Drei Fragen an

Nachhaltigkeit ist kein Hexenwerk

Nachhaltige IT-Nutzung ist kein Hexenwerk, auch wenn Nachhaltigkeit jede Phase des Lebenszyklus eines Produkts betrifft. In jeder dieser Phasen können schon einfache Maßnahmen reichen, um den CO2-Fußabdruck eines Geräts zu verringern. Zwei Erkenntnisse scheinen besonders hilfreich: Zeitgemäße Geräte müssen nicht notwendigerweise immer brandneu sein. Und es gilt, verantwortungsbewusst und nachhaltig mit digitalen Arbeitsgeräten umzugehen.

  • Nachhaltigkeit

    Es gilt, verantwortungsbewusst und nachhaltig mit digitalen Arbeitsgeräten umzugehen.

  • Leonie Sterk

    Leonie Sterk, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Epson Deutschland GmbH.

  • Emanuel Lippmann

    Emanuel Lippmann, Global Program Manager Social Impact bei Dell Technologies.

Zu den wichtigsten Beiträgen der Belegschaft zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks gehört die Optimierung des Stromverbrauchs. So sollten Rechner und Monitore am Ende eines Arbeitstages nicht einfach nur in den Standby-Modus versetzt, sondern ganz von der Stromversorgung getrennt werden. Erst dann verbrauchen sie tatsächlich keinen Strom mehr. Der Feierabend ist auch eine gute Zeit, um einmal kurz über den Rechner zu wischen. Speziell der Lüfter verträgt hin und wieder den Einsatz eines Staubwedels, weil er dann besser – und das heißt in diesem Fall sparsamer – arbeiten kann. IT-MITTELSTAND hat zwei Experten gefragt, worauf besonders zu achten ist.

ITM: Es gibt jede Menge Initiativen und Zertifikate wie RE100, das EU Ecolabel oder den Blauen Engel. Welches Zertifikat ist aus Ihrer Sicht für den IT-Chef eines Mittelständlers besonders aussagekräftig beim Einkauf – und warum?
Emanuel Lippmann:
Es gibt tatsächlich eine Vielzahl unterschiedlicher Prüfsiegel, deren Einordnung durch die jeweilige Verwendung oft zusätzlich erschwert wird. So kommen manche Labels weltweit zum Einsatz, andere hingegen nur auf regionaler Ebene oder in bestimmten Branchen. Es empfiehlt sich deshalb, auf Zertifikate zu setzen, die von möglichst vielen Herstellern verwendet werden. Weltweit sehr bekannt, und damit ein guter Orientierungspunkt für mittelständische Unternehmen, ist das IT-Umweltsiegel Epeat, das vom „Green Electronics Council“ vergeben wird. Bei dieser Zertifizierung werden verschiedene Aspekte berücksichtigt – vom Energieverbrauch über verbaute Materialien und deren Recyclingfähigkeit bis hin zur Lieferkette. Damit bietet das Siegel einen ganzheitlichen Ansatz. Gerade der Blick auf Lieferkettenbedingungen und soziale Standards gewinnt immer mehr an Bedeutung. Hier liefert die „Responsible Business Alliance“ mit ihrem „Validated Assessment Program“ (VAP) einen wertvollen und weit verbreiteten Nachweis.

Leonie Sterk: Es stimmt, es gibt kein generelles Nachhaltigkeitslabel über alle Bereiche hinweg. Ein genauerer Blick lohnt sich dennoch, denn wenn ein Unternehmen künftig erfolgreich sein will, muss es nachhaltig agieren. Der wahrscheinlich wesentlichste Punkt bei der Auswahl: Konzentration auf unabhängig, extern zertifizierte Standards, die am Markt Vertrauen genießen. Grundsätzlich beziehen sich die Nachhaltigkeitszertifikate meist entweder auf Unternehmensstandards (z.B. ISO 14001) oder das Produkt. Bei IT-Produkten sind der Blaue Engel oder TCO Certified zu nennen. Dies sind Ökolabels, die den Energiebedarf und Umweltfaktoren im Fokus haben. Zu Recht immer präsenter werden soziale Aspekte in der Produktion und Lieferkette. Ein Zertifikat, welches hervorsticht, ist RBA VAP. Hier werden soziale Standards geprüft, die sich auf Lieferketten, Arbeitsbedingungen und verantwortungsvolles Wirtschaften beziehen. Mittlerweile schon ein „Klassiker“ unter den Ratings ist Eco Vadis. Es bewertet Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung. Wenn möglich, ist es darüber hinaus sinnvoll zu schauen, wie sich Unternehmen in Organisationen und Initiativen wie z.B. RE100 – also die hundertprozentige Nutzung von Ökostrom – engagieren.

