Alexander Zachow, Regional Director DACH - Web & Security Sales bei Akamai Technologies.
Datenverkehr, Serverfarmen, Sicherheit – das Internet ist ein gigantischer Energiefresser. Das World Wide Web ist für rund zwei Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich und produziert so viel Kohlendioxid wie die Flugindustrie. Auf der Intelligent Edge Plattform von Akamai, einem der größten Plattform- und Serverbetreiber weltweit, ist der Traffic allein im ersten globalen Lockdown 2020 um 30 Prozent gestiegen. Das ist das Zehnfache des normalen weltweiten Wachstums im selben Zeitraum: Der große Bedarf an virtueller Kommunikation im Homeoffice sowie zunehmendes Video-Streaming in der Freizeit stellen neue Traffic-Rekorde auf.
Angesichts des Klimawandels ist es höchste Zeit, die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten. Die gute Nachricht: Es gibt viele Möglichkeiten, wie Unternehmen ihre digitale Transformation mit Nachhaltigkeitszielen vereinbaren können.
Fünf Ansätze, wie Unternehmen nachhaltig handeln und so Ihren CO2-Fußabdruck verkleinern können:
Im ersten Schritt sollte die bestehende Software- und Hardware-Infrastruktur geprüft und Einsparpotenziale evaluiert werden. Die Analyse schlüsselt auf, wie viel Emissionen eingespart werden können, die durch direkte oder indirekte Nutzung digitaler Angebote entstehen. Dafür ist es sinnvoll, einen Sustainability-Experten zu Rate zu ziehen. Spezialisierte IT-Beratungsfirmen messen und analysieren die kundenspezifischen (Traffic-)Zahlen und erstellen einen Emissionsbericht. Darin wird konkret dargelegt, wie ein Unternehmen seine IT-Systeme aufsetzen muss, um die gesteckten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Die Analysen zeigen zum Beispiel unternehmensspezifische globale Emissionen auf, die durch die eigene Server- und Energienutzung entstehen.
Eine Lösung könnte der Einsatz von energieeffizienten Edge-Plattformen sein. Denn alle Daten werden über Server transferiert. Diese zu betreiben, kostet immense Energie. Hinter jeder IT-Struktur, sei es für Banken, Einzelhändler, Medienunternehmen oder Regierungsbehörden, stecken große Server-Systeme, die Leistungsfähigkeit und Sicherheit des Datentransfers gewährleisten.
Die effizienteste Möglichkeit, hier Energie einzusparen, ist die dezentrale Datenverarbeitung. Edge-Plattformen reduzieren Latenzzeiten und ermöglichen einen effizienten Datentransport in Echtzeit. Ein Beispiel: Ruft ein Endnutzer Daten ab, wird eine Kopie dieser Daten auf einem Server gespeichert, der physisch näher am Endnutzer liegt. Für den nächsten Nutzer in diesem geografischen Gebiet, der dieselben Daten abrufen möchte, liegen sie bereits vor. Unternehmen, in denen viele solcher Datenanfragen anfallen, können mit der Nutzung der Edge-Plattform enorm viel Energie sparen und so Emissionen einsparen.
Im Rahmen von Nachhaltigkeitsmaßnahmen können Unternehmen bei der eigenen Stromversorgung Emissionen reduzieren, beispielsweise indem der benötigte Strom für das Firmennetzwerk aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Die Nutzung einer eigenen Solaranlage auf dem Firmendach oder die Einspeisung von Energie aus regionalen Windparks können zur CO2-Neutralität beitragen. Innovative Technologien wie moderne Kühlsysteme unterstützen dabei den effizienten Betrieb. KI-Techniken können die Power Usage Effectiveness (PUE) einer Anlage prognostizieren und sie in Echtzeit dynamisch optimieren –und unterstützen damit Unternehmen auf dem Weg zur CO2-Neutralität.
Auch vermeintlich kleine Maßnahmen können große Auswirkungen auf die digitale Nachhaltigkeit haben. Die IT-Ausstattung sollte auf das Nötigste reduziert und möglichst lange genutzt werden. In Deutschland fielen allein im Jahr 2018 rund 2,4 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Davon wird nur ein Bruchteil recycelt. Altgeräte sollten der Kreislaufwirtschaft zugeführt werden, um ihr Leben zu verlängern. Beim Upcycling von IT-Assets unterstützen auch Drittanbieter. Hardware ist zudem ein Energiefresser. Einzelne Geräte mögen einen recht geringen Stromverbrauch haben; in einem Unternehmen mit Tausenden Geräten summiert sich das allerdings schnell. Geräte sollten stets den niedrigsten Stromverbrauch haben, den sie für die Ausführung einer bestimmten Aufgabe benötigen.
Nachhaltiger Fortschritt lässt sich nicht in einem Silo erreichen. Eine Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, um Synergieeffekte zu nutzen, ist empfehlenswert. Das betrifft zum Beispiel Verhandlungen mit Rechenzentrumspartnern oder Kunden aus dem Energiesektor. Beispielsweise könnten erneuerbare Stromaggregationen mitgenutzt werden. Auch Mitgliedschaften in Gruppen wie der Renewable Energy Buyers Alliance (REBA) können hilfreich sein. Die offene Kommunikation mit allen Akteuren ist immens wichtig, um zumindest kleine Ziele rasch zu erreichen.
Dass diese fünf Maßnahmen funktionieren, hat Akamai selbst bewiesen: Der Edge-Anbieter konnte die eigenen Emissionen um 30 Prozent reduzieren, seine Plattformen zu 50 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgen sowie 100 Prozent des eigenen Elektroschrotts recyceln. Das zeigt: Die Potenziale stecken überall. Es gilt, sie lieber früher als später aufzudecken.
Bildquelle: Akamai