„Die Wertschätzungskultur muss von der Führungsebene bis zu allen Teams konsequent durch dekliniert und dann auch im Alltag gelebt werden“, meint Janet Zschieschang.
ITM: Frau Zschieschang, inwieweit bemühen sich deutsche Mittelständler in Krisenzeiten um ihre Mitarbeiterbindung?
Janet Zschieschang: Die Mittelständler, mit denen wir reden, haben das Thema auf der Agenda, wissen aber oft nicht, wie sie Mitarbeiterbindung strukturiert aufgleisen können. Da fehlt es vor allem an Instrumenten: Es gibt eine Menge Anbieter von Benefits, also Gutscheinen oder Schnittstellen in die Lohnbuchhaltung. Aber es gibt kein Tool, um die Aufgabe pragmatisch in den Unternehmensalltag einbauen zu können. Dass sich alle bemühen müssen, steht außer Frage, denn der Fachkräftemangel ist eklatant, und wer sich nicht um seine Mitarbeiter kümmert, wird sie an einen Wettbewerber verlieren. Mitarbeiterbindung ist eine der wichtigsten strategischen Aufgaben eines Unternehmens.
ITM: Welchen Stellenwert besitzt hierbei das Thema „Wertschätzung“?
Zschieschang: Wertschätzung hat einen sehr hohen Stellenwert. Mit dem Aufbau einer Wertschätzungskultur fördern Unternehmen die Mitarbeiterzufriedenheit und die Bindung an sich als Arbeitgeber. Denn erlebte Anerkennung mobilisiert Energien: Wer gelobt wird, fühlt sich wahrgenommen und motiviert. Natürlich verhindert auch das nicht grundsätzlich die Wechselbereitschaft, denn auch die Bezahlung, die Aufgabe an sich und die Arbeitslast spielen eine Rolle dabei, ob sich Mitarbeiter wohlfühlen und dauerhaft bleiben. Zur Wertschätzung gehört also ganz unbedingt ein anhaltender Dialog auf Augenhöhe; nur so lässt sich herausfinden, was Arbeitnehmer umtreibt und ob sie das Unternehmen möglicherweise verlassen möchten.
ITM: Warum ist echte Wertschätzung mehr als nur ein Händedruck?
Zschieschang: Es geht um echtes Interesse. Schulterklopfen und ein Händedruck sind ein Anfang. Aber Unternehmenslenker müssen begreifen, dass Kollegen und Mitarbeiter wesentlich zum Unternehmenserfolg beitragen: Sind sie weg, können Aufträge nicht angenommen und schon gar nicht umgesetzt werden. Wer für seinen Einsatz Wertschätzung erfährt – strukturiert und transparent und eingebunden in die Unternehmensstrategie zur Bindung von Mitarbeitern –, erhält einen emotionalen Motivationsschub. Dabei sind Lob und Anerkennung aber nicht nur Aufgabe von Führungskräften. Jeder einzelne Kollege prägt täglich den Teamgeist.
ITM: Inwieweit können mobile bzw. digitale Tools und Lösungen Unternehmen dabei unterstützen, ihren Mitarbeitern Lob und Anerkennung entgegenzubringen?
Zschieschang: Tools können auf jeden Fall einen Beitrag leisten, dazu muss die Kultur der Wertschätzung allerdings als festes Ziel in der Unternehmensstrategie verankert und strukturiert in den Arbeitsalltag integriert sein. Die Wertschätzungskultur muss dazu von der Führungsebene bis zu allen Teams konsequent durchdekliniert und dann auch im Alltag gelebt werden. Auch Führungskräfte sollen aktiv eingebunden und in Sachen „Wertschätzungskultur“ geschult sein. Und dann sind digitale Lösungen eine gute Ergänzung.
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ITM: Was verbirgt sich an dieser Stelle hinter Heartpoints?
Zschieschang: Heartpoints ist ein smartes System mit drei Modulen, das Wertschätzung und Teamspirit fördert. Es ist ohne große Vorlaufzeit einsetzbar und kombiniert steuerbegünstigte Benefits und Belohnungen. Das Ganze läuft über eine App. Mit ihr lassen sich die Heartpoints vergeben und mit einer Nachricht versehen. Wenn der Vorgesetzte dieses Dankeschön freigibt, werden die Punkte gutgeschrieben. In einem Prämienshop können Mitarbeiter dann ihre Punkte eintauschen. Sie können zudem mit dem monatlichen steuerfreien Sachbezug kombiniert werden.
ITM: Inwieweit kann ein solches Tool ein Wettbewerbsvorteil im Mittelstand sein?
Zschieschang: Der emotionale Rahmen innerhalb des Unternehmens ist heute genauso wichtig wie eine leistungsgerechte Entlohnung. Es geht hier also nicht um einen „Kuschelfaktor“, sondern um eine strategische Aufgabe für das Management. Digitale Lösungen sorgen für einen strukturierten Aufbau einer Wertschätzungskultur durch Vorgesetzte und gegenseitige Anerkennung im Team. Das erhöht die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber. Denn das Gewinnen neuer Mitarbeiter ist schwierig und kostspielig geworden. Umso wichtiger ist es, dass bestehende Teams an Bord bleiben. Es geht beim Einsatz solcher Tools darum, die Motivation zu fördern und die Bindung an den Arbeitgeber zu stärken.
Bildquelle: Buben und Mädchen GmbH