Zukunftsfähige IT-Architektur für Mess- und Energiedienstleister

Nachhaltig auf allen Ebenen

Der Immobiliendienstleister BRUNATA-METRONA blickt optimistisch in die Zukunft und arbeitet an Innovationen für mehr Nachhaltigkeit – dabei spielen digitale Services und der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle.

  • Zukunftsfähige IT-Architektur für Mess- und Energiedienstleister

    „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, alle Energieströme innerhalb einer Immobilie sichtbar zu machen“, erklärt Sandra Möckelmann.

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    „Wir setzen auf eine Cloud-First-Strategie, um unsere IT-Architektur stabil und flexibel gestalten zu können“, betont Schmiedel.

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    „Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln wir unsere Produkte kontinuierlich weiter“, erzählt Sandra Möckelmann.

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    „Das Kundenportal haben wir im Zusammenhang mit der Einführung von SAP S/4HANA architektonisch überarbeitet“, berichtet Jan Schmiedel.

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    Jan Schmiedel und Sandra Möckelmann tauschen sich mit Peter Pohle, Abteilungsleiter Technik & Produktmanagement (v.l.n.r.) aus.

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    Der verantwortungsvolle Umgang mit Energie bildet seit jeher den Kern dessen, was die BRUNATA-METRONA-Gruppe für die Immobilienwirtschaft ausmacht.

Viele Mieter kennen noch die alten Verdunsterröhrchen zur Ermittlung der Heizkosten. Doch einmal im Jahr zu messen, reicht nicht mehr aus. Heute geht alles digital, berichten Sandra Möckelmann, IT-Chefin von BRUNATA-METRONA in Hamburg, und Jan Schmiedel, Leiter IT Application Management, im Interview mit IT-MITTELSTAND. Das Unternehmen ist bereits seit 70 Jahren Dienstleister für die Immobilienwirtschaft.

ITM: Frau Möckelmann, Herr Schmiedel, wie sahen die Anfänge aus und was hat sich seit der Unternehmensgründung verändert?
Sandra Möckelmann: In der Anfangszeit des Unternehmens gab es kein Bewusstsein für Dinge wie den CO2-Fußabdruck oder das Energiesparen im heutigen Sinne. Es ging eher darum, überhaupt den Blick auf den Energieverbrauch zu lenken und den Hausbesitzern eine faire Abrechnung der Heizkosten zu ermöglichen. Damals begann ein wahrer Bauboom, um die durch den Krieg entstandenen Schäden zu beseitigen. Bis zur Energiekrise in den 1970er-Jahren war jede Form von Energie günstig. Insofern kann man dem Gründer visionäres Handeln attestieren, denn letztlich läuft das Sparen von Energie auf Nachhaltigkeit im modernen Sinne hinaus.

ITM: Und wie ist es heute?
Möckelmann: In der Gegenwart ist die Situation völlig anders. Die Preise für Energie kennen eigentlich nur noch den Weg nach oben. Das ist ein erheblicher Faktor sowohl für Privatleute als auch für die Wirtschaft. Denn etwa ein Drittel der in Deutschland eingesetzten Primärenergie entfällt auf Immobilien. Das ist ein erheblicher Anteil der CO2-Emissionen. Die Klimaziele – also die berühmte Netto-Null bei Treibhausgasen – sind nur erreichbar, wenn die Einsparpotenziale bei Gebäuden konsequent genutzt werden. Und das gehört zum Kerngeschäft von BRUNATA-METRONA: der verursachungsgerechten Verteilung der Energie- und Wasserkosten. Unser Credo lautet: Nur was gemessen wird, kann effektiv beeinflusst werden. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, alle Energieströme innerhalb einer Immobilie sichtbar zu machen, um sowohl den Besitzern als auch den Bewohnern einen ganzheitlichen Überblick zu bieten.

ITM: Bleiben wir noch einen Moment beim Thema „Nachhaltigkeit“. Wie sieht Ihre Strategie aus?
Möckelmann: Die gesamte BRUNATA-METRONA-Gruppe möchte nicht nur durch ihre Produkte Qualitätsführer sein, sondern auch ein aktives Vorbild. Unser großes Ziel ist es, bis 2030 klimaneutral zu sein. Das ist zu erreichen, erfordert aber ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Unsere Unternehmenszentrale in Hamburg nutzt bereits seit einigen Jahren eine Holzpelletheizung. Doch das ist noch nicht alles. Wir wollen in den nächsten zwei Jahren in unseren eigenen Liegenschaften ausschließlich Ökostrom nutzen und zusätzlich die Dächer unserer eigenen Gebäude mit PV-Anlagen aufrüsten.

