Interview: Peter Meyer u. Michael van Dülmen

Modulares Rechenzentrum für Biogroßhändler Weiling

Für eine solide IT-Infrastruktur sowie eine hochverfügbare Anwendungslandschaft sorgt bei der auf den Handel mit Bioprodukten spezialisierten Weiling GmbH seit kurzem ein neues standardisiertes Rechenzentrum.

  • Dr. Peter Meyer (li.), Geschäftsführer der Weiling GmbH, und Michael van Dülmen, Leiter IT, berichten im Interview u.a., warum der mittelständische Biogroßhändler auf ein modulares Rechenzentrum vertraut.

  • Die Lagerfläche in Coesfeld beträgt rund 14.000 Quadratmeter und soll in naher Zukunft noch weiter ausgebaut werden.

  • „Aktuell haben wir über 600 Käsesorten verschiedener Anbieter im Sortiment. Alle wurden von uns nicht nur eigenständig ausgesucht, sondern sind uns auch hinsichtlich ihrer Herkunft bekannt“, erklärt Peter Meyer (li.), Geschäftsführer bei Weiling.

  • Bei der Kommissionierung im Lager nutzen die Mitarbeiter Pick-by-Voice-Technologien, womit sie alle relevanten Infos per Headset erhalten.

Folgendes Negativbeispiel der konventionellen Nahrungsmittelindustrie ist wohl jedem geläufig: Der Erdbeerjoghurt, in dem sich keine einzige Erdbeere befindet. Dass man jedoch auch mit weitestgehend naturbelassenen Produkten erfolgreich sein kann, beweist der Biogroßhändler Weiling aus Coesfeld im Münsterland. Bereits seit 1975 hat man sich dem Handel mit ausschließlich biologisch erzeugten Lebensmitteln verschrieben und dies mit zunehmendem Erfolg, wie Geschäftsführer Dr. Peter Meyer erklärt: „Während wir im Jahr 2001 einen Umsatz von rund 32 Millionen Euro Umsatz erwirtschafteten, waren es im vergangenen Jahr bereits 160 Millionen – mit steigender Tendenz.“

Dieses Wachstum kommt nicht von ungefähr. Die Basis dafür bilden neben straffen internen Prozessen auch stabile IT-Infrastrukturen. Denn „die Gewährleistung von Performance und Verfügbarkeit unserer IT ist in unserem Tagesgeschäft ein Muss“, betont Michael van Dülmen, IT-Verantwortlicher des mittelständischen Unternehmens. Nicht zuletzt aus diesem Grund entschloss man sich kürzlich dazu, die in die Jahre gekommenen Serverräume gegen eine modulare Lösung des IT-Spezialisten Rittal auszutauschen.

ITM: Herr Meyer, mit wie vielen Lieferanten arbeiten Sie zusammen?
Peter Meyer:
Wir arbeiten mit ca. 685 Lieferanten zusammen, wenn möglich aus der Region, aber auch aus der ganzen Welt. Dies hängt vom jeweiligen Produkt sowie vom saisonalen Zeitpunkt ab. Diese Produkte vertreiben wir im deutschen unternehmergeführten Biofachhandel. Wir selbst betreiben weder eigene Ladenlokale noch ein Franchisesystem. Die einzige Ausnahme stellt unser eigener Bioladen* an unserem Standort in Coesfeld dar.

ITM: Was steckt hinter Bioprodukten?
Meyer:
Grundsätzlich werden solche über die sogenannte EG-Bio-Verordnung definiert. Das ist der Mindeststandard, den jedes von uns gehandelt Produkt erfüllen muss. Wir präferieren und fördern jedoch höherwertige Zertifizierung der führenden Anbauverbände Demeter, Bioland und Naturland. Dahinter verbirgt sich eine Wirtschaftsweise, die auf einer landwirtschaftlich geschlossenen Kreislaufwirtschaft basiert, die ohne synthetische Pestizide sowie chemisch-synthetischen Stickstoffdünger auskommt. Desweiteren werden alle Nutztiere nach Prinzipien des Tierwohls gehalten. Dabei sind die Richtlinien deutlich strenger als die der EU-Bio-Verordnung. So dürfen beispielsweise Bioland-Betriebe parallel keinen konventionellen Anbau betreiben, auch wenn beide Anbauarten voneinander getrennt sind.

