Um im Bild zu bleiben, kann man sagen, im Mittelstand ist die IT-Flughöhe ziemlich gering.
Unter Mittelstand verstehe ich ...
… im engeren Sinne die Unternehmen mit 20 bis ca. 500 Beschäftigten. Denn genau diese adressieren wir mit unserer HR-Software. Die Rede vom Mittelstand hat natürlich weitere Konnotationen. Mich persönlich beeindruckt, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze in Deutschland stellen und über 99 Prozent aller deutschen Unternehmen KMU sind.
Der Mittelstand hebt sich von Großkonzernen dadurch ab, dass ...
… er anders tickt und anders funktioniert. Das hört sich nach einer Binsenweisheit an, aber ich sehe hier den grundlegenden Unterschied. Ich kenne beide Welten, auch aus meiner Zeit in einem großen Verlagshaus. Zum Gesamtbild gehört noch das Start-up. Selbstverständlich sind das drei relativ grobe Klassifikationen. Aber ich halte sie für wichtig. Wir selbst sind als Unternehmen ein klassischer Mittelständler. In der Art und Weise, wie wir denken und agieren – z.B. bei der Geschwindigkeit – adaptieren wir aber zunehmend typische Eigenschaften eines Start-ups.
Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, bedarf es ...
… einer hohen Produktnähe und eines ähnlich geprägten unternehmerischen Handelns. Dafür muss man nicht zwingend ein KMU sein, aber meines Erachtens erleichtert es die Geschäftsbeziehung ungemein – und zwar nach innen und nach außen. Bei uns ist es so: Wir alle arbeiten jeden Tag mit der Software, die wir selbst seit fast 25 Jahren entwickeln. Genau dadurch sehen wir ständig Sonderfälle, Verbesserungsbedarf usw. und können diese Punkte auch gleich aufgreifen. Wenn IT-Entscheidungen in einem hohen Maße von Vertrauen mitbestimmt sind, wovon ich überzeugt bin, dann sind die Kriterien „gleiche Bedarfskulisse“ und „eigene tägliche Anwendung“ von Anbieter und Kunde nur schwer zu übertreffen.
Was die IT anbelangt, ist der Mittelstand ...
… im Kerngeschäft sehr gut, abseits des Kerngeschäfts eher ausbaufähig. Im Grunde ist die IT im Mittelstand vielfach ein Spiegelbild der Digitalisierung in Deutschland als Ganzes. Da sind wir in etlichen Feldern auch nicht immer Weltklasse. Ich plädiere dafür, dass der reale Digitalisierungsgrad auf allen IT-Ebenen klar ermittelt werden muss. Gerade im Mittelstand ist das eine Grundvoraussetzung für die Einführung von sinnvollen Lösungen.
Die durchschnittliche IT-Grundausstattung im Mittelstand besteht aus ...
… einem ERP-System als Basis. Dazu kommt häufig branchenspezifische Spezial-Software. Und abgerundet wird das Portfolio mit dem, was ich als „Office-Anwendung“ bezeichnen würde. Also ein bunter Mix, den man erfolgreich zum Laufen gebracht hat. Und das ist sehr gut, weil er das Fundament bildet, auf dem das Unternehmen steht.
Charakteristisch für IT-Investitionsentscheidungen im Mittelstand ist ...
… die Flughöhe. Damit meine ich speziell die Kosten- und Nutzenbewertung. Alles, was seinen konkreten Nutzen nicht glasklar offenlegt, fliegt schnell raus. Um im Bild zu bleiben, kann man sagen, im Mittelstand ist die IT-Flughöhe ziemlich gering. Ich möchte hier noch auf einen speziellen Punkt hinweisen. Wir haben es gerade im Personalbereich häufig mit Erstdigitalisierern zu tun. Das heißt, diese Akteure wechseln erstmals vom Aktenordner und der Excel-Liste in die vollständig digitale Welt. Was treibt die IT-Entscheidung? Die harte Erkenntnis, dass es einfach nicht mehr so weitergeht wie bisher. Weil entweder die „alte Personalwelt“ beendet wird oder das Unternehmen untergeht. Und dann stehen wir wieder am Anfang dieser Antwort.
Die typischen IT-Probleme des Mittelstands sind ...
… Performance, Verfügbarkeit und Perspektive. Zu 1.) In diesem Fall ist das System qualitativ zu klein und überlastet. Zu 2.) Das System ist quantitativ zu klein und überlastet. Zu 3.) Das Alltagsgeschäft verhindert die Entwicklung einer mittel- bis langfristigen IT-Strategie. Das Ergebnis: Es wird jeden Tag „weitergewurschtelt“. Auch das wichtige Thema „Datenschutz“ wird uns alle dauerhaft begleiten. Hier sehe ich aber enormes Potenzial, um im Wettbewerb Vertrauensvorteile zu generieren. Wer das gut löst, ist vorn dabei.
Als Lösung für diese Probleme favorisiere ich ...
Zunächst ist die offene Analyse der eigenen IT-Infrastruktur erforderlich. Dann lohnt es sich, die Themen „Standardisierung“ und „Schnittstellen“ in den Blick zu nehmen. Wer hier unsicher ist, sollte sich kompetente Fachberatung ins Haus holen. Das führt mich direkt zur Cloud. Für viele individuelle Einzelprobleme gibt es dort schon Lösungen. Aber natürlich ist nicht alles, was es gibt, auch automatisch gut. Meine Empfehlung lautet: eine IT-Lösung, welche drei Themenfelder zu 80 Prozent abdeckt, ist besser geeignet als drei separate Anwendungen, die alleine über 80 Prozent performen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Handlungsbedarf auf IT-Seite im Mittelstand sehe ich ...
… gerade in der Administration. Dieser Bereich allein erwirtschaftet kein Geld, also ist er vielerorts vernachlässigt worden. Der Fachkräftemangel hat dieses Defizit schonungslos offengelegt. Ich halte es für ratsam, IT und HR im Unternehmen zusammenzudenken. Sie werden ohnehin zunehmend verschmelzen. Davon kann auch der Mittelstand erheblich profitieren. IT und HR werden prozessual das neue Fundament des Unternehmens bilden. Dafür gilt es, die passende Lösung zu finden. KMU gelingt dies, indem sie zuerst die Ziele der Software festlegen, bevor dann das System gemeinsam mit allen Beteiligten ausgewählt, eingeführt und anschließend überprüft wird. Das erfordert Mut zur Entscheidung – also genau das, wofür der Mittelstand immer bekannt war.
Alter: 46 Jahre
Familienstand: verheiratet,
drei Kinder
Größte Hobbys: sportliche Aktivitäten wie Joggen und Tennis
Ausbildung: Diplom-Kaufmann
Beruflicher Werdegang: Beratung KPMG, Holtzbrinck-Mediengruppe
bis hin zur Verantwortung für das Digitalgeschäft
Derzeitige Position: CEO bei
der HRworks GmbH
Bildquelle: HRworks