Jan Schmiedel: Ein wichtiger Aspekt ist der Einsatz von digitalen Services, um den Papierverbrauch möglichst auf Null zu senken. Außerdem verringern wir die Anzahl der Dienstreisen durch Videokonferenzen und buchen bevorzugt klimaschonende Verkehrsmittel wie Bahn oder ÖPNV. Zusätzlich stellen wir unseren Fuhrpark für die Kundendiensttechniker auf Fahrzeuge mit Elektroantrieb um. Doch letztlich ist es im Interesse der Nachhaltigkeit, den Verkehr möglichst stark zu beschränken. Aus diesem Grund senken wir die Pendelfahrten ins Büro, indem wir mobiles Arbeiten fördern.

ITM: Sie sind auch durch Ihre Entwicklungsfirma METRONA Union Gerätehersteller. Wie steht es um die Nachhaltigkeit der Produkte?
Schmiedel: Wir haben den gesamten Lebenszyklus unserer Erfassungsgeräte im Blick. Unser übergreifendes Nachhaltigkeitsziel ist deshalb die Beteiligung am Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Das bedeutet, dass wir unsere Produkte besonders langlebig machen. Das beginnt bei der Entwicklung und der Materialauswahl. Hier müssen wir bereits Möglichkeiten zur Reparatur und Weiternutzung schaffen, sodass möglichst wenig Abfall entsteht. Darüber hinaus müssen die Materialien möglichst einfach recycelbar sein. Wichtig ist dafür eine nachhaltige Gestaltung aller Abläufe von der Herstellung, über den Einbau bis zur Rücknahme der Geräte und deren Wiederaufbereitung. Dieser Aspekt ist sehr wichtig, denn in den meisten Fällen lässt sich durch Re-Manufacturing aus einem alten ein neues Gerät bauen. Das ist weniger aufwendig und damit weniger klimaschädlich als die Herstellung eines völlig neuen Messgerätes.

ITM: Sie haben auf das hohe Potenzial des Gebäudesektors bei Nachhaltigkeit hingewiesen. Welche Ideen haben Sie in dieser Hinsicht?
Schmiedel: Wir unterstützen unsere Kunden bei der nachhaltigen und intelligenten Nutzung von Immobilien. Wir sehen uns also nicht nur als den Verantwortlichen für die alljährliche Heizkostenabrechnung. Ziel unserer Maßnahmen ist es, eine maximale Verbrauchstransparenz zu erzeugen. Dadurch ermöglichen wir bei den Immobilienbesitzern klimafreundliche Investitionsentscheidungen und ermutigen die Mieter zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und Umwelt.

ITM: Gilt das eigentlich für alle Wohnungen, die Sie betreuen?
Möckelmann: Leider noch nicht. Es gibt noch einen Restbestand an Immobilien, der analoge Messtechniken einsetzt. Vor allem Privatvermieter lassen sich zum Teil noch Zeit. Die großen Wohnungsgenossenschaften sind dagegen Vorreiter. Angesichts des riesigen Bestandes ist es natürlich sinnvoll, keine Zeit verstreichen zu lassen.