ITM: Welche Produkte liefern Sie aus?
Meyer:
Unser Sortiment umfasst ungefähr 11.000 Artikel vom Obst und Gemüse über Molkereiprodukte, Fleisch, Trockenwaren, Kosmetik bis hin zu über 300 unterschiedlichen Weinen. Unsere rund 1.000 aktive Kunden beliefern bis zu sechsmal die Woche – bis mittags bestellt, in der Nacht im Laden. Neben dem Handel mit allen gängigen Bio-Markenprodukten sind wir auch mit unserer eigenen Produktemarke, der Marke Bioladen* erfolgreich.

Von unseren Kunden gehören rund 70 Prozent dem klassischen Bio-Einzelhandel an, d.h. Bioläden, Biosupermärkte sowie Biohofläden. Außerdem beliefern wir rund 150 regionale Biolieferdienste, die Endverbrauchern Frischekisten mit Obst und Gemüse nach Hause liefern. Eine weiterer wichtiger Kundenstamm sind Biomarkstände. Wir beliefern nur Kunden, die ausschließlich mit biologischen Erzeugnissen handeln.
 
ITM: Inwieweit sehen Sie Onlinehandel als neuen Vertriebskanal für Ihr Unternehmen?
Meyer:
Der Handel mit Nahrungsmitteln gehört hierzulande zu den wenigen Warengruppen, die im E-Commerce noch nicht funktionieren. Allerdings gehen wir davon aus, dass das Feld für den Online-Lebensmittelhandel in Deutschland innerhalb der nächsten zwei Jahre verteilt wird. Erste Testläufe unternimmt momentan Amazon mit dem Lieferservice „Fresh“, wobei dem Sortiment auch erste Bioprodukte angehören.

Überdies ist Rewe in diesem Bereich sehr umtriebig und stellt derzeit 200 IT-Fachleute ein, um sich im Bereich E-Commerce neu aufzustellen. Nicht zuletzt forciert DHL den Handel mit einem eigenen Logistikkonzept für elf Ballungsgebiete mit etwa 25 Millionen Einwohnern. Dabei wird sogar ein Premiumservice geboten, in dessen Rahmen die Kunden tagsüber online bestellen können und noch am selben Abend die (Frisch-)Waren erhalten.

ITM: Lohnen sich solche Geschäftsmodelle überhaupt?
Meyer:
Ich bin mir nicht sicher, denn konventionelle Lebensmittel sind hierzulande extrem billig, weshalb man damit im Onlinehandel nur geringe Margen erzielen kann. Will man auf diese Weise eine „Letzte Meile“-Logistik finanzieren, muss entweder der Warenkorb der Kunden stets prall gefüllt sein oder man muss höhere Preise bzw. eine Logistikpauschale für die Anlieferung erheben. Ob die Kunden bei letzterem mitgehen bleibt fraglich, vor allem auch da rein statistisch gesehen jeder Bundesbürger nach gut einem Kilometer den nächsten Supermarkt erreicht.

ITM: Herr van Dülmen, von welchen Standorten aus beliefern Sie Ihre Kunden?
Michael van Dülmen:
Neben unserem Hauptsitz in Coesfeld im Münsterland beliefern wir insbesondere den süddeutschen Raum sowie Sachsen und Thüringen von unserem zweiten Logistikstandort in Lonsee bei Ulm.

Dabei wird unsere gesamte IT zentral von Coesfeld aus gesteuert. Das heißt, wir beschäftigen in Lonsee weder IT-Personal noch halten wir eigene Serverinfrastrukturen vor. Dies war auch einer der Gründe, warum wir allein an unserem Hauptsitz ein neues Rechenzentrum aufgebaut haben. Denn dort halten wir sämtliche Anwendungen vor, die über VMware Horizon an die Niederlassung weitergeben werden. Die primäre Anbindung erfolgt über eine Etherconnect (2x 50 MBit/s) der Telekom.

