Noch vor wenigen Jahren bedeutete Compliance ausschließlich die regulatorische Umsetzung gesetzlicher Vorgaben in entsprechende unternehmensinterne Richtlinien. „Die Unternehmen haben erkannt, dass das heute nicht mehr reicht. Ein effektives Compliance-Management-System beruht auf einer Balance zwischen kontroll- und wertorientierten Maßnahmen, aus detektiven und präventiven Strategien“, erklärt KPMG-Partner Christoph Schenk.
Der größte Handlungsbedarf, so zeigt es die aktuelle Studie, besteht in der Entwicklung von unternehmenskulturellen und kommunikativen Maßnahmen. Viele der befragten Unternehmen unterschätzen offenbar die Bedeutung von solchen so genannten Soft Controls, die aber erst eine Akzeptanz der neu eingeführten Normen ermöglichen. KPMG-Partner Schenk: „Notwendig ist ein Compliance Change Management, das Mitarbeitern und externen Dritten vermittelt wird, so dass die Verhaltensrichtlinien verstanden, akzeptiert und schließlich gelebt werden.“
Die Studie zeigt zudem eine häufig fehlende Einbindung und Überwachung der Tochtergesellschaften in das zentrale Compliance-Management-System. Das betrifft knapp ein Drittel der börsennotierten und über 40 Prozent der mittelständischen Unternehmen. „Diese Einbindung setzt aber eine wirksame unternehmensweite Umsetzung von Compliance-Vorgaben voraus. Auch global aufgestellte mittelständische Unternehmen müssen strukturierte Risikoidentifizierungsprozesse einführen, die etwa den UK Bribery Act oder den US-amerikanischen FCPA einbeziehen“, erläutert Christoph Schenk.
Compliance-Regeln auch für Geschäftspartner
Ein positiver Trend ist es, dass die Unternehmen zunehmend auch von ihren Geschäftspartnern verlangen, dass sie sich an Compliance-Regeln halten. Fast 60 Prozent der börsennotierten und über 40 Prozent der mittelständischen Unternehmen bauen inzwischen in Verträge mit Geschäftspartnern Compliance-Klauseln ein.
Ein wirksames Compliance-Management-System, in Anlehnung an die Anforderungen des IDW PS 980, ist als ein fortwährender Regelkreis zu verstehen, der ein systematisches Ineinandergreifen der Risikoexposition eines Unternehmens, einer entsprechenden Programmentwicklung sowie einer darauf aufbauenden Überwachung dieses Systems darstellt. Solche Prozesse sollen eine Kategorisierung und Bewertung bestehender Risiken und den Aufbau geeigneter Risiko minimierender Maßnahmen erleichtern.
Die Studie empfiehlt fünf Maßnahmen zur Compliance-Strategie:
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