ITM: Wie wollen Sie Energieeinsparungen in Gebäuden erreichen?
Schmiedel: Auch ohne zusätzliche technische Maßnahmen führt ein gesteigertes Energiebewusstsein bereits zu Einsparungen von durchschnittlich 20 Prozent. Etwas konkreter ausgedrückt: In den von uns betreuten Wohneinheiten sind das mehr als zwei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Weitere Aufmerksamkeit für die Bedeutung des Energiesparens bringen seit 2022 die unterjährigen Verbrauchsinformationen. Nutzer einer Wohnung erhalten jetzt einmal monatlich Informationen über den Energieverbrauch des Vormonats. Das ist gesetzlich ab spätestens 2027 im gesamten Gebäudebestand gefordert. Durch einen längerfristigen, jahresübergreifenden Vergleich können sich Mieter einen guten Eindruck von der Entwicklung ihres Heizverhaltens machen und damit frühzeitig Maßnahmen zur Senkung des individuellen Heizbedarfes ergreifen. Das fördert ebenso das Kosten- wie das Umweltbewusstsein. Bei gewerblichen Mietern geht der Trend sogar zur Echtzeitmessung, da sehr viele Unternehmen aktuell ein Energiedaten-Management einführen. Das liegt daran, dass viele Unternehmen Nachhaltigkeit als Effizienzmaßnahme entdeckt haben und im Übrigen auch durch neue EU-Regeln verpflichtet sind, etwas gegen CO2-Emissionen zu unternehmen.

ITM: Wie viele Einsparungen erwarten Sie durch diese Maßnahmen?
Schmiedel: Wir denken, dass allein die monatliche Information über den aktuellen Energieverbrauch ein Sparpotenzial von zusätzlichen 10 Prozent hat. Weitere Einsparungen können durch eine intelligente Heizungssteuerung entstehen, die nachgewiesenermaßen bis zu 30 Prozent Energie ohne jeden Komfortverlust für die Bewohner einsparen kann. Wir haben dafür mit Partneruniversitäten eine Multi-Service-Plattform entwickelt, mit der dies möglich ist. Diese Plattform dient übrigens auch als Basis für Smart-Home-/Smart-Building-Anwendungen und vernetzt weitere Dienstleister im Wohngebäude, beispielsweise für altersgerechtes Wohnen.

ITM: Wie arbeitet diese Plattform in Sachen „Energieeinsparung“?
Schmiedel: Mithilfe intelligenter Steuerungs- und Predictive-Maintenance-Algorithmen wird die Energieeffizienz des Gebäudes optimiert. Dafür setzen wir einen digitalen Zwilling ein, so dass die Heizungssteuerung deutlich transparenter für Immobilienbesitzer und Bewohner ist. Wir haben in Praxistests bei einigen 100 Wohneinheiten festgestellt, dass wir damit ein wirkungsvolles Werkzeug entwickelt haben. Denn es erfordert keine hohen Investitionen. Wenn man das auf den Quadratmeter umrechnet, kostet die digitale Lösung lediglich ein Zehntel im Vergleich zu klassischen Sanierungsmaßnahmen wie Dämmung, spart aber mindestens ebenso viel ein.

ITM: Der Ausgangspunkt ist natürlich eine Verbrauchsmessung. Wie sieht das heutzutage aus?
Möckelmann: Wir haben die Verdunster durch digitale Geräte ersetzt und die alte Abfüllstation abgebaut. Sie ist jetzt ein Meeting-Raum, mit der Bezeichnung „Ampulle“. State of the Art bei der Ermittlung der Heizkosten sind funkbasierte Messgeräte, die ein unkompliziertes Auslesen von Verbrauchs- und Zustandsdaten ermöglichen. Das geschieht, ohne dass die Mieter behelligt werden. Ein Ableser muss normalerweise nicht mehr zu Besuch kommen. Ein zentrales Gateway pro Gebäude sendet die Daten sicher und verschlüsselt in unser Rechenzentrum.

ITM: Das heißt, dass bald die gesamte Verbrauchsmessung digitalisiert ist.
Möckelmann: Ja, ohne diese Digitalisierung wäre das Erreichen der Klimaziele nicht möglich. Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln wir unsere Produkte kontinuierlich weiter und schließen noch bestehende Digitalisierungslücken. Das betrifft beispielsweise die Montage der Erfassungsgeräte und Gateways, die zum Teil von Servicepartnern übernommen wird, aber auch mit einem großen Anteil von bei uns angestellten Kundendiensttechnikern gestemmt wird. Dafür hat die BRUNATA-METRONA-Gruppe eine eigene Software-Lösung entwickelt.