ITM: Von welchen Applikationen sprechen Sie?
van Dülmen:
Die Nutzer in Lonsee erhalten über virtuelle Desktops u.a. einen Zugang zu unserem ERP-System Microsoft Dynamics NAV. Die dafür vorgehaltene zentrale Datenbank liegt ebenfalls im Coesfelder Rechenzentrum. Denn würden wir eine zweite Datenbank in Lonsee vorhalten, müssten wir die stetige Replikation beider Systeme gewährleisten.

ITM: Inwieweit mussten Sie das ERP-System auf Ihre Branchenausrichtung hin anpassen?
van Dülmen:
2002 haben wir Navision mit einer Branchenlösung für die Nahrungsmittelindustrie implementiert. Mit zwei eigenen Anwendungsentwicklern haben wir das bisherige ERP-System entsprechend unserer Anforderungen kontinuierlich angepasst. In Kürze wollen wir jedoch den Umstieg auf die neueste Version Navision 2013 mit unserem Softwarepartner SNC Sievers realisieren, mit dem klaren Ziel wieder deutlich näher an den Standard zu rücken und alle Prozesse auf den neuesten IT Stand zu bringen.

ITM: Welchen Anforderungen muss die ERP-Software genügen?
Meyer:
Wir benötigen stets den aktuellsten Status aller Waren: Wann treffen diese am Standort ein? Wann werden sie an die Kunden weitergleitet oder wann wandern sie auf einen Lagerplatz? Solche Informationen sind immens wichtig, etwa um Vorbestellungen planen und die Kommissionierung bestmöglich umsetzen zu können. Dabei spielt die enge Verzahnung mit der Logistik eine wichtige Rolle. Denn sollte ein Lkw mit Obst und Gemüse aufgrund von Verkehrsstörungen drei Stunden später als geplant bei uns eintreffen, müssen wir die komplette Planung neu aufsetzen.

ITM: Wie gestaltet sich der Ablauf in der Logistik üblicherweise?
van Dülmen:
In der Regel treffen die Warenlieferungen bei uns zwischen drei Uhr morgens und der Mittagszeit ein. Kommissionierstart ist gegen 11 Uhr zunächst mir Trockenwaren wie Nudeln, Konserven oder Getränke. Im Anschluss daran stehen dann die Warengruppen Frische und Obst und Gemüse an.

Vor diesem Hintergrund müssen wir mithilfe von Software eine schnelle, hochverfügbare und vor allem genaue Analyse aller Warenbewegungen garantieren können. Alle Bestellungen sowie Warenströme müssen exakt aufeinander abgestimmt sein, damit die Disposition effektiv arbeiten kann.

ITM: Wie ist es dabei um Retouren bestellt?
Meyer:
Da wir eine sehr gute Wareneingangskontrolle besitzen, liegt unsere Retourenquote inklusive Obst und Gemüse deutlich unter zwei Prozent. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Nachverfolgbarkeit aller Waren, insbesondere wenn Rückrufaktionen seitens der Lieferanten eintreten sollten. Hier müssen wir genau wissen, welcher Händler wann und was erhalten hat, was wiederum im ERP-System abgebildet wird.

ITM: Für die Kommissionierung im Lager nutzen Sie Pick by Voice. Warum haben Sie sich für diese Technologie entschieden?
van Dülmen:
Früher sind unsere Mitarbeiter mit Klemmbrett und Zetteln durch die Gänge des Kommissionslagers gelaufen. Mittels Pick by Voice nutzen sie heute allein ein Headset, über das sie die Information erhalten, für welchen Kunden sie welche Produkte vorbereiten müssen.

