„Die grundsätzliche Sinnhaftigkeit eines bestimmten Cloud-Vorhabens und auch die damit verbundenen Herausforderungen können im Vorfeld durch einen Berater geklärt werden, wodurch die letztliche Umsetzung reibungsloser und zielgerichteter verläuft“, beschreibt Christian Brünger, Geschäftsbereichsleiter IT-Consulting bei der Janz IT AG, die Wichtigkeit von Beratungsdienstleistungen. „Hierbei ist es essentiell, dass strukturiert und methodisch vorgegangen wird“, ergänzt Martin Finkbeiner. Er ist Head of Technology Consulting bei der Gopa IT Consultants GmbH. „Die individuelle Bedarfssituation muss mit den Möglichkeiten des Cloud Computing, aber auch mit dessen Limitationen in Einklang gebracht und vor allem die Lösung gefunden werden, die den größten Nutzen bei bester Wirtschaftlichkeit liefert.“ Gleicher Meinung ist auch Christian Brünger: „Den Unternehmen müssen Wege aufgezeigt werden können, wie durch die intelligente Kombination von Geschäftsprozessen, Unternehmensressourcen und -informationen sowie cloud-basierten Systemen ein Mehrwert geschaffen werden kann. Das Konzept des Cloud Computing beeinflusst und verändert somit vor allem die zukünftigen Strukturen und Geschäftsprozesse mittelständischer Unternehmen. Hierauf muss sich die Beratungsbranche einstellen.“
In jedem Fall wird Cloud Computing einen nachhaltigen Einfluss auf jene Branche ausüben, ist sich Trivadis-CTO Dr. Martin Wunderli sicher. Seiner Ansicht nach werden entweder gewisse Consulting-Elemente überflüssig – wer will im Zeitalter von Google Mail oder Office 365 noch einen Mail-Server installiert haben? – oder der Dienstleister muss sich umorientieren bzw. Cloud-Dienste in sein Angebot integrieren. Hierzu sind die Beratungsunternehmen auf qualifiziertes Fachpersonal angewiesen. Dieses muss die neuen technologischen Möglichkeiten in seinen Handlungsempfehlungen berücksichtigen und deren Wirtschaftlichkeit für die individuellen Projekte kritisch prüfen können. Dafür muss ein Berater natürlich umfassend über die entsprechenden Thematiken – in diesem Fall Cloud Computing – informiert sein. „Das bestehende Fachpersonal kann aber problemlos die Aspekte von Cloud Computing erlernen und in das eigene Angebot integrieren“, betont Dr. Martin Wunderli. „Cloud Computing ist ja per se nichts Neues, vielmehr handelt es sich – einfach gesagt – um Infrastrukturen und Software, die man über das Netz anspricht. Ein bekanntes Terrain also.“ Gleiches bestätigt auch Gudrun Heim, Leiterin des Mittelstandsgeschäfts bei HP Enterprise Services Deutschland: „Man braucht für Cloud Computing keine ganz neue Kategorie von Beratern, weil sich das Konzept kontinuierlich aus Disziplinen wie Virtualisierung, Outsourcing und Shared Services entwickelt hat. Berater können im Cloud-Bereich sehr hilfreich sein, wenn sie zwei Vorraussetzungen erfüllen: Sie müssen Erfahrungswerte aus ähnlichen Projekten haben, und sie müssen Methoden und Werkzeuge speziell für das Cloud Computing mitbringen.“
Systematische Analyse der Kundensituation
Ob sich Cloud Computing generell für ein Unternehmen eignet und lohnt, ist laut Gopa-IT-Berater Martin Finkbeiner von Faktoren wie etwa der Sicherheit, Verfügbarkeit und Governance abhängig. Christian Brünger von der Janz IT AG ergänzt an dieser Stelle die Kriterien Datenschutz, Schnittstellen und Systemperformance und betont gleichzeitig: „Cloud Computing ist insbesondere für den Mittelstand relevant – jedoch nicht pauschal, sondern unter Berücksichtung der individuellen Anforderungen. Mit Cloud-Applikationen können Geschäftsprozesse auch im Mittelstand aufgebaut werden, die früher aufgrund hoher Einstiegsinvestitionen lediglich Großunternehmen vorbehalten waren.“ Die aktuelle Relevanz von Cloud Computing für den Mittelstand schätzt auch Dr. Martin Wunderli als hoch ein: „Aufgrund der Vielfalt und Flexibilität von Cloud Computing kann man sicher festhalten, dass zumindest eine der vielen Varianten und Kombinationen sinnvoll für ein Unternehmen ist. Richtig eingesetzt, kann sich die IT-Abteilung eines Unternehmens auf das konzentrieren, was ein Cloud-Computing-Dienstleister nicht bieten kann: die Prozesse und Eigenheiten eines Unternehmens optimal auf die (Cloud-) IT-Infrastruktur abzubilden, weil sie einerseits die IT-Kompetenz besitzt, andererseits aber ihr Unternehmen am besten versteht.“
Doch wie finden die IT-Consulting-Unternehmen konkret heraus, welche Cloud-Variante für das jeweilige Anwenderunternehmen geeignet ist? „Jede Kundensituation und die individuellen Rahmenbedingungen müssen systematisch analysiert werden. Dazu verwenden wir die Gopa IT Consulting Service Map als Zusammenstellung unseres Beratungs- und Service-Angebotes“, erläutert Martin Finkbeiner. Und Gudrun Heim von HP fügt hinzu: „Die Analyse muss grundsätzlich mehrere Dimensionen berücksichtigen: Dazu gehören Finanzen, Technik, Recht, Organisation und Prozesse. Bei diskreten Projekten – etwa der Auslagerung eines Teils der Infrastruktur – reichen dafür wenige Beratungsgespräche aus. Geht es dagegen um eine umfassende Cloud-Strategie, setzen wir spezielle Methoden und Werkzeuge ein.“ Dazu gehöre beispielsweise ein Cloud-Discovery-Workshop, bei dem erfahrene Berater zusammen mit dem Kunden den Status quo und die Ziele analysieren und die Grundzüge einer Cloud-Strategie erarbeiten.
