„Die Wiederaufbereitung und das Recycling von Geräten reduzieren unnötige Belastungen von Abfalldeponien“, so Robert O'Mahony von Logitech.
ITM: Herr O'Mahony, welchen Stellenwert besitzt das Thema „Nachhaltigkeit“ aktuell im deutschen Mittelstand?
Robert O'Mahony: Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Teil unserer Kultur und einer unserer Grundwerte. Wir haben das letzte Jahrzehnt damit verbracht, Nachhaltigkeit in alle unsere Aktivitäten einzubringen und unsere Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren. Dazu gehört die Neugestaltung des Produktdesigns in allen Phasen des Lifecycle und das Vorantreiben mehrerer wichtiger Umweltziele. Die Ziele orientieren sich an den Verpflichtungen des Pariser Abkommens: von der Neutralisierung unserer Kohlenstoffauswirkungen und dem Streben nach einer 100-prozentigen Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen bis hin zur Verwendung von Kreislaufmaterialien wie recyceltem Kunststoff und der Einführung einer transparenten CO2-Kennzeichnung für unsere Produkte.
ITM: Welche Faktoren beeinflussen diesen Stellenwert? Welche Rolle spielt dabei etwa die Corona-Krise?
O'Mahony: Unsere Nachhaltigkeitsstrategie gab es schon vor Covid-19.
ITM: Wie lassen sich die CO2-Emissionen eines Unternehmens konkret messen?
O'Mahony: Das Carbon Disclosure Project (CDP) ist eine internationale Initiative, die ein globales, standardisiertes System für die Offenlegung und den Austausch von CO2-, Energie- und Umweltinformationen durch Unternehmen bereitstellt. Wir nutzen die CDP-Plattform, um mithilfe des Fragebogens zum Klimawandel öffentlich über unsere Energie- und Klimaleistung zu berichten. Außerdem erhalten unsere Kunden über den CDP-Fragebogen zur Lieferkette eine entsprechende Auskunft. Indem wir unsere Ergebnisse auf diese Weise kommunizieren, fördern wir die Transparenz und Glaubwürdigkeit in der gesamten Branche.
ITM: Was trägt besonders stark zu hohen CO2-Emissionen bei?
O'Mahony: Natürlich haben die verschiedenen Industriezweige unterschiedlich hohe CO2-Emissionen. Eine spannende Übersicht dazu gibt es beispielsweise bei ghgprotoco.org. Aus unserer Sicht als Designunternehmen wissen wir, dass die größten Chancen, die Umweltbelastung zu reduzieren, schon früh im Designprozess entstehen. Genau dann, wenn wichtige Entscheidungen über ein Produkt getroffen werden. Wir folgen dabei dem „Design for Sustainability“-Prinzip. Denn gutes Design und erstklassige Technik können negative Folgen identifizieren und beseitigen, bevor sie entstehen. Deshalb ergreifen wir umfangreiche Maßnahmen, um Materialien und Komponenten mit geringerer Umweltbelastung auszuwählen, umweltfreundliche und effiziente Fertigungsverfahren zu verwenden, Verpackungen mit geringer Umweltbelastung zu entwerfen, den Energiebedarf in der Vertriebsphase zu reduzieren und neue Rücknahme- und Recyclingmöglichkeiten für Altgeräte zu etablieren. Wir erreichen diesen Anspruch durch ein aktives Life-Cycle-Assessment-Programm (LCA). Dieses liefert ein Maß für die CO2-Belastung, indem es die Umweltauswirkungen aller Lifecycle-Phasen für jedes Produkt quantifiziert – von den Rohstoffen, der Herstellung und dem Transport bis hin zur Nutzung durch den Verbraucher und der End-of-Life-Phase. Dieser LCA-Ansatz quantifiziert die Umweltauswirkungen, die ein Produkt oder eine Dienstleistung verursacht, mittels eines wissenschaftlich fundierten Ansatzes, bei dem Kohlenstoff als Maß für die Umweltauswirkungen verwendet wird. Dieser Ansatz ermöglicht es uns, Innovationen an den kritischen Punkten vorzunehmen, um eine Verbesserung oder Reduzierung der CO2-Auswirkungen zu erreichen. Wir messen außerdem die Auswirkungen unserer Designentscheidungen auf Toxizität, Wasser, Kreislaufwirtschaft und andere Umweltindikatoren und handeln dementsprechend. So haben wir einen ganzheitlichen Blick auf unsere Einwirkungen auf die Umwelt und Möglichkeiten zur Verbesserung.