Meyer: Der Kommissionär wird per Sprachanweisung durch das Lager dirigiert und z.B. über die Gangebene, Regal- und Artikelnummer sowie Bestellmenge informiert. Dabei muss er seinen Standort per Prüfziffer bestätigen, damit wir sichergehen können, dass er sich an der richtigen Stelle befindet. Hat er die Ware schließlich kommissioniert, gibt es eine erneute Statusmeldung. Gewichte von nichtegalisierten Waren können per Sprache aufgenommen und direkt in die Rechnung übernommen werden. Anhand der ermittelten Status kann die Tourenplanung erkennen, was bereits geladen werden kann oder was noch fehlt und in der Auftragshierarchie noch priorisiert werden muss. Insgesamt verfügen wir allein in Coesfeld über eine Lagerfläche von rund 14.000 Quadratmetern.

ITM: Wie kommt das Verfahren bei den Nutzern an?
van Dülmen:
Sehr gut, da die Prozesse unkompliziert ablaufen und die Mitarbeiter ihre Hände frei bewegen können. Vor der ersten Pick-by-Voice-Nutzung müssen sie allerdings einmal ihr Sprachprofil anlegen. Danach können sie selbst die Computerstimme, die ihnen den virtuellen Kommissionsauftrag durchgibt, regulieren bezüglich Tonhöhe, Sprachgeschwindigkeit oder Lautstärke.

ITM: Wie viel Zeit konnten Sie mithilfe dieser Technologie sparen?
van Dülmen:
Pro Mitarbeiter und Arbeitstag konnten wir damit rund eine Stunde wettmachen. Zudem konnten Fehlerquellen deutlich reduziert werden, wodurch wir uns bezüglich der Pickzahlen mittlerweile bei einer Fehlerquote von unter einem Promille bewegen.

ITM: Ihr Augenmerk liegt nicht allein auf moderner Software, vielmehr haben Sie sich kürzlich auch für ein neues Rechenzentrum entschieden. Was gab den Ausschlag dafür?
Meyer:
Unsere bisherigen Serverräume wurden bereits Anfang 2000 auf unserem Firmengelände errichtet. Beide Räumlichkeiten besaßen jedoch nur eine unzureichende Kühlleistungsinfrastruktur, was immer wieder zu Schwierigkeiten in der IT geführt hat.

Im Zuge des erwähnten Umstiegs auf Desktopvirtualisierung und den damit verbundenen neuen Anforderungen war schnell klar, dass die alte Infrastruktur an ihre Grenzen stößt. Von daher wollten wir in ein ausfallsicheres und zukunftsfähiges, neues Rechenzentrum investieren.

ITM: Welche Auswahlkriterien legten Sie fest?
van Dülmen:
Wir benötigten einen RZ-Raum mit geringer Grundfläche, der gleichzeitig einen hohen physikalischen Schutz sowie eine ausfallsichere Stromversorgung bietet. Zudem wollten wir künftig mit einer energieeffizienten sowie außenluftunabhängigen Kühlung arbeiten. Fündig wurden wir bei Rimatrix S, einer modularen sowie standardisierten RZ-Lösung von Rittal.

Meyer: Da wir das Betriebsgelände in Coesfeld künftig erweitern wollen, suchten wir bewusst nach einer modularen RZ-Lösung. Der Sicherheitsraum ist fest installiert, der Kühlcontainer ist beweglich und kann mit dem Gebäude mitwachsen.

ITM: Apropos Klimatisierung: Warum wollten Sie Ihr Rechenzentrum nicht direkt mit Außenluft kühlen?
van Dülmen:
Wir setzen bewusst auf eine indirekte freie Kühlung, da unser Standort in der Nähe zahlreicher landwirtschaftlicher Nutzflächen liegt. Bauen die Landwirte dort Getreide wie Roggen oder Weizen an, wären die Außenfilter insbesondere zur Erntezeit stets mit Spreu behaftet. Deshalb müssten wir die Filter häufig austauschen, was nicht nur aufwendig, sondern auch recht teuer wäre.

ITM: Wie funktioniert Ihre Kühlung im Detail?
van Dülmen:
Im Kühlcontainer, der auf dem Dach unseres Hauses steht, wird die kalte Außenluft durch einen Wärmetauscher geführt. Auf diese Weise wird das warme Wasser unserer RZ-Kühlgeräte wieder abgekühlt und in das RZ geleitet. Hier wird nun die Zuluft der Server abgekühlt, während die warme Abluft über den Wasserkreislauf das Wasser wieder erwärmt und so dem Kühlcontainer zuführt.

