Schon die Standortwahl kann für die Nachhaltigkeit eines Rechenzentrums entscheidend sein.
Rechenzentren verbrauchen viel Strom und erhöhen den CO₂-Fußabdruck. Viele Betreiber versuchen, sie nachhaltiger zu gestalten – etwa durch einen effizienteren Energieeinsatz oder die Nutzung von Abwärme zum Heizen von Gebäuden. Beim Bau von Rechenzentren wird das Thema dagegen oft vernachlässigt, obwohl rund 36 Prozent des weltweiten CO₂-Ausstoßes auf Bauprojekte entfallen. Dieser besteht aus den direkten Emissionen der Hersteller (Scope 1), den indirekten Emissionen der Energielieferanten (Scope 2) sowie dem Treibhausgasausstoß der Lieferkette (Scope 3).
Wie klimaneutral ein Rechenzentrum gebaut wird, hängt von drei wesentlichen Aspekten ab: der Planung, dem Bauprozess und der Wahl der Materialien. Besonders wichtig ist eine vorausschauende Planung, da beim Bau viele ressourcenintensive Prozesse ineinandergreifen. Das beginnt schon mit der Standortauswahl. Um etwa die Abwärme eines Rechenzentrums zum Heizen nutzen zu können, müssen Wohn- oder Bürogebäude in der Nähe sein. Auch die Strominfrastruktur – etwa Leitungen und Umspannwerke – sowie Glasfaserkabel für schnelle Internetverbindungen gilt es bereits in der Stadt- und Raumplanung zu berücksichtigen. Zudem müssen zu Projektbeginn die Ziele zu einzelnen Nachhaltigkeitsaspekten festgelegt, regelmäßig überprüft und über Zertifizierungen nachgewiesen werden.
Auch die eigentliche Bauplanung muss gut strukturiert sein. Denn oft zeigt sich erst in der Bauphase, dass ein Prozess nicht durchdacht ist – etwa Schnittstellen nicht klar definiert sind oder Ressourcen ineffizient genutzt werden. Dann sind auf der Baustelle bestimmte Materialien im Überschuss vorhanden, während andere fehlen. Und das kann zu Verzögerungen führen und den Ressourcenverbrauch unnötig erhöhen.
Wichtig ist daher, alle Abläufe aufeinander abzustimmen und für jeden Arbeitsschritt eine gewisse Zeitspanne einzuhalten, bis der nächste erfolgt. Zudem muss definiert werden, welcher Schritt in welcher Zeit und mit wie viel Personal erledigt werden soll. Dabei helfen spezielle Software-Lösungen sowie agile Planungsmethoden wie die sogenannte Taktplanung. Je nach Länge der Taktzeiten der Prozesse lassen sich damit 40 bis 60 Prozent an Zeit einsparen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wahl der Baumaterialien. Baufirmen haben zwar keinen Einfluss auf die Scope-3-Emissionen einzelner Rohstoffe. Sie können aber Materialien auswählen, die nachhaltig gewonnen, verarbeitet und geliefert werden. Und sie können darauf achten, dass sich die Baustoffe entsorgen oder wiederverwenden lassen. Die Anbieter müssen daher für jedes Produkt den genauen CO₂-Fußabdruck ausweisen. Nur so kann ein Gesamtbild über die Klimaeffizienz des späteren Gebäudes entstehen. Beim Bau von Rechenzentren dominiert nach wie vor Beton. Seine Herstellung ist jedoch sehr energieintensiv, vor allem bei der Verarbeitung von Zement werden enorme Ressourcen verbraucht. Und ein weiterer Bestandteil von Beton, ein spezieller Sand, ist nicht endlos verfügbar. Es braucht daher Alternativen.
In der Logistik gibt es bereits nachhaltige Ansätze – allen voran der Einsatz vorproduzierter oder zusammengesetzter Bauteile. Anstatt jedes Teil einzeln zur Baustelle zu fahren und dort zu montieren, erfolgen bestimmte Arbeitsschritte bereits in der Fabrik. Das spart nicht nur Ressourcen ein, auch für die Vor-Ort-Installation typische Effekte wie hohe Ausschussraten und erschwerte Qualitätskontrolle lassen sich verringern.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Für mehr Nachhaltigkeit in allen Bereichen nutzt etwa NDC-Garbe smarte Baumanagement-Lösungen wie Building Information Modeling (BIM). Die Lösungen arbeiten hochpräzise und helfen, die Koordination zu verbessern, Schnittstellen zu definieren und die Vorproduktion von Teilen in die Wege zu leiten. Das koordinierte Zusammenwirken aller Instanzen und Gewerke verschafft den Projektverantwortlichen eine belastbare Grundlage und trägt erheblich zu einer ressourcenschonenden und klimaneutralen Bauweise bei.
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