ITM: Wie sieht diese Lösung aus?
Möckelmann: Unsere interne Bezeichnung dafür ist „geMo“, was mit „gemeinsame Mobile“ für die gemeinsame Software-Anwendung der BRUNATA-METRONA-Gruppe zu übersetzen ist. Dabei stellen wir unseren Kundendiensttechnikern und Servicepartnern ein Standard-Tablet zur Verfügung, auf dem unsere Software in­stalliert ist. Die Kommunikation geschieht über das Internet und landet in unserem Rechenzentrum, wo die Daten zentral verarbeitet werden. Kern der Anwendung ist die technische wie kaufmännische Auftragsbearbeitung vor Ort. Der Kundendiensttechniker findet sämtliche Angaben zur Montage der Erfassungsgeräte, aber auch zur Ablesung/Wartung und Reparatur auf dem Tablet.

ITM: Welche Aufgaben können die Kundendiensttechniker und Servicepartner damit erfüllen?
Schmiedel: Sie wickeln den kompletten Auftrag damit ab. Zur Software gehört auch Kartenmaterial von OpenStreetMap, sodass sie alle Einsatzorte im Überblick sehen. Die Disposition findet für unsere eigenen Kundendiensttechniker bei uns im Hause statt. Die weitere Auftragsbearbeitung geschieht dann vollständig auf dem Tablet. Sie sehen alle Informationen, geben alle Daten zur Auftragsabwicklung dort ein und schließen den Auftrag auch damit ab. Dadurch gibt es keine Zettelwirtschaft mehr. Es müssen keine Daten von irgendwelchen handschriftlichen Notizen abgeschrieben werden. Alle notwendigen Angaben landen tagesaktuell in unserem Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) und werden dort nach Auftragsende bearbeitet.

ITM: Haben Sie die Software selbst entwickelt?
Schmiedel: Unsere IT-Experten haben einen großen Teil selbst entwickelt. Die mobilen Apps stammen von der IT-Abteilung der BRUNATA-METRONA München. Entwickler der BRUNATA-METRONA Hamburg haben die Schnittstellenadapter zum heutigen ERP-Backend auf der Power9 entwickelt. Dafür haben wir ergänzend die Expertise von PKS Software aus Ravensburg genutzt. Dort gibt es genau die Spezialisten für die IBM-Power-Systeme (AS400), die uns bei diesem Projekt gut helfen konnten. Unsere eigenen Mitarbeiter haben dadurch Freiräume für viele Aufgaben bei der Weiterentwicklung unserer IT erhalten.

ITM: Welche Rolle spielt die IT insgesamt für Ihr Unternehmen?
Möckelmann: Ein wichtiger Teil unseres Geschäftsmodells ist natürlich die Datenanalyse und in unserem Fall handelt es sich tatsächlich um Big Data, da wir durch die monatliche Verbrauchsmessung sowie die Anforderungen von Gewerbekunden extrem große Datenmengen verarbeiten müssen. Zur Erstellung der monatlichen Verbrauchsinformation verarbeiten wir bei BRUNATA-METRONA Hamburg aktuell ca. 40 Millionen Datensätze. Dabei ist die Tendenz ganz eindeutig steigend. Es gibt Überlegungen, eine Erfassung in Abständen von 15 Minuten zu realisieren. Hinzu kommt die Idee, unsere Abrechnungssysteme mit Heizungssteuerungen und Smart-Home-Systemen zu verbinden. Dann wachsen die Datenmengen noch weiter. Sie sind mit herkömmlichen relationalen Datenbanken gar nicht mehr sinnvoll zu verarbeiten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2024. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Auf welche Weise erfüllt Ihre IT diese Anforderungen?
Möckelmann: Wir entwickeln unsere IT-Infrastruktur ständig weiter. Wir beschäftigen uns mit Enterprise Architecture Management. Sie ist der Möglichmacher, ohne sie könnten wir das Unternehmen und unser Geschäftsmodell nicht skalieren.

Schmiedel: Dabei setzen wir auf eine Cloud-First-Strategie, um unsere IT-Unternehmensarchitektur stabil und flexibel gestalten zu können. Bei den stetig wachsenden Datenmengen für unsere zukünftige Geschäftstätigkeit sind natürlich Cloud-Lösungen besonders attraktiv. Zum Beispiel für die monatliche Verbrauchswertermittlung: Sie erfordert punktuell massive Rechenleistung, danach geht alles wieder in einen etwas ruhigeren Normalbetrieb über. Das lässt sich am besten durch Cloud Computing und die damit verbundene variable Skalierung und Parallelisierung abbilden. Sobald die per Funktechnologie übermittelten Messdaten zulaufen, werden vollautomatisiert, systemlastbezogen zusätzliche Serverinstanzen bereitgestellt. Mit sinkender Datenlast werden diese zusätzlichen Instanzen wieder dekommissioniert. Das ist deutlich kosteneffizienter, als sie permanent vorrätig zu halten.