ITM: Mit welcher Grundtemperatur arbeiten Sie dabei im RZ?
van Dülmen:
Im Moment testen wir dies noch aus und arbeiten mit einer Lufttemperatur von 24 Grad. Sollten wir jedoch die für die Hardwarewartung und -garantie wichtigen Freigaben seitens der Hersteller erhalten, wollen wir im Kaltgang mit 30 Grad arbeiten. Rein rechnerisch könnten wir noch bei einer Außentemperatur von 35 Grad ohne Kühlkompressoren arbeiten.

ITM: Welche Monitoringtools setzen Sie zur Kontrolle der RZ-Komponenten ein?
van Dülmen:
Wir arbeiten mit Rizone von Rittal, einer Software für das Data Center Infrastructure Management (DCIM). Damit können wir beispielsweise unseren Energieverbrauch punktgenau messen und sehen, wie viel Strom der Kältecontainer benötigt. Im Moment beläuft sich unsere RZ-Last auf rund 17 kW, wobei wir erst Ende Juli 2014 den kompletten Migrationsvorgang abschließen. Ab diesem Zeitpunkt wird das RZ dann unter Volllast laufen. Generell haben wir die Leistung auf 70 kW ausgelegt. Zwar werden wir soviel zunächst nicht beanspruchen, allerdings besitzen wir dadurch genügend Reserven für einen künftigen Ausbau.

ITM: Welche weiteren Werte ermitteln Sie mit dem Tool?
van Dülmen:
Neben den Daten des Kühlcontainers ermitteln wir damit die Lüfterdrehzahlen, die Stromqualität der USV-Anlagen sowie die Temperatur der Serverracks. Die einzelnen Server überwachen wir mit einem System-Management-Tool nochmals separat, um Schieflagen zu erkennen. Hier arbeiten wir mit der Open-Source-Software Nagios, die uns sämtliche Serverinformationen zur Verfügung stellt. Anhand derer erkennen wir, welche Rechnerlast über das RZ läuft, welche Server aktiv sind, oder ob gerade eine Sicherung mit hoher Backup-Last läuft, die wir besser in die Nachstunden verschieben sollten.

ITM: Worauf kam es Ihnen hinsichtlich der physischen Sicherheit besonders an?
van Dülmen:
Dank der Rimatrix-Lösung gestaltet sich unser Rechenzentrum als Hochsicherheitsraum, inklusive einer sehr stabilen Sicherheitstür. Dabei ist es uns extrem wichtig, dass nicht jeder Mitarbeiter Zutritt ins RZ erhält.

ITM: Aus welchem Grund?
van Dülmen:
Der Schließkreis für unsere EDV-Räume war bislang relativ offen gestaltet. Bedingt durch eine über die Jahre gewachsene Sicherheitsstruktur konnten zuletzt neben den IT-Mitarbeitern auch ein zu großer erweiterter Personenkreis Zugang zu den Serverräumen bekommen.

ITM: Inwiefern hat sich dies geändert?
van Dülmen:
Wir haben den Zutritt nun auf einen festen Personenkreis von drei Mitarbeitern, die für die Hardware und Infrastruktur zuständig sind, beschränkt. Alle anderen können das Rechenzentrum nur noch in deren Begleitung betreten. Seitens der Technik sind wir unserem klassischen Schlüsselsystem treu geblieben. Denn wir wollen den RZ-Bereich auch betreten, wenn einmal der Strom ausfallen sollte. Dann nämlich würden elektronische Zutrittskontrollen wie Lesegeräte inklusive der Authentifizierung über eine Smartcard nicht funktionieren.