ITM: Wo sollten Unternehmen als erstes ansetzen, wenn sie nachhaltiger werden wollen?
O'Mahony: Das Aufstellen von wissenschaftlich fundierten Zielen und die Ausrichtung der Ziele an globalen Frameworks schafft Verbindlichkeit und einen nachvollziehbaren Startpunkt. Wir sind Verpflichtungen eingegangen, die sich an den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung, dem UN-Abkommen von Paris und dem Verhaltenskodex der Responsible Business Alliance orientieren.
ITM: Welche Rolle spielen beispielsweise Device Refurbishment, erneuerbare Energien oder E-Mobilität?
O'Mahony: Die Wiederaufbereitung und das Recycling von Geräten reduzieren unnötige Belastungen von Abfalldeponien und schonen wertvolle Ressourcen. Im Rahmen unseres „Design for Sustainability“-Ansatzes entwickeln wir kontinuierlich Verbesserungen in Bezug auf die Effizienz unserer Produkte, die Verpackung und den Batterieverbrauch. Außerdem fördern und finanzieren wir das Recycling von Altgeräten auf der ganzen Welt. Wir haben uns zu 100 Prozent erneuerbaren Energien verpflichtet. Basierend auf unserer Arbeit in den letzten zehn Jahren sind wir jetzt bei 88 Prozent erneuerbarem Strom.
ITM: Welche Hürden müssen Mittelständler dabei oftmals meistern?
O'Mahony: Elektroabfall ist einer der am schnellsten wachsenden globalen Abfallströme und eine zunehmende Herausforderung. Unsachgemäß behandelter Elektroschrott kann sich negativ auf den Boden, Wasserquellen und die Luft auswirken. Das Recycling von Altgeräten hilft, Ressourcen und Energie zu sparen, kurbelt die lokale und globale Wirtschaft an, schafft Arbeitsplätze und fördert die Gemeinschaft. Lokale Recyclingpartner und Sammelstellen für Elektroschrott sind unerlässlich, um erfolgreiche Systeme zu gewährleisten.
ITM: Inwieweit lassen sich Digitalisierung und Nachhaltigkeit miteinander vereinen?
O'Mahony: Wie bereits erwähnt, ist es wichtig, nachhaltige Praktiken zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenskultur zu machen, um Fortschritte zu erzielen. Dazu gehört z.B., Technologie als Teil der Lösung einzusetzen oder gute Designpraktiken zu nutzen, wie wir es beispielsweise tun.
ITM: Inwieweit können externe Berater bei der Erstellung einer Nachhaltigkeitsstrategie Hilfe leisten?
O'Mahony: Die Zusammenarbeit mit renommierten Experten von Weltrang war wichtig für unsere Arbeit im Bereich „Nachhaltigkeit“ – von der Strategie bis hin zur Best Practice und der Evaluierung. Außerdem haben wir im Laufe der Jahre unsere eigenen internen Fähigkeiten und Fachkenntnisse stetig weiterentwickelt.
ITM: Wie bemüht sich Ihr Unternehmen, den eigenen CO2 Footprint möglichst gering zu halten?
O'Mahony: Die Climate Action Strategy basiert auf den drei Rs – Reduce, Renew und Restore. Unser Ziel ist es:
- unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren, um das 1,5-Grad-Celsius-Ziel zur Bekämpfung des Klimawandels zu unterstützen.
- die Zusammensetzung unseres CO2 Footprint zu erneuern, indem wir 100 Prozent erneuerbare Elektrizität verwenden.
- und was wir nicht reduzieren oder erneuern können, werden wir durch Investitionen in „Netto-Null“-Forstwirtschaft wiederherstellen, während wir klimabeeinträchtigte Gemeinden unterstützen.
Erst kürzlich haben wir uns dazu verpflichtet, vermehrt recycelte Kunststoffe (PCR) in unsere Produkte zu integrieren, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren und die Kreislauffähigkeit unserer Produkte zu erhöhen. Bis Ende dieses Jahres werden mehr als 50 Prozent der Mäuse und Tastaturen im Produktportfolio aus recyceltem Kunststoff bestehen, wodurch schätzungsweise 7.100 Tonnen neuer Kunststoff und 11.000 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr eingespart werden. Diese Verpflichtungen sind das Ergebnis von mehr als einem Jahrzehnt Bemühungen, um nachhaltiges Design im gesamten Unternehmen und den Produkten zu implementieren.
Bildquelle: Logitech