ITM: Wie sieht es mit SAP S/4HANA aus? Werden Sie SAP auch aus der Cloud beziehen?
Schmiedel: Der Wechsel auf SAP S/4HANA ist eine strategische Unternehmensentscheidung, um unsere Geschäftsanwendungen strategisch skalierbar aufzustellen, innovative und flexible Geschäftsmodelle zu ermöglichen und den Weg zum Data Driven Enterprise zu ebnen. Die Entscheidung ist u.a. auch deshalb zugunsten von SAP gefallen, um technologisch Synergien zwischen den Unternehmen der BRUNATA-METRONA-Gruppe zu stärken bzw. weiterführend auszubauen. Aufgrund unserer zum Teil komplexen Geschäftsvorfälle, die nicht ausschließlich im SAP-Standard abbildbar sind, haben wir uns letztlich zugunsten einer On-Premises-Installation entschieden. Diese Form des Hostings bietet uns genau die Variabilität, die aktuell noch nicht durch eine SAP S/4HANA Public Cloud Subscription abbildbar ist.

ITM: Welche Anwendungen benutzen Sie bisher?
Schmiedel: Wir haben unsere Geschäftsprozesse bisher mit eigenentwickelten Anwendungen auf der IBM-i-Plattform digitalisiert. Deshalb haben wir einen schrittweisen Umstieg beschlossen. Wir lösen nach und nach die Altanwendungen ab und ersetzen sie durch SAP S/4HANA. Dabei bleiben wir On Premises und nutzen nicht die SAP-Variante aus der Public Cloud.

ITM: Was konkret spricht gegen die Public Cloud?
Möckelmann: Der Grund ist ganz einfach: Es gibt keine Branchenlösungen für unser Kerngeschäft. Aus Sicht eines Software-Anbieters sind Heizkostenabrechnungen ein Nischenmarkt, für den die Entwicklung nicht lohnt. Deshalb entwickeln wir fehlende Komponenten selbst. Hinzu kommt, dass die Cloud-Version der neuen SAP-Suite nicht mehr die bekannten vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten anbietet. Deshalb bleiben wir zumindest vorerst bei der klassischen Bereitstellung in einem gehosteten Rechenzentrum. Denn dort haben wir eine viel größere Flexibilität.

ITM: Das läuft also auf eine hybride IT-Architektur hinaus. Bedeutet das nicht zu viel Komplexität?
Schmiedel: Wir setzen auf unterschiedliche Systeme, die im Zusammenspiel mit SAP unsere Geschäftsprozesse sehr gut abbilden. SAP ist somit nur ein System von Vielen. Diese können wir variabel und flexibel miteinander integrieren, da wir eine moderne Integrationsplattform nutzen. Die Integrationsplattform ist somit das Herz unserer IT-Unternehmensarchitektur.

ITM: Welche Vorteile hat diese Plattform?
Schmiedel: Die großen Vorteile sind die integrierte Prozessautomatisierung und die Möglichkeit, eigene Business-Apps nach dem Low-Code-Modell zu entwickeln. Wir entlasten damit unsere Full-Stack Entwickler, die sich nun stärker der Weiterentwicklung unserer geschäftskritischen Applikationen widmen können. Eine Integrationsplattform hilft unserer IT-Abteilung und den Fachbereichen gleichermaßen. Apps lassen sich sehr rasch und im Austausch mit den Fachexperten entwickeln. Die neuen Automatisierungsroutinen beschleunigen alle Prozesse und sorgen damit für Vereinfachungen. Außerdem lassen sich neue Systeme, etwa unser neues Kundenportal, mit wenig Aufwand anbinden.