ITM: Wie groß ist Ihre IT-Abteilung?
van Dülmen:
Insgesamt beschäftigen wir fünf Mitarbeiter in der IT-Abteilung. Davon sind 2,5 Stellen für die Anwendungsentwicklung und die Weiterentwicklung des ERP-Systems eingeplant. Die restlichen Kollegen sind für die Hardware und Infrastruktur zuständig. Ich selbst konzentriere mich vorrangig auf die Gebäudeinfrastruktur, Netzwerktechnik sowie die gesamte Servertechnologie.

ITM: Wie laufen die IT-Entscheidungen bei Weiling ab?
van Dülmen:
Unsere IT-Abteilung arbeitet relativ autark. Wichtige bzw. investitionsintensive Entscheidungen, etwa die Anschaffung eines neuen Rechenzentrums, stimmen wir natürlich mit unserer Geschäftsleitung ab. Dabei führen wir eine Selektion der in Frage kommenden Anbieter durch. Ist die Wahl der IT-Abteilung gefallen, wird der Anbieter zum Gespräch gemeinsam mit Peter Meyer eingeladen, um eine gemeinsame Entscheidung zu treffen.

ITM: Wie verlief der Auswahlprozess konkret beim RZ-Neubau ab?
van Dülmen:
Unser Erstkontakt mit Rittal kam auf der Cebit im März 2013 zustande. In der Regel besuche ich die Fachmesse alle zwei Jahre mit einem Checkliste in der Tasche, über welche Technologien ich mich gezielt informieren möchte. Vergangenes Jahr wollte ich mir eine Übersicht über aktuelle Technologien im RZ-Bereich informieren. Rimatrix S passte zu unseren Anforderungen, da es u.a. genau die von uns benötigte Grundfläche bot. So konnten wir den RZ-Sicherheitsraum in unsere Logistikfläche integrieren und mussten keine weiteren teuren Baumaßnahmen anstoßen.

ITM: Herr Meyer, inwiefern waren Sie als Geschäftsführer in das Projekt involviert?
Meyer:
Aufgrund unseres anhaltenden Wachstums planen wir, in den nächsten beiden Jahren vor allem das Lager und die Logistik in Coesfeld deutlich zu erweitern. Vor diesem Hintergrund wollten wir bereits jetzt unsere EDV auf modernste Füße stellen. Die Abstimmung über die Details der neuen Infrastrukturbasis erfolgte gemeinsam mit Herrn van Dülmen. Die technischen Details sowie die Auswahl der RZ-Lösung lagen im nächsten Schritt vollständig in seinen Händen. Die abschließenden Verhandlungen und Gespräche mit dem Anbieter führten wir wiederum gemeinsam durch.

ITM: Wie wichtig waren Ihnen dabei RZ-Zertifikate oder RZ-Gütesiegel?
van Dülmen:
Eher unwichtig, da wir solche bislang nicht benötigen. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn seitens des Gesetzgebers neue Vorgaben auf uns zukommen. Sollten wir künftig einen Sicherheitsnachweis über unsere Datenhaltung benötigen, sehen wir uns mit dem jetzt genutzten vorzertifizierten RZ-Modul gut aufgestellt.

ITM: Was für ein Nachweis könnte dies sein?
van Dülmen:
Wollen wir in unserem Rechenzentrum Rechnungen im PDF-Format vorhalten, auf die unsere Kunden gleichzeitig von außen Zugriff nehmen können, müssen gewisse Normen hinsichtlich der physikalischen Sicherheit sowie hinsichtlich der internen Prozessabläufe eingehalten werden. Darüber hinaus muss die Infrastruktur, auf der diese Vorgänge ablaufen, gleichfalls zertifiziert sein. Mit der neuen RZ-Lösung hätten wir die technischen Zertifizierungen bereits vorliegen und müssten uns allein um die Prozesse kümmern.

ITM: In welche Richtung wollen Sie Ihre IT in Zukunft weiterentwickeln?
van Dülmen:
Ein erklärtes Ziel ist es, unseren Mitarbeitern das ortsunabhängige Arbeiten zu ermöglichen. Zunächst geht es um Home-Office-Arbeitsplätze, an denen die Mitarbeiter mit demselben Desktop wie im Büro arbeiten, unter derselben Nummer erreichbar sind sowie ein passendes Druckermodell nutzen können.

