Der deutsche Mittelstand hat das Thema „Mobile“ längst für sich entdeckt. Belehrungen über die Digitalisierung im Generellen und deren mobile Aspekte im Speziellen sind also fehl am Platz. Der Mittelstand ist aktiv – auch mobil. Häufig ist es allerdings noch so, dass nur einzelne Teilbereiche im Unternehmen, manchmal sogar nur ganz spezifische Anwendungsfälle, durch mobile Lösungen optimiert werden.
„Nur in den seltensten Fällen machen sich mittelständische Unternehmen bewusst, dass mobile Lösungen tatsächlich perspektivisch einen Einfluss auf ganze Unternehmensbereiche und grundsätzliche Arbeitsabläufe haben können und werden“, berichtet Tim Wiengarten, Geschäftsführer von Rabbit Mobile, über seine Erfahrungen. Er mahnt: Falls der deutsche Mittelstand zukunftsfähig bleiben will, müsse die Sicht auf mobile Lösungen weg von der Definition „Wir bauen uns eine App“ hin zu einer strategiebegleitenden und -unterstützenden Gesamtidee.
Jedoch, die digitale Transformation muss nicht immer gleich das große Ganze sein. „Der Transformationsprozess kann durch eine App Schritt für Schritt angegangen werden und wird damit auch nicht zur undenkbaren Herkulesaufgabe“, sagt Jörg Rensmann. Die schrittweise Integration einer App in ausgewählte Unternehmensbereiche stelle ein optimales Einfallstor für die digitale Transformation im gesamten Unternehmen dar. Er verweist beispielhaft auf die Realsierung einer Vertriebs-App für den Anwender Kaffee Partner durch sein Unternehmen Infomantis.
Neben den naheliegenden Möglichkeiten, dem per se „mobilen“ Vertrieb weitere smarte Lösungen an die Hand zu geben, geht es künftig für viele klassische Mittelständler auch um den Einsatz mobiler Lösungen in den Herzkammern ihrer Unternehmen: in Maschinenparks und Industrieanlagen. Im Rahmen von hochtrabenden Industrie-4.0-Szenarien entstehen zumindest gedanklich bereits komplett vernetze Fabriken, in denen Maschinen untereinander und mit dem Internet vernetzt sind und sich automatisiert selbstständig organisieren.
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ein Weg, auf dem vor allem mobile Endgeräte und ihre immer umfangreicheren Funktionen die entscheidenden Anregungen geben. Die Einsatzmöglichkeiten mobiler Endgeräte sind dank ihrer immer besseren Sensorik und zusätzlicher Komponenten enorm:
Zur unternehmenstauglichen Absicherung mobiler Lösungen braucht es aber weit mehr als nur den Fingerabdrucksensor. Denn die mobile Anbindung und die Möglichkeiten zur mobilen Steuerung oder Überwachung von Industrieanlagen öffnen im schlechtesten Fall auch Tür und Tor für Hacker und Spione. Und ja: Der deutsche Mitttelstand ist längst im Visier.
Mobile Steuerungen werden angreifbar, wenn sie über eine direkte Internet-Anbindung verfügen. Für viele Anwendungsfälle sollte zuerst die Frage beantwortet werden, ob eine mobile Steuerung über das Internet notwendig ist – oder nur der Bequemlichkeit dient. Jan Füllemann erinnert daran, dass zur Steuerung Tablets oder dezidierte Handgeräte ohne Mobilfunkmöglichkeiten genutzt werden können, die im firmeninternen WLAN oder auf eigenen Funkstrecken unterwegs sind.
Firmeninterne Netzwerke sollten darüber hinaus über eine 2-Faktor-Authentifizierung abgesichert werden, rät er. Dazu wird z.B. neben einem notwendigen Passwort ein zusätzliches physikalisches Medium, ein sogenanntes Token, mit geheimen Informationen an die eigenen Mitarbeiter oder auch nur den Maschinenbediener vergeben. Eine Verbindung zum lokalen Netzwerk ist dann nur möglich, wenn beide geheimen Informationen zusammen für den Zugang genutzt werden.
Generell gehört ein Mobile Device Management (MDM) zum Pflichtprogramm, insbesondere dann, wenn Mitarbeiter im Rahmen eines BYOD-Szenarios eigene Mobilgeräte ins Unternehmen einbinden dürfen. Das Gerätemanagement kann über zentrale Management-Server erfolgen, aber auch der „Container“-Ansatz, also das Abkapseln und Trennen von beruflich und privaten Bereichen bzw. Anwendungen auf dem Smartphone ist mittlerweile ausgereift.
Als Totschlagargument gegen mobile Prozesse darf das komplexe Thema mobile Sicherheit aber nicht gelten. Hundertprozentig verhindern lassen sich Angriffe durch Hacker oder Spione nie. „Das ist in der digitalen Welt nicht anders als in der physischen Welt“, so Tim Wiengarten. „Wer vorhat, kriminell irgendwo einzudringen, findet oft einen Weg. Allerdings kann man es potentiellen Eindringlingen schwerer machen. Und wenn man davon ausgeht, dass auch Kriminelle nach dem Aufwand-Nutzen-Prinzip arbeiten, kann man den Aufwand für ein illegales Eindringen in Sicherungssysteme so hoch setzen, dass sich der Angriff nicht mehr lohnt.“
Eines der größten Sicherheitsrisiken ist immer der Mensch: Nachlässigkeiten wie das Nichtbeachten von Sicherheitsstandards, z.B. achtloses Kopieren von Daten auf USB-Sticks, sind allzu oft die Schwachpunkte, die einen Angriff erst möglich machen. Tim Wiengarten betont: „Klare Richtlinien und deren gewissenhafte Befolgung sind also auf jeden Fall ein guter Anfang. Die dickste Panzertür bringt nichts, wenn der Letzte vergisst, sie abzuschließen.“
Entscheidend ist es, diese Sicherheitsmechanismen bereits in der Architektur von Systemen und Software explizit zu berücksichtigen, mahnt Klaus Wiltschi: „Am Ende der Entwicklung das System ‚noch schnell‘ abzusichern, das funktioniert nicht.“
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