ITM: Was ist die wichtigste Maßnahme, mit der ein Mittelständler Beiträge zum Ziel von „Green IT“ leisten kann, also wie sich die Nutzung von IT-Systemen über deren gesamten Lebenszyklus hinweg umwelt- und ressourcenschonend gestalten lässt?
Sterk:
Tatsächlich ist es so, dass die IT-Infrastruktur oftmals gar nicht bedacht wird, wenn es darum geht, Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Unternehmen zu planen und umzusetzen. Dabei gehören IT-Geräte mit zu den größten Energieverbrauchern im Büro. Es lohnt sich also, auch hier auf Nachhaltigkeit zu achten und gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen. Eine Maßgabe für „grüne IT“ ist zugleich auch die naheliegendste: Neben der Qualität des Produkts sollte auch der ökologische Fußabdruck bei der Entscheidung für oder gegen ein Produkt eine wichtige Rolle spielen. Unsere Produkte sind z.B. über den gesamten Produktzyklus so konzipiert, die Umwelt möglichst wenig zu belasten. Dies betrifft sowohl den Energieverbrauch als auch das Verbrauchsmaterial und den Wartungsbedarf. Auf solche Kriterien schon im Vorfeld zu achten, ist wesentlich, um umweltfreundlicher zu agieren.

Lippmann: Die effektivste Maßnahme ist, Geräte möglichst lange zu verwenden. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet entfällt bei Computern der größte Anteil des CO2-Fußabdrucks auf den Herstellungsprozess. Es sollte deshalb kein Standard mehr sein, Hardware nur drei oder fünf Jahren zu nutzen. Wenn ein Rechner im Büro ausgetauscht werden muss, kann er durchaus noch ein zweites Leben führen, z.B. in Schulungsräumen, für einfachere Anwendungen in der Firma oder als Spende für Bildungseinrichtungen oder Vereine. Grundlegend hierfür ist, dass die Geräte die nötigen Voraussetzungen für die Zweit- oder Drittverwertung mitbringen. Dazu zählen ein modulares Design mit möglichst wenig fest verbauten Teilen, um Upgrades einzelner Komponenten sowie die Reparierbarkeit zu gewährleisten, und auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, Reparaturanleitungen und Firmware-Updates über viele Jahre hinweg.

ITM: Haben Sie Praxistipps für mehr Nachhaltigkeit im alltäglichen IT-Betrieb eines Mittelständlers, also z.B. für Energie- und Ressourcensparen und generell für das Arbeiten mit möglichst geringem CO2-Fußabdruck?

Sterk: Wichtig ist es, überhaupt anzufangen – auch kleine Schritte zählen. Insgesamt sollte der Energie- und Ressourcenbedarf reduziert und umweltfreundlicher ausgerichtet werden. Egal ob Produktion oder Verwaltung: Ein relativ einfacher Start ist die Umstellung auf Ökostrom. Beleuchtung, umweltfreundliches Büromaterial, strom- und ressourcensparende IT-Infrastruktur sind weitere Kriterien. Unsere Drucker nutzen die Heat-Free-Technologie, eine kalte Technologie, die sehr wenig Strom benötigt. Speziell für das Büro gibt es Modelle, die mit großvolumigen Tintenbeuteln arbeiten und damit per se Abfall vermeiden. Allgemein gilt: Informieren Sie Ihre Belegschaft und binden Sie diese mit ein, wo immer möglich! Ohne die Menschen werden Sie es nicht schaffen, die Prozesse zu ändern.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 06/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Lippmann: IT-Verantwortliche können schon beim Einkauf einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit ihrer Firma leisten, indem sie neben den zuvor erwähnten Prüfsiegeln auch auf die richtige Dimensionierung der Hardware achten: Prozessor, Grafikkarte, Bildschirm und Netzteil beeinflussen den Stromverbrauch der Geräte maßgeblich und sollten daher an die tatsächlichen Nutzungsszenarien angepasst, also nicht über-, aber auch nicht unterdimensioniert sein. Ferner sind Pay-per-use-Modelle oder Leasing-Angebote eine gute Möglichkeit, um ressourcenschonend zu arbeiten, da hier die Wiederaufbereitung nach der Nutzung oder das Recycling oft schon eine Standardkomponente des Angebots sind. Zu den wichtigsten Beiträgen, die jeder Mitarbeiter zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks seines Unternehmens leisten kann, gehört die Optimierung des Stromverbrauchs. Rechner und Monitore sollten am Ende eines Arbeitstages ganz von der Stromversorgung getrennt werden. In Arbeitspausen ist es hingegen sinnvoll, den Ruhemodus des Rechners zu nutzen, um Strom zu sparen. Auf Bildschirmschoner sollte verzichtet werden, da gerade aufwendige 3D-Animationen zu den größten Energiefressern zählen. Und zum umweltfreundlichen Arbeiten gehört natürlich auch der Verzicht auf Ausdrucke.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus, Epson, Dell Technologies

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