ITM: Ist das Kundenportal eine Eigenentwicklung?
Schmiedel: Ja, wir haben es im Zusammenhang mit der Einführung von SAP S/4HANA architektonisch überarbeitet und auf eine neue Software-Basis gestellt. Wir sind in unserer gesamten IT-Unternehmensarchitektur dabei, die monolithischen Systeme abzulösen und eine serviceorientierte Software-Architektur aufzubauen. Das Ganze läuft unter dem Stichwort „Lose Kopplung“, sodass die Abhängigkeit der einzelnen Anwendungen untereinander möglichst gering ist. Letztlich ist das die wichtigste Aufgabe für unsere Entwickler, die wir mit agilen Entwicklungsmethoden realisieren.

ITM: Auf welche Weise nutzen Sie agile Techniken?
Möckelmann: Wir haben diese Methodik inzwischen erweitert, da wir z.B. für „geMo“ ein Cross-funktionales Team eingesetzt haben. Darin nutzen auch die Mitarbeiter aus den Fachbereichen agile Methoden. So gestalten wir neue digitale Services mit der Methode des Design Thinkings. Für die eigentliche Software-Entwicklung nutzen wir Scrum, sodass der gesamte Entwicklungsprozess sich deutlich stärker an den Bedürfnissen der Nutzer orientiert. Mit Agilität sind wir sehr erfolgreich und konnten bereits schnellere Rollouts sowie eine größere Projekttransparenz erreichen. Außerdem nutzen wir agile Methoden auch für die fortlaufende Entwicklung und Pflege unserer Anwendungen.

ITM: Wie sehen Ihre Pläne für die Weiterentwicklung der IT aus?
Möckelmann: Wir sind aktuell dabei, unsere IT anhand moderner Standards des Software-Engineerings weiter zu professionalisieren. Dabei ist im Moment unsere wichtigste Aufgabe, die Transformation auch in die Fachbereiche zu übertragen, vor allem natürlich auf unsere Schlüsselanwender. Dazu gehört ein einheitliches Verständnis von Demand Management, sodass neue und geänderte Anforderungen einfacher den Weg in die Entwicklungsabteilung finden.

ITM: Betrifft die Transformation auch den IT-Betrieb?
Möckelmann: Ja, auch dort gibt es einen ständigen Verbesserungsprozess. Wir sind sehr bemüht, mit IT-Service-Management (ITSM) und IT-Operations-Management (ITOM) die Qualität unserer IT-Services zu verbessern, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und den Geschäftsbetrieb effektiver zu machen. Primär wollen wir natürlich unsere Infrastruktur optimieren, also Leistung, Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit verbessern. Dazu gehört Automatisierung, sodass wir die Anzahl der manuellen Prozesse im Unternehmen senken können. Dieser ganze Prozess wird uns sicherlich noch einige Zeit beschäftigen. Doch am Ende wird die gesamte BRUNATA-METRONA-Gruppe weiterhin sehr innovativ bleiben.

Sandra Möckelmann
Alter: 53 Jahre
Werdegang: gelernte Datenverarbeitungskauffrau; 23 Jahre in einem internationalen Softwarehaus – davon 19 Jahre in Führungsrollen; danach fünf Jahre bei einem internationalen Chemikalien- und Rohstoffgroßhändler – zuerst als Head of Business Applications & Business Process Management, dann als IT-Leiterin; seit über vier Jahren IT-Leiterin bei BRUNATA Wärmemesser Hagen GmbH & Co. KG
Derzeitige Position: IT-Chefin

Jan Schmiedel
Alter: 40 Jahre
Werdegang: Ausbildung zum technischen Betriebswirt der Informationselektronik beim Norddeutschen Rundfunk; Bachelorstudium in BWL; Masterstudium der Wirtschaftsinformatik; nach dem Studium zehn Jahre in einem internationalen Stahlkonzern zunächst als SAP-Entwickler, dann als IT Compliance Manager und SAP-Teamleiter; seit September 2022 bei BRUNATA-METRONA Hamburg
Derzeitige Position: Gruppenleiter IT Application Management

BRUNATA-METRONA
Die drei Stammhäuser Hamburg, Hürth und München sind rechtlich und wirtschaftlich selbständige Partner der Unternehmensgruppe. Bundesweit sind 2.000 Mitarbeiter und 1.900 Kundendiensttechniker in über 40 Niederlassungen und mehr als 60 Servicecentern tätig.

Bildquelle: Claus Uhlendorf

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