und zu analysieren, um sicherzustellen, dass sie erfolgreich ist und um Anpassungen vorzunehmen, falls erforderlich.

Kontinuierliche Optimierung: Eine Digitalstrategie sollte kontinuierlich optimiert werden, um sicherzustellen, dass sie immer auf dem neuesten Stand ist und den Bedürfnissen des Unternehmens entspricht.

ITM: Wie viel Zeit bzw. Ressourcen nimmt ein Digitalisierungsprojekt in der Regel in Anspruch?
Ruopp:
Das lässt sich pauschal immer schwer beantworten, da Anforderungen und Gegebenheiten sehr individuell sind. Das kann von einigen Tagen bis hin zu Jahren dauern. Wir als Start-up sind von Grund auf Digital First, daher denken wir alle Projekte immer mit der digitalen Brille und können Neuerungen schnell implementieren.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Was sind dabei die größten Stolpersteine?
Ruopp:
Dabei gibt es zwei größere Bereiche, die man beachten sollte: Zum einen müssen die Mitarbeiter im Rahmen von Digitalisierungsprojekten richtig abgeholt und eingebunden werden. Langjährig etablierte Prozesse zu verändern, birgt immer ein Konfliktpotenzial, da es einfacher ist, an bestehenden Strukturen festzuhalten. Um eine Digitalisierungsstrategie erfolgreich umzusetzen, müssen jedoch neue Prozesse eingeführt und die Mitarbeiter von Anfang an mit einbezogen werden. Nur, wenn Mitarbeiter involviert werden, ist eine erfolgreiche Implementierung möglich. Zum anderen müssen Anforderungen, Zielsetzung sowie Herangehensweise klar definiert und gelebt werden. Gerade bei größeren Projekten empfiehlt es sich, iterativ vorzugehen und dem Ziel Schritt für Schritt näherzukommen. So kann man im Laufe der Implementierung stets nachjustieren und auch die Mitarbeiter stückchenweise heranführen.

Bildquelle: CNC24

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