Bei der Vergabe von großen Aufträgen spielen nachhaltige und umweltverträgliche Prozesse eine immer bedeutendere Rolle. Und es lohnt sich: Studien zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Unternehmensperformance gibt. Je mehr Maßnahmen ein Unternehmen zur Verringerung der Umweltbelastung durch seine Produktion und zur nachhaltigen Entwicklung realisiert, desto besser seine wirtschaftliche Performance.
Lange fehlte es dem Thema Nachhaltigkeit an Grundlagen, angewandter Forschung und vor allem an Richtlinien. Dies ändert sich gerade. Bei der Bilanzierung von Treibhausgasen gibt es derzeit verschiedene konkurrierende Ansätze. Als richtungsweisend werden das „Greenhouse Gas Protocol“ und die „Global Reporting Initiative“ (GRI) gesehen. Diese Richtlinien dienen dazu, Transparenz zu schaffen und einzelne Nachhaltigkeitsreports anhand von Indikatoren vergleichbarer zu gestalten. Ein Nachhaltigkeitsbericht bietet eine entscheidende Plattform zur Kommunikation von Aktivitäten sowie für die kontinuierliche Erfassung von Informationen, welche die Unternehmenspolitik, -strategie und -tätigkeit beeinflussen können.
Das Zusammenstellen und Analysieren von Daten der Nachhaltigkeitsentwicklung im Unternehmen ist mit erheblichem Aufwand verbunden, der jedoch durch entsprechende IT und Prozesse reduziert werden kann. Deshalb beschäftigen sich Unternehmen zunehmend mit der Frage, welche Tools sie für eine größtmögliche Transparenz bezüglich des Erfolgs und Status von Aktivitäten der Nachhaltigkeit einsetzen können. Im gleichen Maße wächst deshalb die Nachfrage nach Software-Applikationen, die das Reporting, die Messung und die Datenspeicherung dieser Aktivitäten ermöglichen. Durch das Erfassen unternehmensbezogener Daten, die Informationen zur Nachhaltigkeit einbeziehen, verändert sich der Aufgabenbereich traditioneller ERP-Lösungen zum Teil radikal. So schätzt SAP den Markt für ERP-Lösungen, die sich auf Nachhaltigkeit konzentrieren, gegenwärtig auf 7,5 Mrd. Euro weltweit.
Drei Entwicklungsschritte
Viele Mittelständler, die sich dem Thema Nachhaltigkeit widmen möchten, sind unsicher, wie und wo sie am besten mit der Umsetzung beginnen, was die Auswahl eines geeigneten IT-Systems erschwert. Noch vor der Software-Auswahl steht die Aufgabe, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu definieren, in der festgelegt ist, welche Ziele verfolgt und anhand welcher Schlüsselindikatoren deren Erreichung gemessen werden soll. Auf dieser Basis fällt es deutlich leichter, die Systemauswahl zu treffen. Neben der Nachhaltigkeitsstrategie sind bei der Auswahl eines Sustainability-Tools auch die bestehende IT-Landschaft und die generelle IT-Strategie zu berücksichtigen. Man kann beobachten, dass der Tool-Einsatz in Bezug auf Nachhaltigkeitsaktivitäten in drei Phasen verläuft. Die meisten Unternehmen beginnen mittels einfacher Office-Anwendungen, Daten zu erfassen und auszuwerten. Schon bald stoßen sie hierbei allerdings an ihre Grenzen. So kommen im zweiten Schritt gerne Stand-alone-Lösungen zum Einsatz, bevor man schließlich eine Integration der Nachhaltigkeitsdaten in bestehende ERP-Systeme angeht.
Es gibt zahlreiche Anbieter Bereich Sustainability-Reporting-Software. Da der Markt noch relativ jung ist, dominiert ihn noch keiner. Viele bereits vorhandene Lösungen können durch zusätzliche Applikationen und Tools erweitert werden, um die für den Kunden wichtigen Informationen in Bezug auf Nachhaltigkeit aufzuzeigen und auszuwerten. Der Mittelstand muss hierbei im Vergleich zu Großunternehmen noch stärker auf die Anschaffungs- und Betriebskosten achten und wünscht sich branchenspezifische Lösungen, die ohne viele Anpassungen und in kurzer Zeit implementiert werden können. Auch wenn die Vergleichbarkeit untereinander bis jetzt nicht immer gegeben ist, heißt dies nicht, dass das Einzelunternehmen für sich nicht wertvolle Schlüsse ziehen und Verbesserungspotentiale ausmachen könnte. Durch das Erfassen der spezifischen Daten kann beispielsweise der Ausstoß von CO2-Emissionen auf einzelne Prozesse umgelegt werden. Somit wird nachvollziehbar, welche Prozesse optimiert werden müssen.
5 Leitfragen, …
… die sich Mittelständler vor und bei der Auswahl einer Nachhaltigkeitslösung stellen sollten:
1. Wie sieht meine heutige und zukünftige IT-Landschaft/-Strategie aus?
2. Wie sieht meine unternehmerische Nachhaltigkeitsstrategie aus?
3. Wie spezifisch sind meine resultierenden Anforderungen an eine Nachhaltigkeitslösung?
4. Mit welchem zeitlichen Aufwand muss ich rechnen?
5. Welchen finanziellen Aufwand muss ich hierfür einplanen?
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