„Wir fokussieren insbesondere die wertschöpfenden Geschäftsprozesse eines Unternehmens und analysieren dabei, welche Effekte der Einsatz spezifischer Cloud-Computing-Lösungen hinsichtlich Zeit, Kosten und Qualität des Geschäftsprozesses hat“, erklärt Christian Brünger die Vorgehensweise bei Janz IT. „Zeigen sich hierbei wesentliche Verbesserungen, erfolgt eine weitere Konkretisierung des Vorhabens und eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse, um eine fundierte Handlungsempfehlung für die Geschäftsleitung zu erstellen.“ Und Dr. Martin Wunderli von Trivadis geht es darum, „die bestehende IT-Infrastruktur und Applikationslandschaft dahingehend zu analysieren, wo es Verbesserungs- und Migrationspotential gibt. Durch eine Cloud-Lösung lassen sich oftmals schnelle Erfolge erzielen, gerade wenn man lange bestehende Lücken füllt oder neue, bis dahin nicht realisierbare Möglichkeiten bereitstellt. Durch solche positiven Effekte steigt die Akzeptanz von Cloud Computing nicht nur bei den Fachabteilungen und dem CEO, sondern auch bei den IT-Abteilungen selbst.“
Keine triviale Vertragsgestaltung
Eine weitere Aufgabe des IT-Consultants, wenn er Kunden in Cloud-Projekten in die richtige Richtung navigieren möchte, besteht in der Analyse der Vertragsgestaltung. Unternehmen gehen laut Dr. Martin Wunderli oftmals davon aus, dass eine individuelle „Gestaltung“ generell möglich ist. Das sei aber meistens nicht der Fall. So werde Amazon beispielsweise wohl kaum seine Web-Services-Vertragsbedingungen für einen Mittelständler anpassen. „Das Wichtigste ist also, zu analysieren, wie die Garantien des Providers aussehen, was er bei deren Verletzung bereit ist zu tun und zu zahlen bzw. was er eben nicht garantiert“, so der CTO von Trivadis. „Dies ist für Unternehmen auf den ersten Blick oftmals nicht offensichtlich – also eine klare Aufgabe für den IT-Consultant.“ Dass die Vertragsgestaltung bei Cloud-Lösungen nicht trivial ist, weiß auch Christian Brünger. Er betont: „Aufgrund des Charakters eines Dauerschuldverhältnisses sollten u.a. Aspekte wie die Skalierbarkeit, die Vertragslaufzeit und die Kündigungsmöglichkeit intensiv betrachtet werden. Sofern unternehmenskritische Daten mit der Cloud-Applikation verarbeitet werden, sollten auch die Aspekte wie Datenschutz und -sicherheit einbezogen werden.“ Das hebt auch Gudrun Heim hervor. Ihrer Ansicht nach spielen bei Cloud-Verträgen drei Aspekte eine besonders große Rolle: die Service Level Agreements, die Bedingungen der Datenspeicherung und -sicherung sowie die Situation nach Vertragsende. „Allerdings“, bemerkt sie, „ist ein guter Vertrag auch beim Cloud Computing keine Erfolgsgarantie.“
Ist die richtige Cloud-Strategie schließlich gefunden sowie der Vertrag zwischen Anbieter und Anwender zufriedenstellend ausgehandelt, rückt der Zeitpunkt näher, an dem sich das Beratungsunternehmen wieder ausklinken kann. „Wir haben Kunden, denen es ausreicht, wenn sie den Schirm aufgespannt bekommen“, berichtet Martin Finkbeiner von der Gopa IT. „Nachdem wir erarbeitet haben, welche Möglichkeiten vorhanden sind und daraus eine Cloud-Strategie entwickelt haben, übernehmen manche Kunden die Umsetzung dann selbst. Es sind jedoch auch Kunden dabei, die in einer langjährigen Kontinuität in allen Phasen des Lebenszyklus begleitet werden möchten.“ Auch Christian Brünger ist der Ansicht, dass es sehr sinnvoll ist, die aktuelle Cloud-Strategie mit einem externen Blick kritisch prüfen zu lassen, obgleich die Auswahl und Implementierung bereits abgeschlossen sind. Denn nur so werde gewährleistet, dass auch die Strategie nachhaltig effizient auf dem aktuellen Stand ist.
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