ITM: Wie wollen Sie solche flexiblen Arbeitsplätze realisieren?
van Dülmen:
Einerseits über Desktopvirtualisierung, andererseits über die Bereitstellung mobiler Endgeräte.

ITM: Können Ihre Mitarbeiter auch eigene Devices nutzen?
van Dülmen:
Auf keinen Fall, denn mit dem sogenannten „Bring Your Own Device (BYOD) würden wir uns zu viele Unwägbarkeiten in unsere Infrastruktur holen. Vor der geschäftlichen Nutzung müsste man jedes Privatgerät eingehend überprüfen, entsprechende Anwendungen einspielen sowie feste Nutzerregeln definieren. Von daher geben wir eigene Endgeräte an die Mitarbeiter aus und bestimmen selbst, was sie damit tun und lassen dürfen.

ITM: Welche Mobilgeräte stellen Sie bereit?
Meyer:
Vorrangig Notebooks, wobei unsere Außendienstler sowie Führungskräfte auch mit Tablets und Smartphones ausgestattet sind.

ITM: Neben Mobility spricht die IT-Branche derzeit gerne über Cloud Computing. Wie sehen Ihre Planungen in diesem Bereich aus?
van Dülmen:
Nach wie vor sind wir Herr über unsere eigenen Daten und dies wird auch in Zukunft so bleiben. Überdies betreiben wir mithilfe der Virtualisierung der Infrastruktur sowie vieler Anwendungen bereits eine eigene „Cloud“.

Meyer: Dank dieser Vorgehensweise können wir exakt sagen, wo unsere Daten liegen. Würden wir auf einen externen Cloud-Provider setzen, wäre dies unmöglich. Darüber hinaus besitzen wir viele umsatzsteuerrechtliche Dokumente. Würde ein Provider diese in den USA oder in Großbritannien speichern, käme dies einem Gesetzesverstoß gleich. Denn solche Daten dürfen das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik nicht verlassen.


* Den firmeneigenen bioladen* in Coesfeld nutzt Weiling auch zu Demozwecken. Dabei wird interessierten Händlern aufgezeigt, wie sie ihre eigenen Räumlichkeiten hell, einladend und verkaufsfördernd gestalten können.


Dr. Peter Meyer

  • Alter: 46 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, zwei Söhne
  • Beruflicher Werdegang: Studium der Verfahrenstechnik an der TU Dortmund; Promotion im Bereich Ökobilanzierung am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund; Bereichsleiter Logistik, Verkehr und Umwelt bei der Projekt Ruhr GmbH in Essen; seit 2001 bei der Weiling GmbH
  • Derzeitige Position: Geschäftsführer


Michael van Dülmen

  • Alter: 36 Jahre
  • Familienstand: verheiratet
  • Beruflicher Werdegang: Studium der Elektrotechnik/Technischen Informatik an der FH Münster; seit 2007 bei der Weiling GmbH
  • Derzeitige Position: Leiter IT
  • Hobby: Amateurfunkdienst


Die Weiling GmbH
Seit den Anfängen 1975 handelt das mittelständische Familienunternehmen aus Überzeugung mit biologischen Produkten. Was mit einem kleinen Bioladen begann, ist heute ein Vollsortimenter mit über 11.000 Artikeln in hoher ökologischer Qualität. Dazu zählen u.a. regionales und internationales Obst und Gemüse, 600 unterschiedliche Käsesorten, über 300 Weinen, hochwertiges Frischfleisch sowie viele Tiefkühl-, Molkerei- und Trockenprodukte bekannter Biohersteller. Zudem betreibt man eine erfolgreiche eigene Marke Bioladen* und führt Naturkosmetik aller renommierten Anbietern.

  • Standorte: Coesfeld im Münsterland, Lonsee in der Nähe von Ulm
  • Mitarbeiter: aktuell 520
  • Umsatz: 160 Mio. Euro im Jahr 2013

www.weiling.de

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